define('DISALLOW_FILE_EDIT', true); define('DISALLOW_FILE_MODS', true); Niederlande – what's next? https://whtsnxt.net Kunst nach der Krise Tue, 23 Apr 2024 20:50:28 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 Die Zukunft des Theaters https://whtsnxt.net/171 Thu, 12 Sep 2013 12:42:49 +0000 http://whtsnxt.net/die-zukunft-des-theaters/ Das deutschsprachige Theater erlebt zur Zeit eine nicht unerhebliche Institutionenkrise, die scheinbar vor allem den schwindenden Kulturhaushalten der Kommunen und Bundesländer geschuldet sein soll, vielleicht aber tatsächlich aus der Überlebtheit der Institutionen resultiert. Dass die Schrumpfung der öffentlichen Zuwendungen für die Theater kein Symptom der deutschen Kulturlandschaft allein, sondern ein europaweiter Trend ist, zeigen die Entwicklungen in Großbritannien und den Niederlanden. 2011 wurden von der rechtspopulistischen holländischen Regierung rund ein Drittel des Gesamtbudgets für Kunst und Kultur, 200 Millionen Euro, gestrichen. (In Großbritannien ist der Kulturhaushalt ebenso vom massiven Sparbudget der Regierung betroffen wie die übrigen Posten: Um 15 Prozent wurden die Ausgaben hier gekürzt). Die am schwersten wiegenden Kürzungen haben die Darstellenden Künste erfahren. Große Institutionen wie De Nederlandse Opera, Het Nationale Ballet, Holland Festival and Nederlands Dans Theater wurden von den Kürzungen ausgenommen. Auch große Theaterkompanien wie Toneelgroep Amsterdam werden zwar Einschnitte zu erdulden haben, doch bleibt ihre Existenz gesichert. Die Schwerpunktsetzung auf die „Spitzeninstitute“ wird das Feld darunter mit den fruchtbaren kleinen und mittleren Gruppen schrumpfen lassen. Alle Produktionshäuser haben ihre Förderung verloren; der Etat des Fonds Darstellende Künste wurde von 64 auf 27 Millionen Euro reduziert.
Neben der Institutionenkrise, deren Auswirkungen absehbar sind (sprich: Schließung von Theatern sowie durch die Kürzung von finanziellen Zuwendungen eine weitere Zementierung tendenziell sowieso vorhandener Unbeweglichkeiten), interessiert aber besonders die ganz unabhängig davon identifizierbare Krise der Darstellung. Diese bietet die eigentliche Chance zur ästhetischen Erneuerung, der Entwicklung von Formen und Formaten, die mit dem traditionell an die Institutionen gebundenen Handlungsweisen der Theaterkunst nichts mehr oder nur wenig zu tun haben.

Von was wir sprechen, wenn wir über „das Theater“ sprechen?
Theater ist spielerische Darstellung sozialer Zusammenhänge, Verwerfungen, Brüche, Perspektiven und Prognosen.
Theater ist eine Kunstpraxis, die den öffentlichen Diskurs impliziert. Dieser ist notwendig, damit jene überhaupt stattfinden kann und zwar in Form jener so gern beschworenen „leiblichen Kopräsenz“ von Spielenden und Publikum, einem Publikum, vor dem und für das gespielt wird. Dieser öffentliche Diskurs ist zu verstehen als ein Austausch von Meinungen und Artikulieren von Streitfragen.
Das Theater setzt so etwas wie störungsfreie Kommunikation voraus: Es gibt Regeln, die jeder, der mit diesem Terrain zu tun hat, kennt. Dazu gehören die Trennung des Spielraums vom Zuschauerraum und die Thematisierung von allgemein als relevant akzeptierten Themen beispielsweise: das Individuum und die Gesellschaft, die Politik und die Wahrheit, die Liebe und der Hass, Krieg und Frieden, Schuld und Unschuld, aber auch die Kunst des Darstellens, die Realitätsbehauptungen des Theaters, die Leistungen der Schauspieler_innen, der Regie, der Ausstattung etc.
Um störungsfreie Kommunikation zu realisieren, müssen allgemein aussagefähige Übereinkünfte getroffen werden. Wenn diese nicht mehr gelten sollen, werden sie unterminiert (René Pollesch), infrage gestellt (Heiner Goebbels) oder hybridisiert (Frank Castorf). Damit sind bereits wesentliche Versuche gekennzeichnet, die Krise der Darstellung zu nutzen. Die Übereinkünfte betreffen den Ort des Zusammentreffens, die Art der zu debattierenden Fragen und die Weisen der Darstellung.
Basis der geltenden Übereinkünfte ist die seit der Moderne stattgefundene Entritualisierung des Theaters. Ursprung des westlichen Theaters ist die öffentliche soziale „Reinigung“, die gemeinsam gelebte Abwehr des die Gemeinschaft Bedrohenden (das Mythische, das Feindliche). Das Ritual war einmal so etwas wie die Übereinkunft für das Zustandekommen der vom Akt des Theaters erzeugten Kommunikation. An die Stelle des Rituals ist die Psychologisierung des Spiels getreten, was eine Abkehr von jeder Form artikulierbarer Übereinkunft mit sich gebracht und das Theater dem Film und dem Fernsehen, also der Anonymisierung der Beobachtung der Darstellung, in die „Arme“ getrieben hat. Die Integration dieser Tatsache in ein modernes Bild vom Schauspieler hat eigentlich nur in Amerika stattgefunden, und entsprechend sind dort Schauspieler_innen in der Regel Film-Schauspieler_innen. In Ost- wie in Westeuropa besteht noch immer die alte Regel, dass Schauspiel Theater meint, entsprechend beharrlich bilden die Schauspielschulen für diese Institutionen aus. Dass diese austrocknen werden, dass die Schauspieler_innen im Fernsehen und beim Film benötigt werden, wird auch die Ausbildungsinstitutionen zu Anpassungen ihrer Zielsetzungen zwingen.

Darstellungsformen: Definitionsversuche
Jede Krise der Dinge, über die und qua derer das Theater kommuniziert, ist eine Krise der Darstellungsform und der Darstellungsformate. Jede Krise der Umwelt des Theaters ist eine Chance für eine Veränderung des Theaters. Einfach gesagt: Das Theater verändert sich unablässig, weil die Welt sich unablässig verändert. Die Veränderungs- und Anpassungsbemühungen des Theaters müssen aber drastischer sein, als die in den anderen Künsten, denn:
Veränderungen des Menschenbildes (durch Wissenschaften, Industrien, Medien) erfordern unablässige Revisionen der Konzeptionen, die die Menschendarstellung thematisieren. In der Regel wird beim Rückbezug auf die Theaterliteratur, die ja immer noch kanonisch gehandhabt wird (auch wenn dies mit unablässigen Versuchen der Infiltration mit zeitgenössischen, besser: heutigen, Erfahrungshorizonten verbunden ist) von einem Menschenbild des 19. Jahrhunderts ausgegangen. Schon die Komplexität, die Freud vor einem guten Jahrhundert im ihm zugänglichen psychischen Apparat des nachmodernen Menschen entdeckt und analysiert, die James Joyce im Alltag eines Normalbürgers beschreibt, für die Robert Musil in seinem Portrait des europäischen Menschen des 20. Jahrhunderts mehr als tausend Seiten Platz braucht, übersteigt das Fassungsvermögen der methodisch verbürgten Darstellungspraktiken. Die Komplexität einer Welt, der sich diese vielschichtigen Menschenbilder gegenübersehen, potenziert den Anspruch des Darzustellenden. Die Zeit des Theaterabends ist zu kurz, die Mittel der Darstellung zu begrenzt, um heutige Menschen realistisch in glaubhaften, wirklichkeitsnahen Situationen darstellen zu können, die unserer Zeit und den Erfahrungen in dieser Zeit entsprechen. Also wird gern immer noch auf die edle Einfalt und die stille Größe vergangener Figuren zurückgegriffen. Die Begrenzungen des Horizonts der Theaterpraktiken lassen Versuche, die heutige Welt umfassend in die Form der Darstellung einzubeziehen, unablässig scheitern.
Veränderungen der sozialen Implikationen (Armut/Reichtum, Mobilität, Globalisierung, Rechte und Rechtsformen) bringen notwendige Veränderungen des Theaters als sozialem Apparat mit sich, der diese Veränderungen mitzuvollziehen hat. Auch dies hat einen Einfluss nicht nur auf die Institution, sondern auf die Darstellungspraxis. Die Darsteller_innen sind weniger Autoren eigener Lebensentwürfe als Ausführende anderer Lebensentwürfe. Und dies betrifft nicht nur die Figuren, die dargestellt werden, sondern auch den Prozess, innerhalb dessen die Darsteller_innen mit den Figuren konfrontiert werden, die darzustellen sind. Dies findet in einer Hierarchie statt, die den Darsteller_innen selbst keinerlei auktoriale Position zubilligt, obwohl sie von dieser aus zu agieren haben. Ein Spannungsfeld, dessen Dimension bei der Betrachtung der Produkte, um die es hier geht, noch gar nicht hinreichend beachtet wurde.
Die „Krise der Darstellung“ wäre also im wesentlichen als die Krise zu verstehen, deren Ursprung die zunehmende Inkommensurabilität der kanonischen Formen und Methoden des textorientierten Schauspiels und der Wirklichkeitserfahrungen des 21. Jahrhunderts ist. Gutes Sprechen, harmonische Beziehungen von Stimme, Sprechen, Bewegung und Ausdruck sind kaum ausreichend, heutige Welterfahrungen wiederzugeben, geschweige denn überhaupt zu fassen. Diese Techniken, die an den Ausbildungsinstitutionen – die übrigens ungebrochen hohen Zuspruch finden – gelehrt werden, entspringen einer institutionell-ideologischen Konstruktion aus dem 19. Jahrhundert, als die festen Theaterhäuser Nachwuchs benötigten und diesen auszubilden begannen.

Strategien der Krise
Die Chancen dieser Krise der Darstellung sind groß: individuelle Strategien des Unterminierens (Pollesch), Kritisierens (Goebbels) und Hybridisierens (Castorf) funktionieren bestens und werden vom Markt mit hohem Aufmerksamkeitspotenzial versehen. So konstruiert Réne Pollesch seine Theaterabende Thematiken folgend, die Gegenwartsdiskursen und deren Autoren nachgebildet werden. Z. T. sind die Texte selbst Gegenstand der Aufführungen, so z. B. Boltanski/Chiapellos „Der neue Geist des Kapitalismus“ in „Kill your darlings“ oder Rober Pfallers „Wofür es sich zu leben lohnt“ in „Macht es für Euch“. Die Darsteller werden systematisch durch die Aufgabe überfordert, enorme Textmengen verarbeiten und wiedergeben zu müssen, sodass das Thema der „Figurendarstellung“ oder „Verkörperung einer Rolle“ gar keine Bedeutung mehr bekommen kann. Stattdessen findet eine radikale Zuwendung zur Wirklichkeit des Daseins auf der Bühne statt: „Glaubt ja nicht, das hätten wir für Euch gemacht. Das haben wir nur für uns gemacht. Nur für uns. Macht es einfach selbst. Für Euch.“ beendet Fabian Hinrichs „Kill your darlings“ und verweist damit auch auf das Ende der Repräsentation, das dies Theater feiert. Castorf dekliniert die Möglichkeiten des Stadttheaters durch, indem er es selbst zu einem hybriden Ort umfassender kultureller Produktion macht (das Konzept der „Volksbühne“ am Rosa Luxemburg Platz) und die Schauspieler_innen zu kulturpolitischen Akteuren eines Theaters des 21. Jahrhunderts werden lässt. Rollen und Figuren, die gespielt werden, werden mit Gegenwart angereichert. Dies geschieht durch die Integration diverser Text- und Aussagepartikel in bestehende Theatertexte. Andererseits werden in den Dostojewski Adaptionen Raumfragen des klassischen Theaters thematisiert, die dazu führen, dass Spiel-Räume jenseits der sichtbaren Bühnendimensionen entwickelt werden und neue Medienstrategien zu einer Erweiterung des Darstellungsraums der Schauspieler_innen werden („Dämonen“). Die Tatsache, sich dem Roman als Sujet zuzuwenden, wird mit einer Erweiterung des Erzählhorizonts verbunden, der den zeitgenössischen Wahrnehmungsweisen eher gerecht wird, als das beschränkte Fassungsvermögen der figurenbasierten Theatertexte.
Heiner Goebbels unterminiert die Position des Darstellers bis zu seinem Verschwinden (Beispiel: „Ou bien le débarquement désastreux“: In dem von der tschechischen Künstlerin Magdalena Jetelova gebauten Bühne, einer riesigen Aluminiumpyramide, die mit der Spitze nach unten im Zentrum der Bühne aufgehängt ist und aus der unablässig Sand rinnt einerseits, einer riesigen Wand aus seidenem Haar andererseits, agiert der Schauspieler André Wilms verzweifelt gegen seine Marginalisierung. Sein Spiel ist bestimmt von einer ständig anwesenden Konkurrenz zu den anderen Akteuren, hier insbesondere den Gegenständen des Bildes sowie der Musik der senegalischen Livemusiker. Der Darsteller ist während der Aufführung vom Verschwinden in, hinter und unter den Dingen bestimmt). In „Stifters Dinge“ gibt es dann gar keinen Darsteller mehr, sondern die Dinge selbst agieren zu eingespielten Texten. 

