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GK: Du bist Professor für Texttheorie und Textgestaltung an der UdK in Berlin. Wie kann ich mir Deine Arbeit vorstellen – was machst Du?
StP: Zu allererst würde ich mal sagen, ich bin so etwas wie ein Gegenwartsbeobachter. Oder ein Kulturwissenschaftler, der für Gegenwart zuständig ist. Wenn man so wie ich aus den Geisteswissenschaften kommt, dann stellt man irgendwann fest, dass es dort so gut wie keine brauchbaren Methoden zur Gegenwartsbeobachtung gibt. Für die Beschäftigung mit der Vergangenheit ist viel da. Doch sobald es weiter in die Gegenwart geht, wird es schwierig. Man muss ausweichen in die Soziologie, die Psychologie, die Ethnologie. Wenn man sich mit Gegenwart beschäftigt, kommt dann aber noch hinzu, dass sie unglaublich schnell ist. Das heißt, wir können uns bei der Beobachtung von Gegenwart immer weniger auf das verlassen, was wir schon wissen. Interessanterweise können wir uns nicht mal auf das verlassen, was es jetzt schon gibt. Unter Umständen verwandelt es sich total oder verschwindet. Wenn man die Gegenwart beobachtet, mit der wir zu tun haben, macht es deshalb Sinn, im experimentellen Modus zu arbeiten und Sachen auszuprobieren. Das nenne ich jetzt mal ganz frech „experimentelle Kulturwissenschaft“ – die natürlich selbst wiederum ein Experiment ist.
GK: Und was hat das mit Texttheorie und Textgestaltung zu tun?
Wenn wir probeweise davon ausgehen, dass Kultur eine Form von Verknüpfung von Zeichen ist und ein Bedeutungssystem, das sich aus Zeichen ergibt, dann lässt sie sich als Text lesen. Besser noch: als hyperdimensionale Textur, an der an allen Ecken und Enden und Knotenpunkten geschrieben, gelesen, interpretiert und weitergeschrieben wird. Und damit bekommt das, was ich mache, eine ganz andere Bedeutung. In dem Studiengang, in dem ich arbeite, ist ja die Beschäftigung mit Text lange Zeit so verstanden worden, dass man den Studierenden einfach nur beibringt, gute Gebrauchstexte zu schreiben. Oder man hat mit ihnen ab und zu mal das gemacht, was man gemeinhin Kreatives Schreiben nennt. Da sollten die sich dann „auch mal“, wie es dann immer heißt, „selbst ausdrücken“. Aber das ist old school und in jeder Hinsicht bedenklich. Erst wenn man das Schreiben, Lesen und Interpretieren als Kulturtechniken versteht, und erst wenn man Kultur so beobachtet, dass sie unter bestimmten Bedingungen auf bestimmte Weisen geschrieben, gelesen, interpretiert, umgeschrieben und weitergeschrieben wird, dann geht es nicht darum „auch mal“ kreativ zu sein oder Formate zu bedienen. Dann geht es darum, über die Auseinandersetzung mit Texten Kultur zu verstehen. Und dann geht es darum, Kultur herzustellen. Und es geht darum, sich und andere dabei zu beobachten, wie man Kultur herstellt. Da wird es dann ja plötzlich interessant. Vor allem wenn man das nun mit der Idee einer experimentellen Kulturwissenschaft verkoppelt. Dann können wir nämlich das Herstellen von Texten, auch von eigenen Texten1 als eine bedingte und bestimmte kulturelle Praxis verstehen, mit der man durch sich hindurch mit Kultur experimentiert. Das alles mache ich mit meinem Assistenten Karl Flender. Und vor allem mit dem Kollegen Thomas Düllo, der diese große Wende schon vor Jahren in unserem Studiengang eingeleitet hat und dessen großer Begriff ja „Einschreibung“ ist. Ich empfehle in diesem Zusammenhang unbedingt die Lektüre von „Cultural Hacking“2, ein Buch, das Düllo mit Franz Liebl, einem anderen geschätzten Kollegen von der UdK, geschrieben hat.
GK: In „Die nächste Literatur. Anmerkungen zum Twittern“ beschreibst Du auf ganz emphatische Weise das Twittern. Du sagst aber zugleich, dass man dabei nicht stehen bleiben kann, weil es ja darum geht, etwas Nächstes herzustellen. Deshalb muss ich jetzt erstmal fragen: Twitterst Du noch oder bist Du schon bei dem, was dieses Nächste sein könnte?