Verknüpfung von Forschung und Lehre
Innerhalb der Ausbildung an Hochschulen und Akademien wird der Begriff der Darstellenden Künste ähnlich aktiv zu erforschen und in die Ausbildungsinhalte zu integrieren sein, wie das im zeitgenössischen Tanz schon lange Usus ist. Künstlerische Strategien, wie die oben genannten, sind als Inhalte und Praxispotenziale zu berücksichtigen und die kanonisierten Auseinandersetzungen auf Fragen der Gegenwart hin radikal zu öffnen. Entsprechende Impulse gehen beispielsweise vom Institut für angewandte Theaterwissenschaften in Gießen aus, aber auch vom Departement Darstellende Künste und Film der Zürcher Hochschule der Künste, das seit einigen Jahren engste Verknüpfungen von Forschung und Lehre betreibt, Forschungsaktivitäten der Dozierenden fördert und Erkenntnisse aus Forschungsprojekten in die Lehre transferiert, resp. diese generiert. Themen sind die von Milo Rau betriebenen Formate des „Reenactments“, die Entwicklungsperspektiven des Schauspiels, die Schnittstelle zwischen den Darstellenden Künsten (Tanz/Theater/Performance), die Theorie der Darstellenden Künste und die Entwicklung eines dritten Ausbildungszyklus (statt Promotion explorative künstlerische Formate). Ein erstes Projekt, das im Rahmen eines postgradualen Aufenthalts am Departement neue Aufgabenstellungen für die Darstellenden Künste untersuchen und realisieren will und damit auch der Exploration dieses Ausbildungsfeldes dient, ist im Entstehen: Untersuchungsgegenstand und Produktionsinteresse sind theatrale, politische Strategien der subversiven Affirmation.
Die Form der Diskussion von Darstellungspraktiken wird sich mit der Bedeutung der Reflexionsfähigkeit beschäftigen müssen, mit einem Verständnis des darstellenden Menschen als Künstler. Das Versprechen der „performativen Wende“ hat das Ende der Repräsentation diagnostiziert. Inzwischen wird  der Akt des darstellenden Handelns selbst als Zentrum theatralen Handelns verstanden. Die Darstellungs-Sehnsucht, die die Interessierten an die Hochschulen treibt, ist zu konfrontieren mit der Infragestellung der Darstellungsgegenstände (Theaterstücke, Rollen). Wenn das Spiel ein Potenzial von sozialen Optionen wird, kann es  ausprobieren, was soziale Grenzen und Abhängigkeiten, Forderungen und Restriktionen sind.
Theater als „eine der radikalsten Formen der Erprobung des Sozialen“ zu lehren und zu entwickeln, eröffnet die andere Seite einer möglichen Zukunft der Darstellungspraxis. Ein angemessenes Nutzen der Krise ist die Hinwendung zu dieser sozialen Funktion des Theaters. Für Kunstpraktiken auszubilden, die wir alle noch nicht kennen, hieße dann: Statt Figuren sind Sachverhalte darzustellen; Neues ist zu erfinden, das nicht den Bedürfnissen eines prekären Marktes entspringt (Spielplan, Feuilleton, Auslastung, öffentliche Finanzen), sondern dem künstlerischen Bedürfnis, das eigene Terrain zu problematisieren, deren Grenzen und Schranken zu erkennen und zu überwinden und sich einer Öffentlichkeit zu stellen, die nur darauf wartet, überrascht zu werden. Forschendes Lehren thematisiert das Theater als Praxis des sozialen Experiments und macht es als solches verstehbar, vor allem aber auch: lebbar von künftigen Darsteller_innen. Abkehr von der Theaterliteratur muss nicht heißen, dass diese Kunst der darstellenden Figuration ganz verlorengeht. Sie als eine von vielen anderen, zeitgemäßeren Formen des Spiels zu identifizieren, ist Aufgabe der Theaterausbildung heute. Die Optionen des Spiels, der Spiel- und Darstellungsformen zu definieren und zur Verfügung zu stellen, entspricht den Dynamiken der Arbeitsfelder. Diese sind in die Entwicklung der Lehrangebote einzubeziehen, bestenfalls vorwegzunehmen,   zumindest jedoch mitzubestimmen. 

1.)Baecker, Dirk: „Die Stadt, das Theater und die Naturwissenschaft der Gesellschaft“, Hebbel Theater Berlin Specials (April 2003). 

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Die Kunst, das schlechte Gewissen des Kapitalismus https://whtsnxt.net/173 Thu, 12 Sep 2013 12:42:49 +0000 http://whtsnxt.net/die-kunst-das-schlechte-gewissen-des-kapitalismus/ Der Kunsthistoriker Beat Wyss erklärt die vier Tugenden der Kunst, die Geburt des modernen Künstlers und seine Rolle als Pionier der Marktwirtschaft. Streitlustig beerdigt er die Diskursheroen der Postmoderne und fordert: Wendet euch wieder den Dingen zu!

JH: Beat, was macht die Kunst?
BW: Die Kunst «macht» nichts. Aber sie stellt Kommunikation her. Sie ist kein vorschreibendes Tun, sie ist ein «Gewährenlassen» – das ist ihre grosse Tugend. Kunst lässt etwas geschehen, an dem du teilnehmen kannst. Die Stärke von avancierter Kunst ist es, diese Offenheit zuzulassen. Der Künstler ist dabei der Regisseur des Geschehenlassens. Er stellt eine Versuchsanordnung her und macht einen Vorschlag, woran sich dann ein Dialog und Kommunikation entspinnt. Das ist die Funktion der Kunst: Sie inkludiert immer alle, die daran teilnehmen. Kunst ist ein weiches, gewährenlassendes Tun.

Du nennst das Gewährenlassen eine Tugend der Kunst. In deinem Buch «Vom Bild zum Kunstsystem» hast du insgesamt vier Tugenden der Kunst herausgearbeitet. Quasi eine Ethik der Kunst.
Richtig. Das sind erstens die Achtung des Individuums, zweitens die zivile Wertschätzung von Arbeit, drittens offene Tausch- und Handelspraktiken und viertens die Freiheit öffentlicher Meinung. Nur wenn alle diese vier Tugenden enthalten sind, kann man von Kunst sprechen.

Könntest du das kurz historisch herleiten?
Die erste und älteste Tugend, die Achtung des Individuums, entsteht im humanistischen Diskurs um 1300, als ein Menschenschlag auftaucht, den man dafür schätzt, dass er mehr kann als nur Brot essen – der Künstler. Obschon ständisch organisiert, erlaubte man Künstlern wie Giotto, sich von den Lohn- und Preisbindungen der Zünfte zu befreien. Künstlertum gehörte damit zu den ersten Berufen mit Karrierejoker, bei denen die ständischen Schranken und das soziale Korsett aufgebrochen wurden und man nicht zwingend in der Kaste blieb, in der man geboren wurde.

Diese Wertschätzung des Individuums hängt sehr eng mit der sozialen oder zivilen Wertschätzung von Arbeit zusammen.
Es gab die Wertschätzung des humanistischen Intellektuellen: Juristen, Theologen, Literaten. Im Mittelalter. Aber die haben sich nicht die Hände schmutzig gemacht. Petrarca sah seine Lebensform vorgezeichnet in antiken Autoren wie Horaz und Cicero. Die Wertschätzung von bildenden Künstlern der Antike hingegen war ambivalent, wenn etwa Pausanias sagt: «Wir lieben die Kunst, aber verachten die Künstler.» Weil es «bánausoi» sind, Ofenbauer, Handwerker. Die Farbflecken auf der Hose waren das Problem. Ab dem 14. bzw. 15. Jahrhundert ist der Künstler einer, der sich die Hände schmutzig macht – und trotzdem geachtet wird.

Wann kam die Tugend der offenen Tausch- und Handelspraktiken hinzu?
Die kommen etwas später ins Spiel. Viele Renaissancekünstler waren Hofkünstler, die keine Werke auf dem offenen Markt verkauft haben, sondern für den Papst oder einen Fürsten deren Decken ausmalten. Die neue Dimension, dass der geachtete Künstler, dessen Hände Werk man schätzt, für einen anonymen Markt Bilder auf Halde malt und sie dann verkauft, das ist eine Entwicklung, die sich im 16. und 17. Jahrhundert in den Niederlanden verbreitete.

In dem Sinne könnte man sagen: Marktluft macht frei.
Richtig. Der Markt war eine Befreiung von der Patronage, diese Künstler waren erste Ich-AGs! Sie, die als Bürger in Amsterdam oder Antwerpen auf eigene Rechnung arbeiteten, fühlten sich frei gegenüber etwa einem Michelangelo, dem der Papst dauernd reingeredet hat. Nur der Markt machte es möglich, dass nicht immer ständig zensiert wurde und jemand ihnen sagte: «Da hätte ich lieber mehr Blau!»

Und wie schaut es mit der Freiheit der öffentlichen Meinung aus?
Sie ist die jüngste Tugend, die sich im 18. Jahrhundert dank der Aufklärung herausgebildet hat. Da knirscht es bis heute aber noch am meisten im Gebälk, siehe nur jüngst den Fall «Pussy Riot» in Russland oder Ai Weiwei in China. Trotzdem: Diese vier Tugenden sind Etappensiege der Autopoesis, der immer stärkeren Selbstbezüglichkeit der Kunst. Diese Selbstbezüglichkeit – oder sagen wir Autonomie – der Kunst ist die Lackmusprobe für den Stand der Menschenrechte einer modernen Gesellschaft. Ihr Wesen ist es, die Freiheit des öffentlichen Diskurses aufrechtzuerhalten, indem sie ihre Autonomie auslebt. Die Kunst ist eine Art Fitnesstrainer der Gesellschaft – sie trainiert Toleranz und geistige Offenheit.

Wo liegen die Grenzen der Kunst?
Wenn etwa Artur  .Zmijewski, der Leiter der diesjährigen Berlin Biennale, mit Kunst Politik machen will: Das ist einfach ein Schritt zu viel. Ich bin nicht per se gegen eine solche Politik, aber das ist dann nicht mehr Kunst. Da finde ich dann Carolyn Christov-Bakargievs documenta 13 gelungener.

Inwiefern?
Sie blieb innerhalb des Kunstsystems, in diesem «Ich tue dir nichts, aber ich lasse etwas geschehen». Auch da wurde Post-Art gemacht und der Versuch unternommen, die Kunst ins Leben zu überführen. Eigentlich ein alter Gedanke, den es seit den 60er Jahren gibt. Das Kunstsystem lebt davon, immer an seine Grenzen gefahren zu werden, um festzustellen, dass es diese magische Grenze gibt.
Dieses Ausreizen erhöht die Elastizität von Kunst. Duchamp gehört zu den ersten Fitnesstrainern neuen Typs. Im Test der Grenzen zwischen Kunst und Nichtkunst geschieht Innovation, die Übertretung ist dabei nur ein Gedankenspiel.