Tatsächlich ändert sich mein Verhältnis zu Twitter dauernd. Für mich ist das interessant zu beobachten, dass es mit mir selbst etwas macht. Twitter ist total schnell. Und ich mag es sehr, weil es meine eigene Produktion unproblematischer gemacht hat. Ich habe Twitter immer als Raum benutzt, in dem ich Sachen ausprobieren kann. Facebook natürlich auch. Oder Instagram. Das kann ich gar nicht hoch genug einschätzen, wie das meine Kreativität und Produktivität verändert hat. Und das Nachdenken darüber. Und die Möglichkeit, dieses Nachdenken unmittelbar wieder in die Praxis einzuspeisen. Diese Praxis geht ja aber nicht in Twitter auf. Ich habe ja einige Projekte laufen, kleine Sachen und große Sachen. Und natürlich ist viel davon mit Experimenten verbunden, die jenseits von Twitter anders funktionieren.
TM: Würdest Du das Twittern als ein Element Deiner Lehre begreifen? Hat das mit der hochschulischen Lehre zu tun?
Ursprünglich hatte ich ja mal die Idee, dass ich Facebook und Twitter als Ort nutze, an dem ich andere Leute dabei zugucken lassen kann, was ich in meiner Werkstatt mache – also als Kulturwissenschaftler, als Autor, als Leser, als Vortragender, als Gegenwartsbeobachter. Es hat aber eine andere Richtung genommen. Es hat längst viel mehr mit Performance und Inszenierung zu tun. Wenn ich mir vorne auf die Schuhe „du darfst“ und „nicht schlafen“ draufschreibe, das fotografiere und dann mit der Behauptung twittere3, dass ich die Schuhe immer anziehe, wenn ich auf Konferenzen gehe, dann stimmt das natürlich nicht. Es ist ein Witz. Der hat viel mit dem zu tun, was ich von Konferenzen halte. Es hat also viel mit meinem Universitätsalltag zu tun. Es ironisiert damit das, was ich tue. Zugleich bietet es einen lustigen Konferenzwitz an, der gefavt und retweetet wird. Der eigentliche Witz aber ist: Ich ziehe die Schuhe jetzt wirklich immer zu Konferenzen an. Sozusagen zur Verdopplung des Witzes … Na gut, so lustig ist es nicht, wenn ich es auch noch erkläre. Ich jedenfalls lache viel über meine eigenen Sachen. Das ist mit einer der wichtigsten Gründe, warum ich twittere.
Im ursprünglichen Sinne hat das scheinbar gar nichts mehr mit meiner Lehre zu tun. Ich lasse ja nun nicht wirklich in meine Werkstatt gucken und andere bei dem zuschauen, was ich da mache. Es ist eben nur inszeniert. Darin liegt dann aber genau der Punkt, an dem es sich auf andere, für mich viel interessantere Weise mit meiner Arbeit verbindet. Ich zeige nämlich doch etwas. Und zwar führe ich das Prinzip der Inszenierung vor. Ich spiele etwas. Und man sieht, dass ich spiele. Es ist klar, dass ich nach dem Stiefel-Tweet in der nächsten Meldung ohne Probleme behaupten kann, dass ich „immer“ barfuß zu Konferenzen gehe, weil ich lernen will, über Scherben zu gehen, ohne den Schmerz zu spüren. Okay, kurz gesagt: Ich kann über die Inszenierung Sachen ausprobieren. Ich kann experimentieren. Und ich kann mir beim Experimentieren zuschauen lassen. Es ist dann vielleicht so etwas wie experimentelle Kulturwissenschaft in ihrer kleinsten Form. Twittern ist die kleinste Übung.
GK: In Deinem Text sprichst Du von Twitter als Werkstatt. Was ist das für Dich? Ist es ein Ort, an dem man Inszenierungen herstellt?
„Werkstatt“ ist nur ein Hilfsbegriff. Grundsätzlich ist er gut und wirklich brauchbar. Er erinnert uns daran, das eigene Tun als Teil einer doing culture zu verstehen. Richard Sennett hat uns ja mit seinem Handwerk-Buch daran erinnert und gleich noch eine utopische Dimension drangehängt. Die Werkstatt wird damit zu dem Ort, an dem wir inmitten einer virtualisierten Welt durch die konkrete Auseinandersetzung mit den konkreten Dingen wieder zu uns selbst kommen. Aber man muss aufpassen, dass man diesen Begriff nicht zu stark verwendet. Er verführt dann zu der Überzeugung, dass die Werkstatt wirklich ein Ort ist, ein Raum, ein Zimmer, irgendwas mit Wänden und Türen und Fenstern. Und er verführt dazu, das Virtuelle allzu negativ zu besetzen. Ich würde deshalb vorschlagen, die Perspektive zu ändern. Werkstatt ist kein konkreter Ort, an dem man etwas tut. Die Werkstatt ist vielmehr der Ort, der sich durch das Tun herstellt. Die Werkstatt ist dort, wo ich etwas tue. Meine Werkstatt ist mein Aktivitätsmuster.
GK: Du hast mal von einer „Ökologie der Kreativität“ gesprochen. Meinst Du das, wenn Du von Aktivitätsmuster sprichst? Also meinst Du ein Netzwerk von Aktivitäten, dass man letztlich als System verstehen kann, dem man dann den Namen „Werkstatt“ gibt.
Ja, genau. Wenn man Leuten Schreiben beibringt oder ihr Schreiben weiterentwickelt, dann kommt man ja schnell darauf, dass es völlig sinnlos ist, mit so Programmen wie „In 100 Tagen zum Roman“ zu arbeiten. Es geht viel eher um den Aufbau und Ausbau, meinetwegen auch die Optimierung individueller Aktivitätsmuster. Da kommt man mit dem klassischen werkorientierten Kreativitätsverständnis nicht weiter. Da muss man über dynamische Vernetzungen nachdenken, zu denen das Notieren, das Skizzieren, das Lesen und die dauernde Beschäftigung mit Literatur und Kultur und noch viel, viel mehr gehört. Wenn ich wirklich schreiben will, ist das alles so miteinander verwoben, dass ich nicht einfach eine Sache herausziehen kann. Man hat diesen Fehler ja lange bei Kafka gemacht. Da wollte man immer nur fertige Werke sehen. Und wo es keine fertigen Werke gab, hat man so getan, als wären es welche und hat dann sogar noch daran rumgeschraubt, dass sie einigermaßen fertig aussahen. Die gesamte neuere Kafka-Forschung basiert nun aber im Wesentlichen auf der Einsicht, dass man es hier nicht mit Werken von Kafka, sondern mit einem Kafka’schen Aktivitätsmuster zu tun hat. Oder mit einem sehr komplexen dynamischen Ökosystem, in dem Tagebücher, Aufzeichnungshefte, Romane, Briefe, Gespräche und andere soziale Aktivitäten miteinander verschaltet sind. Wer etwas über Kafka erfahren will, muss diese Verschaltung rekonstruieren. Man muss verstehen, dass er sich bestimmte Pools baut und Verbindungen dazwischen baut, heikle Verbindungen, hochempfindliche Verbindungen, über die Energien vom einen Pool in den anderen geleitet werden können. Und man muss davon jetzt mal nur einen Schritt wegtreten, um sagen zu können: Dieser gesamte Zusammenhang ist Kafkas individuelle Werkstatt. Und es lassen sich Produktionszusammenhänge immer als solche individuellen Werkstätten verstehen, als komplex gewobene Ökosysteme. Und zu meiner Werkstatt gehört dann eben Twitter unbedingt dazu.
TM: Zu Beginn unseres Gesprächs hast Du eher wie ein Wissenschaftler gesprochen, eben hast Du für die Werkstatt plädiert. In der Werkstatt arbeitet der Künstler. Der Wissenschaftler arbeitet eher im Labor. Inwieweit verstehst Du Dich als Künstler und inwieweit als Wissenschaftler?
Also, über mich als Künstler zu sprechen, hat etwas Eigenartiges, finde ich. Genau so eigenartig klingt es für mich, wenn man von mir als Wissenschaftler spricht. Ich bin ja irgendetwas dazwischen. Aus der Perspektive von dem, was ich eben gesagt habe, könnte die Formel lauten: Ich experimentiere mit einer heiklen Verknüpfung. Ich bin übrigens jeden Tag immer wieder überrascht und wirklich total dankbar, dass man mit etwas derart Heiklem überhaupt so weit kommen kann. An der Universität Hildesheim, wo ich Juniorprofessor und dann Professor war, haben sie ja 1998 mit dem Studiengang „Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus“ ein wirklich verrücktes Experiment gestartet. Das war einmalig, was sich damals der Präsident Wolfgang-Uwe Friedrich und der Autor Hanns-Josef Ortheil vorgenommen haben: nämlich Schreibtheorie und Schreibpraxis zu verbinden und das ganze in einen Fachbereich einzubetten, der auf „Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis“ ausgerichtet ist. Ich habe in Hildesheim vor allem von Ortheil und den Kollegen vom Theater, der Kunst und der Kulturpolitik und der Musik unglaublich viel gelernt. Weil die eben mit großer Souveränität darauf bestanden haben, zwei Bereiche zu verbinden, die an Universitäten so gut wie gar nicht zu verbinden sind. Vor allem Ortheil lebt das ja als Autor und gibt es sozusagen als Komplett-Ökosystem an die Studierenden weiter. Das ist schon groß. Jetzt an der Universität der Künste kann ich das richtig lustvoll ausleben, weil hier alles noch stärker auf Experiment angelegt ist und wir alle dauernd etwas ausprobieren können. Wir haben hier die Selbstverpflichtung, auf flirrende Weise Wissenschaft und ästhetische Praxis miteinander verbinden.
TM: Das finde ich eine interessante Formulierung: „Auf flirrende Weise verbinden“, weil das uns Kunstpädagogen prinzipiell so ähnlich geht. Wir sind weder Künstler, wenn man die Künstler fragt, noch sind wir Wissenschaftler, wenn man die richtigen Wissenschaftler fragt.