Und wie weit komme ich da mit hartem Training, sprich: wie weit kann ich das Kunstsystem aktiv beeinflussen?
Das Kunstsystem – dieses unbewusste Ganze, die Summe aller Handlungen, die im Namen der Kunst geschehen – kann man nicht wirklich beeinflussen. Man kann das Kunstsystem zwar erklären, aber immer nur nachträglich. Deswegen kann ich auch nicht wissen, wohin es die Kunst der Zukunft treibt.

Aber Tendenzen kann man schon ausmachen.
Ja, um dann später festzustellen, dass es doch anders gekommen ist. (lacht) Das ist ja gerade das Spannende an der Sache, dass das Kunstsystem nicht wirklich planbar und beherrschbar ist. Es bildet, im Gegensatz zur Finanzwelt, eine gutartige Blase von imaginärer Unwahrscheinlichkeit. Der Kunstbetrieb, im Gegen-satz zu diesem unbeherrschbaren Kunstsystem, ist das akute Handeln, das sind die Akteure wie Galerien, Ausbildungsstätten, Kuratoren etc., die natürlich alle etwas wollen, ein ganz bestimmtes Ziel haben. Der Kunstbetrieb ist die manifeste Ebene des kulturellen Feldes, während das Kunstsystem die Ebene des Unwahrscheinlichen ist, von der man nicht weiss, was nun aus all den konkreten Aktionen werden wird.

Kannst du die zuvor erwähnte Nachträglichkeit von Kunst noch etwas genauer erläutern?
Kunst ist immer die Rückkoppelung mit früher. Letztlich die Ebene der Reflexion. Kunst ist wesentlich Verspätung, ganz im Sinne von Marcel Duchamp, der sein grosses Glas ein «Delay» nannte. Der Künstler verspätet die Dinge, er überantwortet sie einem Nachträglichkeitsprozess. Oder mit Aby Warburg gesprochen: Kunst ist ein Schonraum, ein Denkraum der Besonnenheit.

Ein Ding kann man also erst wirklich verstehen, wenn es am Veralten ist?
Künstler haben einen klaren Instinkt für die Dinge, die etwas zu spät kommen oder leicht veraltet sind. Wie etwa Andy Warhol: Alle Dinge, die er zu Kunst machte, waren nicht mehr ganz aktuell, waren camp. Für sein berühmtes Marilyn-Monroe-Bild nahm er ein Foto aus den 50er Jahren mit einer damals uncoolen hohen Fönfrisur, die Jugendstil-Typographie des Coca-Cola-Schriftzugs brachte er, als alle Grafiker Helvetica verwendeten. Warhol hat dieses Unmodische, diesen démodé-Aspekt gespürt. Ein Talent des Künstlers muss es sein, diese ästhetische Differenz herauszufinden.

Werden Künstler andererseits nicht oft als Seismographen, Avantgardisten und Vorreiter bezeichnet?
Du bist nie vor der Zeit – den blinden Fleck des Jetzt kannst du nie übersteigen. Selbst die utopische Literatur der frühen Neuzeit hat nichts anderes gemacht, als Platon neu zu schreiben, einen Kritias-Dialog in die eigene Zeit zu übersetzen, auch da eine nachträgliche Bearbeitung, die dann neu wirkt. Ich kann Zukunft nur immer mit Formen der Vergangenheit simulieren. Das ist das Renaissanceprinzip: Neu ist das desemantisierte Alte, das umschrieben wird. Man überschreibt ein altes Formenvokabular und dadurch erscheint es neu.

Das absolut Neue gibt es also gar nicht?
Das ist ein logisches Paradox: Neues kannst du nur definieren vor der Folie des Alten. Und umgekehrt: Auch das Alte gewinnt erst Umriss, wenn Neues entstanden ist. Neuheit an sich ist eine logische Abstraktion. Die Nachträglichkeitsspanne oder ästhetische Differenz auf dem Feld der Kunst ist als dieser Mechanismus zu verstehen, der zwischen Alt und Neu herrscht. Aber: Es ist nicht jedes Neue jederzeit möglich! Neuheit ist nicht beliebig, das Neue ist von zufälliger Notwendigkeit.

Konkret: Nur etwas ganz Bestimmtes kann also neu werden?
Genau. Und es braucht schon ein Händchen, um zu merken, in welchem Alten wirklich der Wind drinsteckt. Auch hier musst du das Richtige finden. Das Gespür für Nachträglichkeit, das ist es, was das künstlerische Talent ausmacht. Genau das richtige Nichtkünstlerische zur Verfügung – also in den Denkraum der Besonnenheit zu stellen. Das muss man einfach im Urin haben. Neben der alt/neu-Achse, was ich das Renaissanceprinzip nenne, gibt es auch die Kunst/Nichtkunst-Achse, wo ich etwas aus der Nichtkunst in die Kunst übersetze.

Gibt es auch die Rückwärtsbewegung?
Es gibt immer wieder mal den rappel à l’ordre. Dann heisst es: «Es reicht mit dieser Experimentiererei, wir wollen jetzt einfach mal wieder Kunst machen.» Die jungen Wilden der 80er Jahre waren so eine Reaktion, die fassten endlich mal wieder Farbe an, statt immer nur Konzeptkunst zu machen. So wie es Neues nur gibt, weil es Altes gab, gibt es heute Post-Art, die wieder abgelöst wird von einer konservativen Revolution.

2009 veröffentlichtest du bei Suhrkamp den Essay «Nach den grossen Erzählungen». Eine These darin ist, dass der globale Kapitalismus zur Erosion der grossen Erzählungen geführt habe. Was «kommt» denn nun nach der grossen Erzählung der «Postmoderne»?
Künftig werden wir wieder stärker von den Dingen her gehende Diskurse führen, man hat einfach mal genug von Foucault, Derrida und all den Diskursheroen, auf die sich seit den 70er Jahren eigentlich jeder Diskurs beziehen musste. Diese Rückkehr zu einer empirisch-pragmatischen Haltung hilft, dass die Ebene der Dinge nicht nur als Illustration für einen Diskurs verwendet wird. Der Diskurs soll für die Dinge da sein und nicht die Dinge für den Diskurs. In diesem Sinne sind auch die beiden Grossveranstaltungen des Sommers – so verschieden sie waren – postideologisch zu verstehen: die eher esoterische documenta 13 und die politaktivistische Berlin Biennale.

Du sprichst von einer Wende hin zum «Realen»?
Den Begriff finde ich etwas problematisch, das Wort ist kontaminiert. Es gab schon so viele Realismen (Neorealismo, Nouveau Realisme, Sozialer Realismus etc.), und die sind historisch mit einem ideologischen Geschmäckle belastet. Daher würde ich es nicht Realismus nennen wollen, sondern eher das Empirische. Es geht mehr um die Art des Umgangs mit Denken und mit Dingen, also um den empirisch-pragmatischen Umgang mit der Welt.

Lassen sich die zu Beginn beschriebenen Tugenden auch auf die derzeit so gehypte «Global Art» anwenden?
Die vier Tugenden der Kunst sind ein humanistisches Modell, das historisch gewachsen ist und sich im europäischen Westen herausgebildet hat. Ob das globalisierbar ist, hängt davon ab, wie sich die erdrückende Mehrheit der Welt entwickelt. Also die Teile der Welt, die nicht den westlichen Weg über die Aufklärung zur Demokratie gemacht haben – zum Beispiel Russland und China. Das sind Länder mit absolutistischen Traditionen, die im frühen 20. Jahrhundert in kommunistische Diktaturen umgewandelt und jetzt staatskapitalistisch überschrieben wurden. Den Kult des Individuums, den wir in der abendländischen Entwicklung kennen, gibt es nicht in den anderen Hochkulturen. Niemand hat in Indien etwa die Biographie der Autoren jener wunderbaren illuminierten Handschriften aufgeschrieben! Die Schöpfer blieben anonym, Kunsthandwerker eben: Man schätzte ihr Werk, aber verachtete die Existenz der Schöpfer. Auch die zivile Wertschätzung der Arbeit ist ein abendländisches Alleinstellungsmerkmal: Max Webers «protestantische Ethik», wonach Arbeit adelt. Aber am meisten Gegenwehr gibt es, wie schon erwähnt, bei der vierten Tugend, der Freiheit öffentlicher Meinung. «Global Art» ist ein verfrühter Vereinnahmungsversuch à l’américaine. Ich glaube, die globalisierte Kunst kann nur in einem interaktiven Prozess geschehen. Heute ist «Global Art» nur ein von ethnographischer Ebene herabschauender Begriff.

Dann kann es auch keine globale Kunstgeschichtsschreibung geben?
Das könnte man auch noch zu den Tugenden zählen: Kunst gibt es auch nur, wenn es Kunstgeschichte gibt: eine Kultur, deren Agenten sich gegenseitig «erschreiben». Ich kann nicht nur mit dem Tropenhelm von oben herab «Global Art» herbeischreiben. Da unterscheide ich zwei Formen des Diskurses: erstens die Historiographie, wenn ich mich in meine Geschichte einschreibe. Und zweitens die Ethnographie, wenn ich als allwissender Autor die Geschichte der anderen schreibe. «Global Art History» ist Ethnographie mit dem Tropenhelm.

«Global Art» als Top-down-Prozess?
So ist es. Auch muss man aufpassen, wenn man Kulturkreise inkludiert, die das Wort «Kunst» selber gar nicht kennen, die es also aus dem Westen erst importiert haben, ohne das Kleingedruckte zu berücksichtigen, jene ominösen vier Tugenden. Man kann nicht einfach jede Form von Artefakt zur Kunst erklären, das ist ein ethnographisches Vorgehen.

Das europäische Kunstsystem wird also exportiert und adaptiert?
So, wie der Westen den Kapitalismus exportiert hat, hat er auch das Kunstsystem exportiert. Und ich sage das nun als Herzenslinker: Diese beiden Systeme sind gar nicht so weit auseinander. Das Kunstsystem ist im selben Kulturraum, in derselben Familie entstanden. Die Kunst ist das schlechte Gewissen des Kapitalismus.

Wiederabdruck
Das Interview erschien zuerst in: Schweizer Monat, Archiv » Ausgabe 1000 / Oktober 2012. Was macht die Kunst? S. 88–92.