Ja, absolut. Es ist die Möglichkeit für ein Sowohl-als-auch. Das ist doch stark! Man muss sich nur ab und zu kneifen und sich daran erinnern, dass das toll ist. Manchmal fühlt man sich ja wie eine Mangelexistenz, die weder das eine noch das andere richtig macht. Vor allem die Hardcore-Kollegen, die streng in ihren Disziplinen arbeiten, neigen ja dazu, einem das vorzuwerfen. In der Kunstpädagogik ist das ja weit verbreitet. Übrigens mit Folgen für das Selbstbewusstsein des Faches. Ich wünsche mir ja immer Kunstpädagogen und -pädagoginnen, die ihr Sowohl-als-auch gegen alle Engstirnigkeiten stark machen und zeigen, wie produktiv das sein kann, wenn man beides flirrend verbindet.
GK: Du twitterst ab und zu Collagen, die Du machst, fotografierst und dann online stellst. Was ich daran interessant finde ist, dass es erst analog gebastelt wird und dann aber überführt wird in eine Form, die alle wieder weiter bearbeiten oder Bezug darauf nehmen können. Was meinst Du – ist das für Schule relevant?
Für die Schule ist die einzelne Collage als Werk vielleicht gar nicht so interessant. Vielleicht ist es eher die Figur, die ich vorführe. Man könnte, wenn man genau hinschaut, sehen, wie eine bestimmte Kompetenz vorgeführt wird. Ganz dick aufgetragen würde ich sagen: die Kompetenz des Nächsten. Die Bilder zeigen immer, dass sie ohne großen Aufwand gemacht sind und auch schnell wieder verschwinden. Es sind keine bleibenden Werke. Sie existieren nur als Foto und dann auch nur auf Twitter, wo sie noch mal flüchtiger werden. Ich zeige also, wie ich ständig mit Materialien und Medien umgehe, um die Sachen in Bewegung zu halten.
GK: Und was würden Schülerinnen und Schüler dabei lernen, wenn sie selbst die Sachen so in Bewegung halten?
Es hat wieder etwas mit dem Nächsten zu tun. Wenn man so arbeitet, ist ja nichts von vornherein fest gefügt. Man muss im Unterricht offene Experimentiersituationen bauen, in denen man Sachen in Bewegung hält. Das ist ja ein wesentliches Funktionsprinzip der Netzkultur, an dem man dann arbeitet. Dass man etwas ausprobiert. Und dann natürlich beim Ausprobieren auch beobachtet und sich Auskunft darüber gibt, was man da mit welchen Effekten macht.
Man hat in der Schule irgendwann entdeckt, dass man den Kindern beibringen muss, Nachrichten zu gucken. Dass sie verstehen müssen, wie Nachrichten gebaut werden. Und warum macht man das? Um ihnen klar zu machen, dass alles, was wir an Informationen bekommen, immer konstruiert und in seiner Konstruiertheit total folgenreich ist, indem es Wirklichkeit herstellt. Das sollte man jetzt auch auf Twitter und Facebook übertragen. Wenn man in den 70er Jahren begriffen hat, man sollte sich in der Schule dringend mit dem Fernsehen beschäftigen, warum sollte man dann 2014 nicht begreifen, dass man sich mit Facebook oder Twitter beschäftigen muss?
GK: Wir hatten uns in einem anderen Gespräch über Bourriauds Radikanten unterhalten, der „sagt, die entscheidende Frage der Moderne und ‚Altermoderne‘ sei nicht die nach dem ‚Woher?‘, sondern dem ‚Wohin?‘“. Ich habe mich gefragt, wie Dich dieser Text beeinflusst in Deiner Arbeit mit Bild, mit Texten und Texturen, wie Du es nennst.
Die Figur des Radikanten ist wirklich stark. Das alte Modell der Verwurzelung, des Tiefgehens, des Festkrallens in den Boden, das selbst noch in der Figur des Rhizoms4 steckt, hängt ja immer noch an der metaphysischen Idee von Wurzel und Baum. Auch wenn es kapillar oder vernetzt gedacht ist, bleibt es doch immer noch gefangen in der Idee von Eigentlichem und Uneigentlichem. Dagegen haben wir es jetzt bei den Radikanten, die Bourriaud anbietet, mit Pflanzen zu tun, die darauf angewiesen sind, dass sie etwas vorfinden. Sie brauchen etwas, das schon da ist und das sie benutzen können, um weiter zu wachsen. Ich würde sagen: Es sind uneigentliche Pflanzen des Nächsten. Das verbindet Bourriaud mit der Figur der Semionauten. Semionauten benehmen sich wie Radikanten. Aus der Perspektive einer experimentellen Gegenwartskulturwissenschaft bedeutet das, die Zeichen der Gegenwartskultur zu erkennen, zu beobachten und zu lesen und auch die Bedingungen der Interpretation und die Möglichkeiten des Weiterschreibens zu verstehen. Wenn wir es, wie ich vorhin gesagt habe, mit einer Gegenwart zu tun haben, die so schnell ist, dass sie dauernd nächste Zustände herstellt, so dass man eigentlich nur noch experimentell mit ihr umgehen kann, dann würde das mit Bourriaud heißen: Aus jedem Semiotiker, der die Zeichen von Kultur bei dieser Geschwindigkeit liest und interpretiert, muss so etwas werden wie ein Semionaut. Der Semionaut würde dann eben nicht nur lesen. Er würde auch dauernd etwas austesten.
TM: Ich verstehe. Zählt man das zusammen, also: Experimentelle Kulturwissenschaft, Wissenschaft plus ästhetische Praxis, Werkstatt und Ökologie der Kreativität, Semiotik und Semionautik – heißt das dann: Du bildest selbst Semionauten aus?
Ja, das klingt gut. Das mag ich. Gerade mache ich ein Seminar zu Roland Barthes: „Mythen des Alltags“5. Barthes liest die Populärkultur und nennt Zeichen, Superzeichen oder Bedeutungsverdichtungen, an denen er Mythen zeigen kann, denen die Gesellschaft aufsitzt. Wir fragen uns jetzt natürlich, was heute „Mythen des Alltags“ sein könnten. Das heißt: Wir treten ein in die Praxis des Beobachtens, des Lesens, des Interpretierens, des Schreibens. Und natürlich des Umschreibens von Kultur. Das Barthes’sche Projekt ist ja im Großen und Ganzen ein Kulturumschreibeprojekt. Ein anderes Beispiel ist die Vorlesung über Dilettantismus, die ich gerade halte. Ich gehe aus von der These, dass die Disziplinargesellschaft sich heute am nachdrücklichsten darin zeigt, dass wir uns alle professionalisieren müssen. Alles muss glatt sein. Der avantgardistische Dilettantismus unterläuft diese Zumutung, diese Nötigung, diesen Zwang. Und zwar mit Witz. Mit Verweigerung, Mit „Nein“ sagen, durchstreichen, schlecht machen, schlecht erfüllen und so weiter. Er nimmt Gegenwart als Material, irritiert sie, zerlegt sie und stellt sie auf skandalöse Weise anders her. Ich zeige den Studierenden verschiedene Projekte, in denen das passiert. Und biete den avantgardistischen Dilettantismus in der Vorlesung immer als konkrete Strategie für die eigene ästhetische Praxis an, weil er im Kern eine semionautische Praxis ist, die darauf basiert, dass man Vorgefundenes benutzt, um sich weiterzuentwickeln. Geniale Dilettanten sind immer auch Radikanten.
GK: Der Titel des Buchs, für das wir dieses Gespräch führen, heißt What’s Next? Art Education. What’s Next, Stephan Porombka?
Naja, wenn man sich so dezidiert mit der Figur des Nächsten beschäftigt, wie ich das so gern mache, dann können einen solche Nachfragen aushebeln. Denn wenn das Nächste auch nur das Nächste ist, dann ist es ja kein Nächstes mehr, sondern irgendwie dasselbe, nur anders. Das Nächste kann also gar nicht das Nächste sein. Muss es aber. Das ist dann allerdings eine Paradoxie, mit der ich gut leben kann. Mehr noch: Im Grunde ist sie, wie alle Paradoxien, im Kern produktiv, wenn man nur vermeidet, in den Modus der Verzweiflung zu wechseln. Mich lässt es jedenfalls nicht verzweifeln. Mich entspannt es. Ich kann einerseits die Sachen gut auf mich zukommen lassen und dabei immer denken, dass sie sicher nicht so sein werden, wie ich mir das vorstelle oder wie sie entsprechend von dem, was man bisher gemacht und herausgefunden hat, angeblich zu sein haben. Und ich kann andererseits mit dem Selbstbewusstsein arbeiten, dass ich mit den Sachen, die da auf mich zukommen, etwas machen kann. Und dass ich dieses Machen als ästhetische Praxis im Kontext der Gegenwartskultur beobachten kann. Und dass ich diese Beobachtungen wiederum in mein Machen so einspeisen kann, dass etwas Anderes als etwas Nächstes entsteht. Für mich ist das als Arbeitsgefühl und als Lebensgefühl sehr angenehm. Es ist natürlich überhaupt nicht spannungsfrei und nicht frei von Krisen, das ist ja klar. Aber es lässt mir Spielraum. Und es lässt den Sachen auch ihren Spielraum. Wahrscheinlich geht’s darum, diesen Spielraum offen zu halten und zu nutzen. Versteht man es so, dann heißt die Antwort auf die Frage, was denn das Nächste ist: Mal sehen! Es gibt ja das große Programm von Rilke, das er im Malte Laurids Brigge6 entfaltet: das „Sehen lernen“. Ich würde mal sagen: Bei der „Art Education“ müsste es heute um ein „Mal sehen lernen“ gehen. Also es käme darauf an, eine produktive, kreative Offenheit zu entwickeln, die darauf aus ist, auf lustvolle Weise – und das heißt dann immer auch auf kritische Weise! – etwas mit den Sachen zu machen, ohne sich und die Sachen endgültig festzulegen.