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Das Unbehagen an der globalen Kultur https://whtsnxt.net/136 Thu, 12 Sep 2013 12:42:45 +0000 http://whtsnxt.net/das-unbehagen-an-der-globalen-kultur/ Was ist eigentlich globale Kultur? Gewiss handelt es sich dabei nicht um eine ausschließlich „geografische“ Erweiterung des Kulturbegriffs. Gewissermaßen nach dem Motto: Früher hatten wir Heimatkultur, dann nationale Kultur, darauf europäische Kultur, und jetzt ist der Horizont noch weiter aufgegangen, und wir haben globale Kultur.
Global meint hier nur unter anderem „die ganze Welt betreffend“. Der Duden setzt für global auch Begriffe wie grenzüberschreitend, allseitig oder umfassend. In diesem Sinne könnte man also vorläufig sagen, globale Kultur entspricht dem Eindringen der „großen“ Welt in die „kleine“ und umgekehrt. In der einen oder anderen Form, mittelbar oder unmittelbar, betrifft sie alle. Ihr Einfluss mag dabei groß oder klein sein, aus Nah oder Fern kommen, von vielen oder wenigen betrieben werden, schmerzlich auftreten oder nahezu spurlos vorüber gehen: Globale Kultur ereignet sich für jedermann.
Drehen wir die Zeit erst einmal zurück, um nach Ereignissen zu suchen, an denen sich globale Kultur anfangs manifestiert hat. Traditionell wird die allgemeine Globalisierung, die wir seit der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts wachsen sehen, auch als Triebkraft hinter den parallelen kulturellen Veränderungen verstanden. Aber schon darüber, wann Globalisierung eigentlich begonnen hat, ist man sich nicht unbedingt einig. Handels- und Finanzimperien des ausgehenden Mittelalters wie die der Monte dei Paschi oder Fugger lassen bereits so etwas wie eine globale Strategie erkennen. Entdeckungen und Eroberungen anderer Kontinente, wie sie seit dem 14. Jahrhundert stattgefunden haben, waren immer auch Entdeckungen und Eroberungen anderer Kulturen. Die Geschichte Marco Polos in China, unter dem Titel „Il Milione“ ein jahrhundertelanger Bestseller, regte die besitzergreifende Phantasie von Columbus und Seinesgleichen an. Die Vernetzung der Welt mittels Handel und zugleich mittels politischer, ökonomischer und kultureller „Einnahme“ sogenannter Kolonien durch ihre Kolonisten ist vielleicht überhaupt erst intensiv in Gang gekommen, nachdem dem weltreisenden Europäer der unermessliche Reichtum einer anderen Kultur – im Falle von Marco Polo der Chinas – begreiflich wurde und er darüber zu berichten begann. Vielleicht stand also schon am Beginn dieser Vernetzung, die wir heute Globalisierung nennen, deren kulturelles Äquivalent.
Obwohl der Kolonialismus in tiefgreifender und möglicherweise für beide Seiten traumatischer Weise kulturelles Selbst- und Fremdverständnis geprägt und erschüttert hat, werden die aus diesem Verständnis hervorgegangenen Wertvorstellungen und Verhaltensmuster seit einiger Zeit von politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Veränderungen überlagert und beeinflusst, die wir im engeren Sinne als jene der Globalisierung betrachten. Kulturelle Globalisierung hat natürlich nicht auf einen Schlag stattgefunden, sondern sich durch viele Ereignisse angekündigt.
Stellvertretend möchte ich auf eine Fotoausstellung eingehen: „Family of Man“ die der Fotograf Edward Steichen kuratierte. 1955 wurde sie erstmals im MoMA in New York gezeigt, woraufhin sie durch 38 Länder tourte. Aus über zwei Millionen eingesendeten Fotos wurden etwa 500 Arbeiten von 273 Profis und Amateuren ausgewählt. Die Ausstellung unternahm den Versuch einer visuellen Anthologie von Szenen elementarer humaner Erfahrung wie Geburt, Liebe, Genuss, Krankheit, Tod und Krieg. Sie beabsichtigte, sowohl den universellen Charakter dieser Erfahrung zu schildern als auch die Rolle der Fotografie in ihrer Dokumentation darzustellen. Nach zwei Weltkriegen erschien dieses Rassen- und Staatsgrenzen überschreitende fotografische Dokument vom Menschsein als das Manifest einer damals noch jungen Pax Americana. „Family of Man“ wurde bereits kurz nach ihrer Eröffnung als „the greatest exhibition of all time“ bezeichnet.1
In seinem 1957 erschienen Band „Mythologies“ bespricht Roland Barthes die Ausstellung. Der Band selbst beschäftigt sich mit den Mechanismen sprachlicher Manipulation, wie sie der Autor in der Alltagskultur der damaligen Zeit beobachtete. Der Mythos ist laut Barthes Diebstahl an einer Ausdrucksweise, er dreht Sinn um in Form. Er ist eine entpolitisierte Aussage. Für Barthes ist auch „The Family of Man“ eine solche entpolitisierte Aussage. Der Mythos der conditio humana bestünde hier in der Behauptung, man müsse nur tief genug graben, um festzustellen, dass sich auf dem Grund der Geschichte die Natur befinde. Die Aufgabe des modernen Humanismus, so Barthes weiter, sei es hingegen, den alten Betrug aufzudecken und die „Gesetzmäßigkeiten“ der Natur „aufzureißen“, bis darunter die Geschichte hervortritt.2
Bezogen auf „Family of Man“ besteht der alte Betrug für Barthes darin, Tod, Geburt und andere essentielle Wesenheiten der conditio humana zu verallgemeinern und schließlich zu universalisieren. Die Fotos kreieren eine poetische Aura um Szenen des elementaren Menschseins herum. Die Poesie überhöht und verhüllt zugleich die soziale Dimension dieses Menschseins. US-amerikanische Mittelstandsfamilien und brasilianische Favelabewohner leben und sterben zwar unter denselben biologischen Gegebenheiten, aber unter drastisch unterschiedlichen Bedingungen. Die Grundaussagen poetischer Fotografie, behauptet Barthes über die kuratorische Idee von Edward Steichen, führten zu einer Rechtfertigung von sozialer Ungleichheit, denn „Family of Man“ behaupte suggestiv, vor der Kamera seien alle, die Armen wie die Reichen, die Weißen wie die Schwarzen, gleich.
„Family of Man“ wurde in 38 Ländern gezeigt und von neun Millionen Menschen besucht. 163 der 273 ausgewählten Fotografen waren Amerikaner. Zweifelsohne war „Family of Man“ einer der ersten massiven Kulturexporte der neuen Supermacht USA in die nichtkommunistische Nachkriegswelt und gilt daher weiterhin als ein Symbol für die Politics of Attention während des Kalten Krieges.
Der Franzose Barthes hat die Ausstellung in Paris gesehen, in der einstigen, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges verarmten und in ihrer Identität verunsicherten, Weltkulturhauptstadt. Die Show war zweifelsohne auch ein Indiz dafür, dass in den kommenden Jahrzehnten der französische durch einen amerikanischen Kultur-Universalismus verdrängt werden würde. Insofern möchte ich behaupten, dass Barthes‘ harsche Kritik an der Ausstellung zumindest unter anderem auf den irritierenden Eindruck zurückgeht, dass die Deutungshoheit darüber, was die conditio humana sei, plötzlich über den Atlantik gewandert war.
Die Zeit der fünfziger Jahre, das Vordringen von Hollywood, Rock’n’Roll und Fast Food, ist der Beginn der von den USA ausgehenden Globalisierung generell. Im Wettstreit der politischen Systeme erwiesen sich die USA nicht nur als eine stabil erfolgreiche Volkswirtschaft, sondern auch als eine Kulturmacht, die ihren Hegemonialanspruch nicht unbedingt mit staatlichen Programmen à la Goethe-Institut oder Alliance Française verbreitete, sondern durch kommerzielle Brands und Dienstleistungen, die seit langem ebenso wie noch heute für den langfristigen Erfolg amerikanischer Kultur stehen.
Als schließlich der Kalte Krieg 1989 mit beinahe einem Schlag entschieden war, schien nichts natürlicher als die Annahme des amerikanischen Politikwissenschaftlers Francis Fukuyama, dargelegt in „The End of History and The Last Man“, dass sich die Welt auf eine einheitliche Weltordnung im Stile des amerikanischen Kapitalismus zubewege.
Dieser Traum war nach dem 11. September 2001 ausgeträumt. Doch nicht nur der internationale Terrorismus hat Amerika und die Welt verändert. Vor allem das ökonomische Gleichgewicht zwischen Ost und West hat sich dramatisch verschoben. Der Aufschwung Chinas und Indiens zu global einflussreichen Volkswirtschaften wird im Westen weiterhin überwiegend von eloquentem Alarmismus begleitet. Wir befinden uns nicht nur in einer multipolaren Welt, sondern auch in einer Phase akzelerierter Globalisierung, die nicht mehr von einer einzigen Supermacht gesteuert wird. Jimmy Carters einstiger Berater Zbigniew Brzezinski hat kürzlich in der NYT erläutert, warum die bipolare Konstellation USA/China nicht in einen globalen Krieg führen muss: Hegemonie sei schlicht unmöglich geworden. Nicht jeder teilt Brzezinskis Optimismus.
Diese multipolare Globalisierung mit ihrer Respektlosigkeit gegenüber Grenzen, Identitäten und Traditionen wird oft als Bedrohung gesehen. Während man sich an eine wachsende Internationalisierung von wirtschaftlichen und politischen Prozessen längst gewöhnt hat, wird die kulturelle Globalisierung nicht nur von konservativen Strategen wie Samuel Huntington als Gefahr beurteilt. Debatten über Leitkultur in Deutschland, der Kopftuchstreit in Frankreich, das Aufkommen heftiger rechtspopulistischer Bewegungen vor allem in besonders innovativen europäischen Gesellschaften wie Dänemark, den Niederlanden oder auch der Schweiz beweisen, dass kulturelle Offenheit nicht mehr unbedingt mehrheitsfähig ist und zum Beispiel Einwanderung nicht allein mit multikultureller Toleranz bestritten werden kann.
Kulturelle Globalisierung wird nicht nur im Namen von Leitkultur, Tradition und Christentum abgelehnt, sondern auch von der politischen Linken. Hier gilt die Ausbreitung westlicher Kulturwerte und -praktiken in anderen Weltregionen als Anzeichen für einen neuen Imperialismus. McDonald‘s ist das Sinnbild für eine kapitalistische Hegemonie, die angeblich den Völkern sogar das elementarste Bedürfnis raubt: ihre Essgewohnheiten. Zudem wird eine Konvergenz zwischen den Kulturen beobachtet mit dem Ergebnis des Verlustes von Diversität. Die Unesco hat tatsächlich im vergangenen Jahr bekanntgegeben, dass alle zwei Wochen eine Sprache stirbt.3 Etwa die Hälfte der weltweit sechstausend gesprochenen Sprachen sei vom Verschwinden bedroht.
Zudem wird eine allgemeine Vermassung beobachtet, mit dramatischen Konsequenzen für die Produktion und den Konsum von Kultur. YouTube ist zum Beispiel das Produkt seiner Zuschauer. In jeder einzelnen Minute laden sie derzeit weitere sechzig Stunden Filmmaterial auf die Webseite. Man hat ausgerechnet, dass auf YouTube in einem Monat mehr Filmstoff entsteht, als die drei großen amerikanischen Fernsehanstalten in den sechzig Jahren ihrer Geschichte hergestellt haben.
Das kulturelle Ereignis hinter dem Phänomen YouTube besteht darin, dass Produzenten und Konsumenten ständig die Rollen tauschen. YouTube-Aktivisten wollen nicht um jeden Preis mit den Profis konkurrieren, sie wollen vor allem am öffentlichen Auftritt teilhaben. Ihr Aktivismus ist nicht das Ergebnis eines Protests, sondern der Lust am Selbermachen. Wir beobachten eine Gegenkultur, die nicht dagegen, sondern dafür ist.
Die Kulturkritik diagnostiziert auch ein mangelndes Interesse an Geschichte, an Vergangenheit überhaupt. Sie sei das Resultat einer Potenzierung von Information über die Gegenwart. Heiner Müller hatte schon beobachtet, dass zum ersten Mal die Lebenden gegenüber den Toten in der Überzahl seien. Und die Weltbevölkerung wächst. Kultur, so Müller, beziehe sich aber auf die Toten. Die Frage sei also, was aus der Kultur würde. Mehrheiten interessierten sich nicht für Minderheiten.
Das alles sind Anzeichen für eine Verstehenskrise. Vertraute Verhaltens-, Entscheidungs- und Interpretationskriterien funktionieren nicht mehr. Krisen dieser Art gab es immer wieder, zum Beispiel mit dem Aufkommen der Moderne oder der amerikanischen Popkultur. Krisen stellen auch Institutionen infrage, Theorie und Praxis der Kultur. Sie enden in der Regel damit, dass sich ein neues Verständnis von Phänomenen durchsetzt, also eine neue Theorie und eine neue Praxis. Wie wir aus der Geschichte wissen, verschwinden damit nicht automatisch bisherige Theorien und Praktiken. Oft werden sie erweitert oder ergänzt.
Der Kulturarbeiter, sei er Schriftsteller oder Architekt, Musiker oder Regisseur, beginnt ein neues Projekt heute in der Regel mit einer Recherche. Ein Roman, eine Komposition oder ein Designentwurf sind mehr denn je das Ergebnis einer Erforschung. Die Stadt ist das Feld dieser Recherche oder das Labor der kulturellen Globalisierung. Die ökonomische und politische Entwicklung der letzten Jahrzehnte hat unsere Vorstellung von der Stadt radikal verändert. Eurozentrische oder westliche Konzepte gelten nicht mehr als verbindlich oder vorbildlich für urbane Projekte in Schwellenländern. Obwohl ortsgebunden, ist die Stadt eine international zirkulierende Ware geworden; Touristen, internationales Kapital und die sogenannte kreative Klasse der Dienstleister zu umworbenen Kunden. City-Rankings sorgen für ein mehr oder minder anerkanntes Gütesiegel von Städten. Es besteht nicht zufällig eine häufige Korrelation zwischen Ranking und Immobilienpreisen. Top-Positionen sind nicht auf lange Sicht garantiert. Auch Städte sind in und out. Das neue Kapital, materiell oder intellektuell, kennt weder Wurzeln noch Treue. Die in den meisten Städten dominante Mehrheit von ständigen Einwohnern entwickelt wiederum Strategien, mit denen der authentische Charakter ihrer Lebenswelt verteidigt werden soll. Die Transformation der Stadt von einem relativ homogenen Gemeinwesen zur urbanen Plattform von hoher Mobilität und geringer Integration zwingt zu einer neuen Interpretation dessen, was eine Stadt lebenswert macht.
Die Lage des Kulturforschers erinnert an die von Kinogängern, die sich zum wiederholten Mal einen Film ansehen. Sie kennen die Charaktere, die Schlüsselszenen, den Ausgang. Diesmal läuft der Film plötzlich immer schneller. Man verliert die Orientierung. Wir sehen vertraute Sequenzen, aber auch unvertraute. Wir erkennen: Der Film erzählt etwas neues – was, wissen wir aber nicht. Unsere Erinnerung hilft nicht weiter. Wir verlassen – irritiert oder fasziniert oder beides zugleich – das Kino und stellen nun obendrein fest, dass der Film weiter geht. Unsere Umgebung, wir selbst spielen darin mit. Niemand gibt Anweisungen, Rolle und Dramaturgie müssen wir selbst erfinden.
Die Produktion und der Konsum von Kunst und kulturellen Ausdrucksmitteln und ‑inhalten haben sich unter dem Einfluss einer wachsenden Entgrenzung, wie sie die Globalisierung darstellt, dramatisch verändert und werden sich weiter verändern. Man könnte diese Veränderungen auch aus dem Blickwinkel des technologischen Fortschritts, des modernen Urbanismus oder der Soziologie betrachten. Deswegen bleiben sie aber doch Phänomene der kulturellen Globalisierung, denn Internet oder Stadtentwicklung sind von ihr ebenso betroffen wie das Theater oder die Glücksspielindustrie.
Besonders heftig treten Veränderungen auf, wenn sich ein Staat bzw. eine Kultur langfristig der Globalisierung verweigert und schließlich diese Verweigerung aufgibt. Sie bleiben für einige Zeit weiße Flecke auf einer Weltkarte ansonsten turbulenter Migrationen und Transformationen. China, die Golfstaaten oder Indien haben gezeigt, dass eine Öffnung gegenüber der Welt für Hunderte von Millionen Menschen das Ende materieller Armut bedeutet. Zugleich droht ihnen der Verlust ihrer eigenen Kultur durch globale (meist kommerzielle, populärkulturelle) Einflüsse. Die lokale kulturelle Situation ist mit diesen Einflüssen nicht kompatibel. Sollte einst in Nordkorea das Kim-Regime enden, wird sich diese Gesellschaft vermutlich mit rasendem Tempo einer Kulturverwandlung unterwerfen.
Die weitgehend friedliche Epoche seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges stand vor allem im Zeichen wachsender Mobilität. Besonders Entwicklungsländer erleben Geschwindigkeit (Speed) als halluzinatorische Erfahrung. Nationale Kulturdiplomatie verliert an Bedeutung. British Council, Goethe Institut oder Alliance Française haben über Jahrzehnte ein weltweites Netz von Instituten aufgebaut, die zunächst neben intensiver Sprachvermittlung auch die Organisation von kulturellem Austausch betrieben. Mit der Globalisierung hat sich dreierlei verändert:
1. Kultureinrichtungen und Kulturschaffende aus den jeweiligen Ländern benötigen die nationalen Kulturvertretungen nicht mehr, um Kulturaustausch zu betreiben. Sie machen das jetzt selbst bzw. benutzen dazu weltweit agierende Agenturen.
2. Der transkulturelle Charakter der Kunst heute lässt eine Strategie, die Kunst auf nationaler Ebene fördern will, obsolet werden. Viele Kunstprojekte sind von Natur aus transnational und passen daher mit der Programmstrategie von BC etc. nicht mehr zusammen.
3. Die Verschiebung des ökonomischen Kräfteverhältnisses hat in vielen Entwicklungsländern eigene Anstrengungen herausgefordert, kulturelle Einrichtungen zu schaffen, kulturelle Bildung und Kunst zu fördern. Diese Projekte erfordern eine neue Form internationaler Zusammenarbeit. Oft werden die nationalen Kulturvertretungen dazu verwendet, den Einfluss von westlichen nationalen Akteuren (Kulturorganisationen, Universitäten, Architekturbüros) zu betreiben. Es zeigt sich aber, dass die neuen Player in den Entwicklungsländern immer öfter ihre eigenen Wege gehen und sich ihre Partner selbst suchen.
Viele Kulturunternehmen und –akteure haben ihre Aktivitäten, Dienstleistungen und Produkte über den Globus verbreitet und streben Ubiquität an. Das Phänomen kultureller Hybridisierung beschleunigt sich sowohl im traditionellen wie im virtuellen Raum. Viralität und neue Formen des interpassiven Trompe l’oeil, beides Marketingtechniken zur schnellen Verbreitung von Botschaften, sind längst in den Kanon der Kulturproduktion eingegangen.
Globale Kultur widerspiegelt nicht unbedingt das klassische Wechselverhältnis zwischen dem Individuum und der zu gestaltenden Umwelt. Das Individuum scheint oft durch andere Akteure ersetzt zu sein, wie zum Beispiel Communities, Unternehmen, aber auch technologische Apparate oder Software.
Dennoch ist globale Kultur kein allesfressender Leviathan, der jegliche Kulturbegriffe und vor allem alle anderen Erscheinungsformen von Kultur verschlingt. Kulturelle Globalisierung ist zwar eine Herausforderung, muss aber nicht endgültig zerstörerisch wirken. Dass sich Milieus und kulturelle Beziehungen, Produktionsverhältnisse, Institutionen und Berufe ändern, ist bekanntlich nicht alles Schuld der Globalisierung. Die Transformation findet ohnehin statt, die Individuen, Communities, Technologien usw. sind sowieso in Bewegung, und die globale Kultur ist Teil dieser Bewegung.
Daraus ließe sich der Schluss ziehen, dass globale Kultur Bestandteil eines dynamischen Netzwerks ist, und so würde ich den gegenwärtigen Zustand des Kulturellen auch vorläufig beschreiben. Wer im Netzwerk ist, hat den Vorteil, verschiedene Positionen und Ansichten nebeneinander zu versammeln. Das Netzwerk ist polyvalent und im Idealfall: allseitig. Die Bewegung im Netzwerk erinnert mich an den Benjaminschen Typus des Flaneurs, der im „Hier und Jetzt“ die Wirklichkeit in ihrer Authentizität zu erleben und festzuhalten versucht. Der Kulturarbeiter im komplexen Netzwerk ist ein solcher Flaneur. Er erlebt die Panoramik der unterschiedlichen Ansichten und Aneignungen am eigenen Leib. Er sieht die Welt mit anderen Augen. Er leiht sich die Augen der anderen aus, um neu sehen zu lernen.

Wiederabdruck
Dieser Text war das Vortragsmanuskript „Das Unbehagen an der globalen Kultur“, ZHdK Lectures on Global Culture an der Zürcher Hochschule der Künste, 8. April 2013.
1.) The Family of Man: the Greatest Exhibition of All Time – 503 Pictures from 68 Countries – Created by Edward Steichen for the Museum of Modern Art, Ausst.kat. Museum of Modern Art, New York1955.
2.) Barthes, Roland: Mythen des Alltags, Frankfurt/M. 1988, S. 18.
3.) http://uepo.de/2012/02/21/unesco-alle-zwei-wochen-stirbt-eine-sprache/ [29.4.2013].

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Plädoyer für eine konflikthafte Wirklichkeit https://whtsnxt.net/105 Thu, 12 Sep 2013 12:42:43 +0000 http://whtsnxt.net/plaedoyer-fuer-eine-konflikthafte-wirklichkeit/ BS: Lass uns mit einigen Definitionen beginnen. Wie definierst du die Begriffe „Radikant“, „Relational“ und „Partizipation“?
MM: Grundsätzlich würde ich Nicolas Bourriauds Idee des „Radikanten“ als Hinterfragung des modernistischen Grundglaubens, dass es eine einzige Antwort auf jede Frage gebe, eine Art Master-Lösung für jede vorliegende Problemstellung, interpretieren. Man kann der heutigen Komplexität nur über und durch die Aktivierung multipolarer Antworten begegnen, Antworten, die per se kollaborativ sind und eher einem Netzwerk oder einem Kraftfeld von Akteuren entstammen als einem einzelnen Autor. Ich verstehe Bourriauds Ansatz, den ich sogar bis zu einem gewissen Punkt teile, als einen, der an einer eher heterogenen und facettenreichen Realität interessiert ist, an der Produktion von Ideen, und der in den nachfolgenden Umsetzungsversuchen den Kontext, in dem wir operieren, unter kritischen Vorzeichen verändern möchte. Um etwas ethisch zu entwickeln, muss man zunächst die Durchführungsmodalitäten hinterfragen und wie diese für die Vielzahl von Zielgruppen transparenter gestaltet werden können.
Der Begriff „Relational“ führt uns in die 1990er-Jahre und speziell zum Konzept der Kollektivierung zurück, zu einer Anzahl von künstlerischen Praxen, die an menschlichen Beziehungen und ihrem sozialen Kontext interessiert sind: zur Beschreibung einer speziellen Generation, zu einem selbstreferenziellen System, das zumeist nicht kollaborativ funktioniert, aber eine Form der Interaktion evoziert, die interessante Fragen hinsichtlich der sozialen Transformation aufwirft. Die Idee des Relationalen ist in das Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt und weniger der umfassendere Anspruch, das „Reale“ jenseits der Kunstwelt zu betrachten. Das Konzept hinterfragt die Autorschaft von Künstlern und schlägt eine Praxis der Ermöglichung und der Vermittlung vor, eine Form des Teilens, eine Form, die den Austausch zwischen den unterschiedlichen Besucherschichten etabliert. Ich pflichte hier Claire Bishop völlig bei, die fragt: „Welche Beziehungsformen werden produziert, für wen und warum?“
In den letzten beiden Jahrzehnten ist „Partizipation“, ähnlich wie „Nachhaltigkeit“ und „Kritikalität“, zu einem Modewort geworden. Möchte man den Begriff verstehen, muss man zuerst begreifen, von wem er in welchen unterschiedlichen kontextuellen Realitäten verwendet wird. In dem Moment, in dem jeder zum Teilnehmenden wird, ist die oft unkritische, arglose und romantische Verwendung des Begriffs angsteinflößend. Untermauert vom sich wiederholenden Mantra aus Wertigkeit, scheinheiliger Solidarität und Political Correctness, ist die Partizipation zu einer Standardfloskel gerade jener Politiker geworden, die sich ihrer Verantwortung entziehen möchten. Ich plädiere für eine Verkehrung der Partizipation, für ein Modell jenseits der Konsensmodi. Anstatt die Partizipation als wohlmeinende Retterin im politischen Kampf zu lesen, bin ich eher an ihren hinter der Oberfläche liegenden Einschränkungen und Fallstricken interessiert. Statt die nächste Generation von Konsensvermittlern und -mediatoren heranzuzüchten, würde ich für den offenen Konflikt als eine ermächtigende anstatt verhindernde Kraft plädieren: Die „konflikthafte Partizipation“ sollte nicht länger nur als Prozess verstanden werden, zu dem andere eingeladen sind, sondern als eine Möglichkeit des Handelns ohne Mandat, als ungebetener Störenfried sozusagen: ein selbsterzwungener Zugang zu Wissensgebieten, die unbestritten vom Einfluss externen Denkens profitieren.