1.) http://txtudk.tumblr.com [22.12.2014]
2.) Thomas Düllo, Franz Liebl (Hg.), Cultural Hacking: Kunst des strategischen Handelns. New York u. a. 2004.
3.) https://twitter.com/stporombka/status/540423722243751936 [22.12.2014]
4.) Vgl. Gilles Deleuze, Félix Guattari, Kapitalismus und Schizophrenie. Tausend Plateaus. Berlin 1980.
5.) Roland Barthes, Mythen des Alltags. Frankfurt 1957.
6.) Rainer Maria Rilke, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge. Leipzig 1910.
Wiederabdruck
Eine gekürzte Fassung erschien erstmals unter dem Titel: „Occupy Kassel“ in: Monopol, Juni 2012, S. 78–81.
Sie bewegt sich im endlosen Archiv der digitalen Bilder wie auf einem Abenteuerspielplatz. Petra Cortrights buntes Gesamtwerk aus Webcam-Videos, animierten Gifs, bearbeiteten Foto-Fundstücken, Photoshop-Gemälden und ASCII-Zeichnungen stützt sich zwar überdeutlich auf den Formenkanon der Digitalbilderflut, strotzt aber gleichzeitig vor kindlicher Effektfaszination und Experimentierfreude. Als sie 2004 im kalifornischen Santa Barbara ihren High-School-Abschluss machte, veröffentlichte sie ihre Arbeiten auf LifeJournal und der Künstlerplattform nasty nets. 2007 produzierte sie ihr erstes Video „VVEBCAM“ und YouTube kam dazu. Kurze Zeit später kontaktierte Rhizome-Direktorin Lauren Cornell die damals 21-Jährige, um einige ihrer Arbeiten nicht nur im hauseigenen Netzkunst-Archiv ArtBase, sondern auch im New Yorker New Museum zu zeigen. Es folgten Einzel- und Gruppenausstellungen quer über den Globus, darunter auch die Teilnahme an der Biennale in Venedig 2009. Gemeinsam mit dem Künstler Paul Chan arbeitet Cortright derzeit an einer App, die in den kommenden Monaten über Chans Verlag Badlands Unlimited veröffentlicht werden soll. Bei ihrer Arbeit geht es Cortright vor allem um Spaß und Intuition, nach Konzept und Theorie fragt man dagegen vergeblich. Entsprechend naiv wirken viele ihre Bilder und Videos. Mittlerweile ist die Ästhetik ihrer Arbeiten erwachsener geworden. Den liebevollen und staunenden Umgang mit dem Internet, seinen Bildern und Bildbearbeitungsprogrammen aber hat sich Cortright bewahrt.
Debug: Kannst du dich mit dem Begriff Post-Internet-Kunst identifizieren?
PC: Ich weiß nicht. Ich glaube Marisa Olson hat das eingeführt und es hat irgendwas damit zu tun, dass man sich des Internets bewusst ist, oder?
Ja. Die Netzkünstler in den Neunzigern haben sich in ihren Arbeiten noch sehr auf die zugrundeliegenden Technologien bezogen, während jüngere Künstler das Internet von klein auf kennen und einen selbstverständlicheren Umgang damit pflegen, der sich eher an den Oberflächen als den Codes abarbeitet.
Die frühen Netzkünstler waren wohl misstrauisch gegenüber dem Internet und versuchten, es in irgendeiner Weise zu entlarven. Meine Perspektive ist eine ganz andere. Ich respektiere die Technologie sehr, aber ich misstraue ihr kein bisschen.
Die Folgegeneration musste keine Codes mehr schreiben, weil das Internet bereits für sie codiert war, als sie begann, es zu nutzen.
Ja, deshalb geht es uns nicht mehr um Funktionsweisen oder darum, irgendetwas zu entlarven. Ich will aber auch definitiv nichts verstecken, insbesondere nicht die vielen Programme, die ich verwende. Ich habe zum Beispiel eine Serie gemacht, die auf Backstage- und Laufsteg-Fotografien einer Modenschau basiert. Alles, was ich damit gemacht habe, war, einige Dinge darauf zu verwischen und zu verschmieren. Das ist sehr simpel, aber auch schön. Jeder, der sich mit Photoshop auskennt, weiß genau, wie das gemacht wurde; ein Grafikdesigner kommentierte diese Bilder mit den Worten: “Ich wusste gar nicht, dass man einfach nur irgendwelche Sachen in Photoshop verwischen muss, um als Künstler zu gelten.“ Wenn man kommerzielle Designs macht, muss man die Dinge eben besser aussehen lassen und will gerade nicht, dass die Leute sehen, wie man etwas gemacht hat. Das hat mit meiner Arbeit aber überhaupt nichts zu tun.