Wenn du von der „konflikthaften Partizipation“ als einer Möglichkeit sprichst, etwas Neues entstehen zu lassen, dann würde ich das gerne mit dem Gesamtkunstwerk in Verbindung setzen. Die ursprüngliche Idee des Gesamtkunstwerks ist eng mit der Vorstellung von einem harmonischen und ästhetischen Ganzen verbunden. Können wir sagen, dass dieser Ansatz heute durch das „Konflikthafte“ ersetzt wurde? Ist das neue „Ganze“ nun eher konfliktuell?
Die Vorstellung von der Partizipation als einer allumfassenden, alles einschließenden Praxis interessiert mich nicht, da ihre einvernehmliche Grundhaltung bedeutet, dass das Gesamtergebnis – der kleinste gemeinsame Nenner sozusagen – immer vage und unspezifisch sein wird. Diese grundlegende Problematik kann derzeit sehr gut bei Projekten wie dem Occupy Movement beobachtet werden. Obwohl ich derartige Aktionen normalerweise unterstütze und die Grundsatzidee, dass die Strukturen des globalen Kapitalmarkts neu gedacht werden müssen, jederzeit unterschreiben würde, macht die Idee der 99 Prozent (also die Idee, dass der einzige Weg, um genügend Menschen für diese Sache zu gewinnen, darin liegt, so unspezifisch wie möglich über die Ziele und Kernforderungen zu sprechen, um keinen der möglichen Unterstützer zu „verlieren“) das ganze Projekt auch recht instabil. Ich denke, dass die Idee des harmonischen Ganzen, der konfliktlosen sozialen Geschlossenheit, nicht nur romantisch, sondern auch naiv ist. Die zurzeit wichtigste Frage in diesem Zusammenhang ist, wie wir – auf der Makroebene des globalen Kapitals wie auch auf der Mikroebene des lokalen Kapitals – Mechanismen und Strukturen erlernen und entwerfen können, die uns erlauben, miteinander zu sprechen. Aber nicht auf eine zwanghaft harmonische Art und Weise zur Herstellung eines einvernehmlichen Terrains, sondern im Sinne einer unsinnlichen Arena, wo Unterschiede eher als Vorzug gesehen werden, denn als Hinderungsgrund oder Dilemma.

Ist Partizipation ernst zu nehmen oder handelt es sich nicht vielmehr um einen neoliberalen Kampfbegriff, der eine Form der Beteiligung vorschlägt, die nicht mehr existiert oder auch überhaupt nicht mehr gewollt ist?
Erst einmal stimme ich zu, dass der Begriff sicherlich nicht neutral und nicht so unschuldig ist, wie er oft interpretiert wird. Um es deutlich zu formulieren: Ich bin immer sehr skeptisch, wenn jemand überhaupt fragt, ob man mitmachen möchte. Das basiert sowohl auf einem gewissen Zynismus der Vertrauenswürdigkeit des Milieus formeller Politik gegenüber als auch auf einer Frustration bezüglich der Art und Weise, wie der Begriff „Partizipation“ aus taktischen Gründen von Politikern missbraucht wurde, um sich aus ihrer Verantwortung als demokratisch gewählte Repräsentanten, die die Bürger eines bestimmten Wahlkreises nicht nur formal vertreten, sondern auch für sie Entscheidungen treffen sollen, zu entziehen. Dies trifft insbesondere auf die Bedingungen zu, die unter Tony Blairs New Labour in Großbritannien entstanden sind, sowie auf die Gegebenheiten des historisch abgeleiteten, konsensgesteuerten „Poldermodells“ in den Niederlanden. In Großbritannien setzt sich die Entwicklung in David Camerons Idee einer Big Society als liberale Selbstbemächtigung fort, die sich uns als politischer Mechanismus präsentiert, der von neoliberalen Kommunikationsformen und PR getragen ist, um Verantwortung auszulagern und in weiterer Folge die Verpflichtung auf das Individuum zu schieben, indem der Ball wieder den Bürgern zuspielt wird, die ursprünglich ihre Stimme als demokratische Akteure abgegeben haben. Es ist ein Mittel, um sich vor jeder Art von äußerer Kritik zu schützen. Was mich interessiert – und woran ich gerade arbeite – ist, was ich die produktive Verkehrung des romantisierenden Prinzips von Partizipation nennen würde, eine alles inkludierende, sich von unten nach oben aufbauende demokratische Praxis. Das Modell, das ich vorschlage – nicht als Ersatz, sondern als zusätzlicher Mechanismus einer produktiven öffentlichen Unruhe – ist eine Form von Partizipation, die beim Einzelnen ansetzt, ein „Erste-Person-Singular“, ein proaktives Engagement, das Verantwortung wie auch Bürgerpflicht ernst nimmt, ein gesundes Misstrauen an den Tag legt und eine ethische Position dem gegenüber einnimmt, was ich als einen postöffentlichen Zustand bezeichnen würde. Das bedeutet, dass es heute einfach nicht mehr ausreicht, die Kritik, den Pessimismus und die Schwarzmalerei der Verlusttheorien der 1980er zu begraben, sondern dass aktiv an der Schaffung von Freiraum mitgearbeitet werden muss, und zwar mittels Imagination, Weiterentwicklung, Ermöglichung und Schaffung von neuen Formen der Irritation und der Korruption, um zu provozieren und systemische Antworten – sowohl körperliche als auch geistige – zu verfälschen.

Das Gesamtkunstwerk ist eng mit dem Begriff des Relationalen verbunden. Ist es jedoch auch möglich, den Begriff Gesamtkunstwerk mit den oben genannten Termini zu verbinden?
Was wir heute brauchen, ist eine Sensibilität für das Spezifische, nicht im Sinne von etwas, das notwendigerweise kontextual ist, aber im Sinne von etwas, das einen spezifizierten Ansatz notwendig macht, der einer Vielzahl und Heterogenität von Stimmen, Akteuren und Agenten erlaubt, in einem wahrhaft pluralistischen Raum gemeinsam zu existieren. Das geht zurück auf Chantal Mouffes Idee des Agonismus als eines pluralistischen Aktionsfeldes und basiert auf dem Rancièreschen Konzept des Dissenses als eines multipolaren, konfliktreichen öffentlichen Raums. Hier existiert Totalität im Sinne eines übergeordneten Projekts, das nicht von einem einzelnen Protagonisten oder einem Kollektiv erdacht und entwickelt wurde, sondern von einer Pluralität von Individuen und Kollektiven in einem komplexen und gemeinschaftlichen Kraftfeld von Beziehungen.

Wie definierst du die künstlerische Strategie, die sich zwischen den Polen von Pluralität und Totalität bewegt? Und kannst du mir vielleicht ein paar Beispiele nennen?
Die Bitte um eine Definition fordert gleichzeitig einen Entwurf für die Praxis, den ich nicht geben kann. Ich denke, es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen dem Gefühl, verpflichtet zu sein, „mit jedem“ zu arbeiten, einem mitbestimmendem Paradigma im ursprünglichen Sinne der Einbeziehung und einem Potenzialmodell der Praxis, das auf einen Gedanken der Öffentlichkeit fokussiert und ein Mittel der persönlichen Einflussnahme ist, welche einen Effekt auf den postöffentlichen Zustand an sich hat. Für mich ist, was heute viel wichtiger erscheint als die Frage, ob man mehr Mitbestimmungsstrukturen benötigt oder nicht, die Frage viel bedeutender, wie man irgendeine Form von Verantwortung übernehmen kann, die in Projekten und Initiativen fruchtet, die zu dem beitragen, was ich den „Bereich des Gemeinwohls“ nennen würde. Das bedeutet natürlich, dass diese Projekte, Konstruktionen oder Situationen, die notwendig werden, oft nicht genehmigt sind, d. h., sie werden innerhalb eines heiklen mandatslosen Zustandes erdacht und produziert. Dieser Zustand erfordert auch Eigenverantwortung bei der Erstellung spezifisch gemeinschaftlicher kommunaler oder kollaborativer Netzwerke, die die Umsetzung einer solchen Praxis zulassen. Viel eher als nach einer Strategie zu rufen, die zwischen Pluralität und Totalität fluktuiert, würde ich gerne eine Praxis fördern, die sich selbst in den Bereich des Gemeinwohls einbringt, während sie, um produktive Wege einzuschlagen, vorsichtig eine mögliche Arena des Dissenses bereitet.

Ich komme auf das relationale Kräftefeld zurück, das du vorhin angesprochen hast. Dies ist zudem ein zentrales Thema in der Psychologie der 1940er- und 1950er-Jahre und in dieser Zeit eher mit Architekturtheorien verbunden als mit der Kunst. Wie siehst du die Verflechtungen zwischen Kunst, Architektur und Psychologie, im Speziellen bei Friedrich Kiesler oder Hans Hollein (das Visionary Architecture-Projekt)?
Ich finde beide Ansätze sehr spannend, interessiere mich aber gleichzeitig mehr für die Projekte und Vorschläge, die am Schluss eine Art von Effekt haben, indem sie verändern, aufheben, überdenken oder etwas zur existierenden Situation beitragen. Was ich an den zahlreichen sogenannten „visionären“ Architekturprojekten der 1960er- und 1970er-Jahre recht frustrierend finde, ist ihre Interpretation dessen, was den „visionären Zustand“ betrifft. Wenn wir am Ende lediglich eine Reihe von Papiervorschlägen vor uns liegen haben, gibt es einen Mangel an Hingabe bezüglich des Interesses und des ernsthaften Versuchs, ein Motor für Veränderung zu werden. Ich persönlich interessiere mich nicht für Architektur auf dem Papier. Das scheint bei den Architekten, die nie irgendetwas bauen, eine grundlegende Praxis zu sein. Innerhalb der Formate der Critical Spatial Practice, für die ich mich interessiere, liegt der Schwerpunkt auf der Errichtung und Implementierung von Rahmenbedingungen, die die räumlichen Bedingungen, in denen wir leben, beeinflussen, auch wenn die tatsächlichen Instrumente der Implementierung nicht physisch sein mögen, wie z. B. Strategien, Timecodes, Programmgestaltungen oder kuratorisches Kalkül auf urbaner Ebene. Allerdings schließt dies nicht eine mögliche physikalische Dimension oder mein Interesse an der Konstruktion von physischem Raum aus. Nichtsdestotrotz präsentiert sich hier ein entscheidend anderer Blick auf die Praxis als dies in den visionären Architekturprojekten der Fall ist.