Dir ist es also wichtig, im Bild auch den Schaffensprozess darzulegen?
Ja, aber nicht, um damit etwas auszusagen. Ich verstecke lediglich den Prozess nicht – das ist eben meine Arbeitsweise. Ich versuche, sehr ehrliche Kunst zu machen. Normalerweise habe ich auch keinen Plan oder nur einen sehr unterbewussten. Wenn ich etwas bei Google Images finde, öffne ich es mit Photoshop und dann gibt es da eigentlich immer irgendeinen Filter oder ein Werkzeug, das super dazu passt. Ich begeistere mich sehr für die Software an sich. Zudem versuche ich, den Effekt, den ich benutze, immer maximal zu zeigen und hervorzuheben.
Wieso nutzt du eigentlich diese Webcams mit niedriger Auflösung?
Die neuen Kameras sehen einfach nicht hübsch aus. Die hohen Kontraste und die niedrige Auflösung dieser schlechteren Webcams sind für mich wie eine Maske oder ein Schleier. HD-Webcams sind dagegen wie Lupen, viel zu nah dran. Ich bevorzuge es, eine gewisse Distanz zu halten.
Deine jüngeren Werke machen einen weit weniger naiven Eindruck. Sie sehen teilweise aus wie Ölgemälde.
Photoshop CS5 hat diese neuen, sehr realistischen Pinselwerkzeuge. Ich habe mir extra ein äußerst reaktives Grafik-Tablet gekauft, um sie benutzen zu können. Man kann damit bleistiftartige Linien ziehen, aber wenn man den Stift neigt, verschmieren sie sofort. Außerdem lassen sich bei der neuen Photoshop-Version mehrere Farben auf einen Pinsel laden, wie bei einem echten Farbpinsel auch, das Ergebnis sind sehr malerische Bilder. Ich war dann das ganze letzte Jahr über verrückt danach, weil es einfach so viel Spaß macht.
Ist dieser scheinbar erwachsenere Stil als Emanzipation von der generellen Bildsprache des Internets zu verstehen?
Nein, ich hatte nur einfach keine Lust mehr, animierte Gifs zu machen. Das heißt aber nicht, dass ich sie nicht mehr mag.
Warum erinnert Gif-Art deiner Meinung nach so stark an die Ästhetik, die das Internet zu der Zeit hatte, als unsere Generation ihre ersten eigenen Computer bekommen hat?
Naja, es ist so ziemlich dasselbe, dieses Format hat sich nicht wirklich verändert. Es ist einfach eine Internet-Ikone. Ich liebe Emoticons und Smileys, und zwar nicht weil sie kitschig sind, sondern weil ich sie für wichtig halte. In der textbasierten Kommunikation können die Dinge auf absurdeste Weise gelesen und verstanden werden, nur weil man keinen Smiley ans Ende gestellt hat. Manche Leute mögen Emoticons kindisch finden, aber das sind sie nicht.
Parodieren deine Arbeiten das Internet und seine Phänomene in irgendeiner Form?
Nein, definitiv nicht. Ed Halter, ein Kurator und Kunstkritiker, hat über mich gesagt, dass meine Arbeiten nicht wirklich witzig sind, sondern es darin eigentlich um Schönheit und Kunstfertigkeit geht. Das fand ich sehr treffend.
Haben sie trotzdem humoristische Elemente?
Ein paar meiner Videos sind albern, aber für mich sind sie trotzdem hochkomplex und immer sehr fokussiert auf Farben und Ästhetik. Es gibt eins, wo ich einen Katzenkopf vor meinem Gesicht habe und meine Zunge rausstrecke, aber die Farbe der Katze passt zu meinem Hautton und auch zur Wand im Hintergrund. Komposition ist mir sehr wichtig.
Und Sprache? Sind beispielsweise Titel, Tags, Videobeschreibungen und deine Antworten auf YouTube-Kommentare Teil deiner Kunstwerke?
Ich habe mich immer für Leetspeak und ASCII-Kunst begeistert, weil das kreative Arten sind, mit der eigentlich fest gefügten Tastatur umzugehen. Diese merkwürdigen Buchstabierweisen bringen eine gewisse Emotionalität mit sich, was den Wörtern fast eine weitere Dimension verleiht. Leetspeak ist zum Beispiel sehr nerdig und sarkastisch, die Schreibweise bringt diesen Ton einfach mit sich. Auch meine oft merkwürdigen Titel sind keine Parodien, ich finde sie nur einfach besser als gewöhnliche Namen.