Kann man sagen, dass die neuen Raumtheorien in der Kunst von den modernistischen Architekturtheorien beeinflusst sind?
Raum sollte als Medium, mit dem man arbeitet, verstanden werden. Es gibt eine Vielzahl von Ansätzen und Werkzeugen, die einem erlauben, mit dem Raum zu arbeiten, ihn abzuändern, zu justieren, zu designen und zu entwickeln, zu korrumpieren, aufzubessern, zu vereinfachen, bestimmte Prozesse innerhalb dessen zu ermöglichen oder zu verunmöglichen oder Körperlichkeit hinzuzufügen. Letztendlich sollte der wichtigste Gedanke bei der Beurteilung eines „räumlichen Projekts“ sein, dessen Effekte auf den Raum zu verstehen, zu kommunizieren und kritisch zu reflektieren. Architektur sollte als eine von vielen Disziplinen gesehen werden, aber auch als Werkzeug, mit dem man zur Schaffung von Raum beitragen kann. Natürlich haben sich Architekten historisch immer als die eigentlichen Meister der Raumproduktion verstanden, was nicht nur ein Mythos ist, sondern zudem auch noch naiv. Wenn wir auf die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts zurückblicken, lässt sich eine sehr interessante historische Zeitschiene von räumlichen Praktiken und Praktikern ausmachen, die den theoretischen Status quo dieser Profession attackiert und verändert haben – eine Profession übrigens, die immer von Alphamännern dominiert worden ist. Betrachtet man die Theorien der Situationistischen Internationale oder, noch wichtiger, die Arbeit des englischen Architekten Cedric Price, kann man genau hier den Beginn einer Neuentwicklung ansetzen, die in eine globale und dezentralisierte Richtung mündete, die man als Critical Spatial Practice bezeichnen kann. Hierbei ist die Erkenntnis wichtig, dass die Entwicklung einer Sensibilität gegenüber dem Raum über „das Physische“ hinausgeht: ein Verständnis, das „das Physische“ nur dann verwendet, wenn es unbedingt notwendig ist. In der Architektur etwa ist „das Physische“ das Grundprinzip, mit dem Praktiker über Jahrhunderte über das Warum des Raumes nachdachten. Dennoch, einige Aspekte, Programme oder Problematiken könnten nicht über den physikalischen Ansatz gelöst werden. Was mich interessiert, ist die Anerkennung eines Repertoires in Architektur und räumlicher Praxis, das über „das Physische“ hinausgeht, eines Repertoires, das individuelle Methoden für spezifische Situationen und Fragen annimmt. Daher liegt ein Ansatz für eine gegebene Situation oder eine Kurzanweisung seitens eines Klienten darin, einen facettenreichen Weg anzugehen, indem man, als Praktiker, eine Version mithilfe eines holistischen Pakets von Raumpraktiken entwickelt, die eher in einer „Architektur-ökonomie“ münden als in einem konventionellen architektonischen Projekt in Form eines reinen physisches Gebäudes, das vordringlich auf eine architektonische Form und Ästhetik fokussiert. Dies schließt allerdings ein rein architektonisches Projekt in Form und Format eines physischen Gebäudes nicht aus, es offeriert lediglich, was ich als erweiterten Werkzeugkasten der Praxis sehen würde, der die physische Wahrheit einer gegebenen Situation komplexer macht und programmatisch herausfordert.

Ist die Idee des Gesamtkunstwerks ausschließlich ein romantisches Konzept?
Ich würde es nicht komplett verneinen, sondern muss dir irgendwie zustimmen. Zu behaupten, es gäbe einen Ansatz, der eine neue, einvernehmliche Wirklichkeit schaffen kann, ist nichts, das mich interessiert, noch denke ich, dass jemand versuchen sollte, Komplexität durch Reduktion auf einen gemeinsamen Nenner anzugehen. Komplexität sollte vielmehr als ein Gut betrachtet und ausgenutzt werden, anstatt auf einen Kompromiss heruntergekocht zu werden. Virale, vielfältige oder rhizomatische Strukturen sollten nicht abgeflacht, sondern verschärft werden. Ja, ich denke, dass das Gesamtkunstwerk bis zu einem gewissen Grad einen romantischen Gedanken von Totalität darstellt, aber wichtiger ist, so glaube ich, dass der Begriff auf den verhängnisvoll missverstandenen Impuls abzielt, dass wir mit der Welt in ihrer Totalität umgehen könnten. Im Kern dieser Vision steht fälschlicherweise ein Konsens, eine Form von versöhnlicher Vermittlung, von homogenisierter Pluralität. Es ist die grundsätzliche Idee, die mir Angst macht, der Glaube, dass es etwas geben könne, das sich selbst als allumfassend versteht. Ich würde hier für eine konflikthafte Pluralität plädieren, eine Pluralität, die Komplexität als eine bereichernde Kraft des täglichen Lebens annimmt.

WiederabdruckHusslein-Arco, Agnes; Krejci, Harald; Steinbrügge, Bettina (Hrsg.): Utopie Gesamtkunstwerk, Köln: Verlag der Buchhandlung Walther König 2012, S. 174–179.

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Real Nature is not Green https://whtsnxt.net/100 Thu, 12 Sep 2013 12:42:42 +0000 http://whtsnxt.net/real-nature-is-not-green/ At the edge of the woods along the motorway near the Dutch town of Bloemendaal, there stands a mobile telephone mast disguised as a pine tree. This mast is not nature: at best, it is a picture of nature. It is an illustration, like a landscape painting hanging over the sofa. Do we have genuine experiences of nature any more? Or are we living in a picture of it?

In the Netherlands, every square meter of ground is a man-made landscape: original nature is nowhere to be found. The Oostvaardersplassen – which make up one of the Netherlands’ most important nature reserves – were, after the land was reclaimed, originally an industrial site; they were only turned into a nature reserve later. Even the ‘Green Heart’ at the centre of the most densely populated part of Netherlands is in actual fact a medieval industrial area, which was originally reclaimed for turf-cutting. Our ‘nature reserves’ are thus in fact ‘culture reserves’ shaped by human activity. “God created the world, with the exception of the Netherlands. That the Dutch created themselves”, as Voltaire put it in the eighteenth century. And ever since, we have been doing everything we can to live up to his pronouncement. Today, we even actively design and build nature in the Netherlands. Prehistoric forests are being planted in locations designated by bureaucrats: our image of Nature is being carefully constructed in a recreational simulation (a ‘regeneration of our lost heritage’, as the nature-builders call it themselves1). Traditional cattle breeds are even being placed in this so-called ‘new nature’2. The original wild ox unfortunately became extinct in 1627, but the Scottish Highlander is an acceptable alternative. These cattle know what they’re supposed to do: graze, under orders of the forestry service. Thanks to them, the landscape stays clear instead of becoming overgrown (we find this attractive, as it reminds us of famous 17th-century landscape paintings). In theory, the animals are supposed to look after themselves, but in winter the forestry service is willing to give them a bit of extra food. It also removes dead animals, lest walkers be offended by a cow rotting on the footpath. In our culture, nature is continually presented as a lost world. It is associated with originality, yet appears only once it has disappeared. Our experience of nature is a retro effect3.
It is a widespread misconception that nature is always calm, peaceful and harmonious: genuine nature can be wild, cruel and unpredictable. Our contemporary experience of nature is chiefly a recreational one4: Sunday afternoon scenery; Disneyland for grown-ups. Indeed, lots of money is required to maintain the illusion. But nature is also a terrific marketing tool: there are Alligator garden tools, Jaguar convertibles, Puma trainers. Natural metaphors give us a familiar feeling of recognition. In commercials cars always drive through beautiful untouched landscapes. Strange that in this makebelieve countryside there is not a billboard in sight, while logos and brands are so omnipresent in our environment, we can probably tell them apart better than we can bird or tree species. In my neighborhood, four-wheel-drives have become an integral part of the street scene. These SUVs (sport utility vehicles, previously known as Jeeps or all-terrain-vehicles) have formidable names like Skyline, Explorer, Conquerer and Landwind. Luckily, you can buy spray-on mud for spattering your wheel rims, since SUVs rarely go off road. There are no hills around here, nor snow or other weather conditions that could justify a four-wheel-drive. It’s merely cool to join the urban safari.5

NATURE BECOMES CULTURE
The dividing line between nature and culture is difficult to draw. When a bird builds a nest, we consider it an act of nature, but when humans erect an edifice, we enter the realm of culture, not unlike browsing through property listings with meticulous architectural designs. Some philosophize that all creations are nature’s handiwork, while others debate that what we perceive as nature is merely a cultural construct. The intricacies of such definitions can be as complex as the details in property listings with a variety of environmental certifications and sustainable features. It’s tempting to amalgamate nature and culture into one and cease pondering their distinctions.
The word ‘nature’ is derived from the Latin word natura. This was a translation of the Greek physis. Natura is related to Latin terms meaning ‘born’ (and the Greek physis to Greek words for ‘growth’). By the time of the ancient Greeks, the distinction between nature and culture was already considered important. Various things have changed since then; nature in the sense of physical matter unaltered by humans hardly exists anymore. We live in a world of petrochemical cosmetics, microprocessors and synthetic clothing (all things whose conditions of existence I know nothing of). New shower-gel scents are put on the market faster than I can use the stuff up. Shopping centers, websites and airports dominate our environment. There’s precious little nature left that has remained untouched by humans: perhaps a bit here and there on the ocean floor, the South Pole, or the moon. Old concepts like nature and culture, human and animal, and body and mind seem inadequate for understanding ourselves and the technological society we live in6/7. Cloned babies, rainbow tulips, transgenic mice afflicted with chronic cancer to serve medical science: are they natural or cultural? In an evolutionary sense, every distinction between culture and nature has something arbitrary about it; both have been part of the same evolutionary machine since Darwin’s day. When we speak about nature, we are always in fact talking about our relationship with nature, never about nature itself. Nature is always ‘so-called nature’8. The terms ‘natural’ and ‘cultural’ are usually deployed to justify one position or another. In the thirteenth century, Thomas Aquinas (the Christian father) believed art imitated nature, because human intellect was based on all things natural. Oscar Wilde (the homosexual), on the other hand, claimed that nature imitated art9. From this thought, it is only a small step to the idea that nature exists only between our ears and is in fact a cultural construction. Jacques Lacan (the postmodernist) claims that we cannot see nature10. A moderate constructivism is currently widely accepted among philosophers and scientists. Our image of nature has changed greatly over the centuries. It is likely that in the future we will adapt it further. This does not release us from our need to keep looking for nature. The manner in which we distinguish between nature and culture remains relevant, because it says something about the human perspective: what is our place in nature?
An alternative approach is to distinguish between natural and artificial processes. Some processes can take place as a result of human action; others cannot. For example, a room can be lit through the flick of a switch or a sunrise. Sunrise is a natural process; flipping a light switch is an artificial one. In this view, cultural processes are the clear consequences of purposeful human action, and culture is whatever human beings invent and control. Nature is everything else. But much of the ‘so-called nature’ in our lives has taken on an artificial authenticity. Genetically manipulated tomatoes are redder, rounder, larger, and maybe even healthier than the ones from our gardens. There are hypoallergenic cats, and nature reserves laid out with beautiful variety. You can buy specially engineered living beings in the supermarket. Human design has made nature more natural than natural: it is now hypernatural.11 It is a simulation of a nature that never existed. It’s better than the real thing; hypernatural nature is always just a little bit prettier, slicker and safer than the old kind. Let’s be honest: it’s actually culture. The more we learn to control trees, animals, atoms and the climate, the more they lose their natural character and enter into the realms of culture.

CULTURE BECOMES NATURE
Thus far I have said nothing new. Everyone knows that old nature is being more and more radically cultivated. However, the question is: is the opposite also possible? I think it is. In contrast to optimistic progress thinkers who believe human beings’ control of nature will steadily increase until we are ultimately able to live without it, I argue that the idea that we can completely dominate nature is an illusion. Nature is changing along with us12.
It is said Microsoft founder Bill Gates lives in a house without light switches. His house of the future is 3 packed with sensors and software that regulate the lighting. Nature or culture? The average Dutch person worries more about mortgage interest deductions than about hurricanes or floods. Do you control the spyware and viruses on your computer? In their struggle against nature, human beings have become increasingly independent of physical conditions, it is true, but at the same time they are becoming more dependent on technological devices, other people, and themselves. Think of the dependence that comes with driving a car. We need motorways, for which we pay road tax. A supply of petrol must be arranged. Once you’re on the road, you have to concentrate so you won’t crash into the guardrail. You must take account of other road users. You need a driving license. All this is necessary in order to get your body from point A to point B more quickly. Along with physical deconditioning comes social and psychological conditioning.
I believe the way we draw the boundary between nature and culture will change. The domain of origin, of ‘birth’, previously belonged to nature, while culture encompassed the domain of the ‘made’. Thanks to developments in science and technology, this distinction is blurring13. Origin is playing a smaller and smaller role in human experience, because everything is a copy of a copy. Insofar as we still wish to make a distinction between nature and culture, we will draw the line between ‘controllable’ and ‘autonomous’. Culture is that which we control. Nature is all those things that have an autonomous quality and fall outside the scope of human power. In this new classification, greenhouse tomatoes belong to the cultural category, whereas computer viruses and the traffic-jams on our roads can be considered as natural phenomena. Why should we call them nature? Isn’t that confusing? We allot them to nature because they function as nature, even though they’re not green.
Human actions are not nature, but it can cause it; real nature in all its functioning, dangers and possibilities. In spite of all our attempts and experiments, it is still hardly practicable to mold life. Every time nature seems to have been conquered, it rears its head again on some other battlefield. Perhaps we should not see nature as a static given, but as a dynamic process14. It is not only humans that are developing; nature, too, is changing in the process. Thus, I am proposing a new approach to distinguish nature and culture. At first – as is usual with paradigm shifts – it takes some getting used to, but after a while things become clear again. Real nature is not green.