Schreibt sich die Tastatur auch auf andere Weise in deine Arbeiten ein?
Ich wüsste nicht, wie ich ohne Copy, Paste und Undo auskommen sollte, das sind tolle Anwendungen. Man kann solche Sachen vielleicht auch in der Malerei -machen, aber es dauert ewig. Meine Mutter hat einen Master in Malerei und ich habe sie mal gefragt, ob sie mir etwas beibringen könnte. Sie meinte dann nur: “Auf keinen Fall, du wirst nur ein heilloses Chaos anrichten und nichts zu Ende bringen.“ Und sie hatte absolut recht – als ich es dann irgendwann versucht habe, hatte ich nach einer Stunde schon keine Lust mehr.
Autor: Lea Becker
Wiederabdruck
Das Interview erschien in De:Bug 162 und unter http://de-bug.de/mag/9129.html [8.9.2013].
Our D.I.Y. travesties of home improvement leave us with closets full of under-used tools and sheds full of extra wood and steel wool and toxic chemicals and mastic and caulk. These closets don’t really even shut correctly; our hinges aren’t straight and we brashly scrape the undersides of our doors with a plane, hoping that two crookeds will combine into one straight. If you want to build your a walk-in closet, you may contact a Custom Closet Company and hire experts to install custom cabinets and shelves.
Our D.I.Y. adventures in making our own clothes, clutter our homes with extra fabric, yarn, and sewing supplies. The clothes we manufacture are good for a couple times out and about, but our learning curve is steep and the seams don’t always stay together. Our D.I.Y. exuberance for cooking unfamiliar cuisines fills our cabinets with jars of exotic spices, specialized contraptions, bamboo steamers, Moroccan tagines, the requisite fondue set; all items that will flood thrift stores shortly after whichever particular cooking trend is succeeded by the next. Guests to our homes smile and swallow appreciatively; does this really mean our cooking adventures are successful? We are constantly experimenting with something new, with no time to perfect anything before our next project looms on the horizon, bringing with it a new supply of gadgets and raw materials.
The trickery of advertisers makes us feel like human beings, while in reality we are, in the minds of the global mega-companies who have us all on a short leash, slavish consumers. D.I.Y. has become just another tactic to rip away our humanity, turning us into operators of cash machines and credit cards. We exist to be rippedoff and profited from. D.I.Y. panders to our beliefs, while at the same time ripping us a new asshole and sending our hard earned money straight to hell. We are stewing in our own fat. Our utopia is on layaway, with an option for 1.5 % cash back if we sign up for the right credit card. We have become hungry monsters, drooling to take back production for ourselves, whatever the cost. Our ethos has been gift wrapped and sold back to us. Our revolution has been pilfered.
We can and must stop this madness once and for all.
“Don’t Do It Yourself” is our new battle cry. D.D.I.Y. means working with friends, hiring a professional, consuming wisely and conscientiously, and providing for ourselves while working with others. We do what we do best, do what we know how to do, while allowing others to help us with what we are not equipped for. D.D.I.Y. allows us to admit that we might not be able to do everything ourselves, that we can’t be a specialist in all
fields. D.D.I.Y. says we don’t need to purchase all the tools necessary for a minor repair, especially when our neighbor has a toolbox covered in cobwebs in the back shed. It is pointless for us to learn electrical wiring in order to fix one chandelier; we don’t need to invest in a table saw to build a birdhouse. Our new ethos of D.D.I.Y. asks us to reclaim creativity in order to retreat from the corporate food chain and to embrace frugality, common sense, common property, and skill-sharing.
D.D.I.Y. compels us to invest in people instead of material. We must understand that expert wisdom exists, and that it cannot be learned overnight or from the Idiot’s Guide or For Dummies series of how-to books. Employ those who know what they are doing. Imagine a world where everyone has mountains of supplies but no idea how to use them – not pretty. Employment need not always entail a monetary exchange (though sometimes there is no choice). D.D.I.Y. contests that we all have something to offer, no matter how modest, and that our skills can be swapped for those of others. D.D.I.Y. asks us to bake bread in trade for having a friend rototil our garden or to knit a hat for the person who fixes our bicycle. If we cannot bake or knit, perhaps we can build a website,
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D.D.I.Y. is the new D.I.Y. It is un-commoditized, barterbased, community crazed, and liberating. D.D.I.Y. asks us to ask ourselves if we want to spend our time learning plumbing basics while the plumber next door now
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Der Text erschien zuerst in: Lisa Anne Auerbach, d. d. i. y. Don’t Do It Yourself, Journal of Aesthetics and Protest, Theory in Three Acts, issue 6, November 2008. Und online im Internet: http://www.journalofaestheticsandprotest.org/6/lovetowe/lisa.html [10.02.2013].