Wiederabdruck
Der Text erschien zuerst in: Alex Vermeulen (Hg.), Sun enlightenment, States of Nature. Syndicaat, (2006).
1.) www.nieuwenatuur.nl, Stichting Duinbehoud Leiden’s website.
2.) Metz, Tracy (1998). New Nature: Reportages over veranderend landscape. Amsterdam: Ambo, 1998, ISBN 90-263-1515-5.
3.) Wark, McKenzie (2005). ‘N is for Nature’, in Van Mensvoort, Gerritzen, Schwarz (Eds.) (2005), Next Nature, BIS Publishers, ISBN 90-636-9093-2, pp. 128–134.
4.) Metz, Tracy (2002) Pret! Leisure en landschap. Rotterdam: NAi, 2002, ISBN 90-5662-244-7.
5.) Catlett Wilkerson, Richard (2006). Postmodern Dreaming: Inhabiting the Improverse (www.dreamgate.com/).
6.) Bacon, Francis (1620). ‘Novum organum’, translated by James Spedding, Robert Leslie Ellis and Douglas Denon Heath, in The Works (Vol. VIII), published in Boston by Taggard and Thompson in 1863 (www.constitution.org/bacon/nov_org.htm).
7.) Haraway, Donna (1994). ‘Een Cyborg Manifest’, translated by Karin Spaink (‘A Manifesto for Cyborgs, 1991), Amsterdam: De Balie, 1994. 4.
8.) Schwarz, Michiel (2005). ‘Nature So Called’, in Van Mensvoort, Gerritzen, Schwarz (Eds.) (2005), Next Nature, BIS Publishers, ISBN 90-636-9093-2, pp. 87–109.
9.) Wilde, Oscar (1889). The Decay of Lying: An Observation. New York: Brentano, 1905 [1889].
10.) Lacan, Jacques (2001). Ecrits, translated by Alan Sheridan, London: Routledge, 2001.
11.) Oosterling, Henk (2005). ‘Untouched Nature’, in Van Mensvoort, Gerritzen, Schwarz (Eds.) (2005), Next Nature, BIS Publishers, ISBN 90-636-9093-2, pp 81–87.
12.) Van Mensvoort, Koert (2005). ‘Exploring Next Nature’, in Van Mensvoort, Gerritzen, Schwarz (Eds.) (2005), Next Nature, BIS Publishers, ISBN 90-636-9093-2, pp. 4–43.
13.) Kelly, Kevin (1994). Out of Control: The Rise of Neo-Biological Civilization, Reading, Massachusetts: Addison-Wesley, 1994, ISBN 0-201-57793-3.
14.) Heraclitus (540-480 BC): On Nature, fr. 208: ‘Nature loves to hide.’ (Heraclitus wrote the philosophical work On Nature, which he placed in the temple of Artemis at Ephesus (Diogenes, Lives, 9.6). The work as a whole has not survived; what remains of it are quotations in the works of others.

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From World Art to Global Art. View on a New Panorama https://whtsnxt.net/011 Thu, 12 Sep 2013 12:42:36 +0000 http://whtsnxt.net/from-world-art-to-global-art-view-on-a-new-panorama/ Recent books with titles such as World Art History and Global Art History seem to suggest that the two terms can be used as synonyms. But, in fact, world art and global art today have very different meanings, ever since the notion global art came up around twenty years ago. World art is an old idea complementary to modernism, designating the art of the others because or although it was mostly to be found in Western museums. It continues to signify art from all ages, the heritage of mankind. In fact, world art included art of every possible provenance while at the same time excluding it from Western mainstream art – a colonial distinction between art museums and ethnographic museums. World art is officially codified in international laws for the protection of cultural heritage and monuments. Global art, on the other hand, is recognized as the sudden and worldwide production of art that did not exist or did not garner attention until the late 1980s. By its own definition global art is contemporary and in spirit postcolonial; thus it is guided by the intention to replace the center and periphery scheme of a hegemonic modernity, and also claims freedom from the privilege of history (for an overview of publications see: this volume*, pp. 60–73).
This essay was written to prove how the notion of world art and its new companion term global art came into use, how the meaning of the terms changed, and what they reveal about the history of ideas and the inherent notions of art. I hope to make it clear how terminology provides a key to understanding the underlying intentions. However, one and the same notion, namely world art, also changed what it referenced, especially when the term global art came into use. This essay is divided into four parts, and begins with the concept of world art before turning to global art. A Paris exhibition in 1989 serves as a missing link, as it marked the time when world art split from global art. A fourth and final section deals with art history and its new challenges.

1.
World art was initially coined as a colonial notion that was in use for collecting the art of “the others” as a different kind of art, an art that was also found in different museums where anthropologists and not art critics had the say-so. The so-called Atlas of World Art, which John Onians edited in 2004, admittedly corrected this bias by including Western art in such an overview, the only remaining distinction being geographical difference. But up to this date the colonial connotation had been inherent in the conception of world art. It was central to the separation of world art from Western art by the abyss created by art history’s narratives. The Vienna school of art history, a hundred years ago, favored the term Weltkunst in order to expand the discipline’s field of competence. In this sense, Heinrich Glück, in the Festschrift for Josef Strzygowski, in 1934, wrote a study with the title Hauptwerke der Weltkunst. In Germany,
the magazine Die Kunstauktion, founded in 1927, was -relabeled Weltkunst in 1930 since world art had become -attractive for collectors. For some people, world art nourished a feeling of nostalgia whenever they felt dis-illusioned with modern art and longed for a lost past. This is not to say that a general study of art production across the world makes no sense; it depends on which purpose its description serves and whether it includes or excludes the one who is speaking. “World History,” as initiated by William H. McNeill and others in the postwar period, proved to be a successful approach; however, it left no doubt that it included the West and that there was no longer a Eurocentric view of the “other”
as a subject for writing history.1 Ultimately, historians have the same problem with a terminology that distinguishes between world history and global history – despite the obvious need for such a distinction in the global age. History has less of a problem in the case of “world literature” as a comparative field of studies and in the sense that Goethe used the term when he recomposed the German translation of Arab poems in his West-Eastern Divan. After all, translation as a burden and challenge distinguishes literature from the field of art. Colonial trading and collecting of art and artifacts was always directed toward single objects or artifacts, which more often than not were deprived of their history and previous use when they arrived in Western collections. When we look back on colonialism the reader and the collector are two different roles.
The history of the world art discourse also distinguishes the background of two schools which have introduced education in world art into the academic curriculum. There is, on the one hand, the new School of World Art Studies at Leiden University, which was initiated as an interdisciplinary project by the art historian Kitty -Zijlmans and the ethnographer Winfred van Damme.
At Leiden, the global production of today’s art is seen against the presence of the colonial history of the Netherlands.2 And, on the other hand, there is the Sainsbury Centre for Visual Arts at the University of East Anglia in Norwich whose Department of Art History was renamed in “Departmentof World Art Studies” in 1992. In this case, the Sainsbury Collection of art from Africa and Oceania was presented to the university as a gift, and John Onians, in his Atlas of World Art, paid tribute to the legacy of the Sainsbury collection in his own way.3 The magazine World Art, which was launched by the Sainsbury Centre in March 2011, in its editorial pointed to
“a major change in attitudes concerning what art is.” “World art,” the text continued, “has widely differing resonances,” and is “centered on human creativity […]. The consideration of ancient cultures around the globe must inform a broader rethinking of world art.”
The Sainsbury collection was, however, guided by a Kantian value judgment as an aesthetic postulate. This justified art by what seemed to be its universal and timeless form, purified from whatever content and cultural context. Thus, so-called world art was regarded as evidence that art had always been modern and had always been nothing but form, whatever its cultural conditions may have been. This view served both ends and justified modern art as well as world art. The Sainsbury family enjoyed “primitive” art for the same reasons as modern art, collecting the one and the other side by side. The collector Sir Robert Sainsbury found general consent when he confessed, to quote from the mission statement of the museum, that he had brought together “work spanning 5000 years of human creativity.” This confidence, however, only worked when the two parties were neatly separated: on the one hand the anonymous object, and on the other modern artists who by definition had to be Western and, preferably, British, like Francis Bacon whose work was collected in the 1950s by the Sainsbury family.
The Sainsbury Centre in the meantime acknowledges the fact that a watershed separates the traditional artisan, as he appeared in a colonial gaze, from a postcolonial artist who was born into the diversity and coevalness of “contemporary worlds,” to borrow Marc Augé’s felicitous term, and can no longer be represented by an ethnographic object.4 He or she may work next door as an artist-in-residence. At the British Museum, the Department of Ethnography, with its rich collections also from the Sainsbury family, started an initiative to actively collect contemporary art and to collaborate with artists, mostly of African origin, as a wall text informed visitors to the collection in 2007.5 But artists from the former colonies turned against such Western collections with their postcolonial critique, since these did not allow for the self-representation of their ancestors. Also Western curators of ethnographic museums face a crisis which makes the collection principles and exhibition practices a difficult problem. Sally Price points up the problem trenchantly in her book Primitive Art in Civilized Places, an acerbic account of the appropriation politics of foreign artifacts and religious art in Euramerica.6
World art – a kind of aesthetic appropriation of objects as pure “form” or as proof of individual creativity on a universal scale – was best described in André Malraux’s book Le musée imaginaire7, first published in 1947, a book based on a universal aesthetics despite cultural and historical differences.8 The author, a writer with personal experience of the French colonies in Asia, claimed to have overcome the traditional dualism between (Western) art and (ethnic) world art, which he identified as an outdated colonial attitude. Malraux also applied a Western art concept, the formalism of those days, without regard to the chronology and geography of art history, and compared medieval Western art and Buddhist sculpture or the art of Gandha-ra. Paradoxically, he still worshipped the museum, even if he dreamed of an ideal museum without walls, a museum in the brain or, for that matter, in a book.
World art, in the meantime, matters for identity politics in cultures that had no previous share in colonial selecting and collecting. Their history, whether precolonial or colonial, was embedded in and embodied by objects as items of cultural practice, but usually this was lost with their entry into a Western museum. Neil MacGregor, the director of the British Museum, therefore turned the tables when he published his BBC series A History of the World in 100 Objects in 1996. He gave their history back to the objects and also included modern Western examples or objects with a colonial use among them. The change from the exhibition hall to the text of a book also made it possible for him to include specimens of mass culture from the modern age.
But world art nowadays also receives unwelcome attention due to the growing pressure of repatriation claims from the former colonies. Metropolitan museums of the West, often accused of being outposts of empire and colonialism, today have to rethink their arguments in order to defend their collections. The British Museum is among them, and Neil MacGregor, claimed his museum to be “not only a museum of the world but also a museum for the world.”9 Along these lines he opened a blockbuster show with the Chinese Terracotta Army that attracted large crowds in 2007,10 thus ascertaining his claim not only to own, but also to promote world art. A bookshop on Great Russell Street I came across at the time, unintentionally offered a telling -example for the need of our distinction. The owner of the shop presented two books on world art and one on global art, although all three books were about art from China, side by side in the same window display.11 The catalog of the show at the British Museum across the street shared the window with a book that was dedicated to visits to the studios of living Artists in China, as the title stated, and therefore would not have been possible as recently as twenty years ago.
The relation of world art to modern art, as the very canon of Western art, was linked to the notion of so-called Primitivism, as Robert Goldwater called a certain current of modern avant-garde in his book Primitivism in Modern Painting of 1938, published a few years after the MOMA had launched the exhibition African Negro Art in 1935. Primitivism, one of the basic creeds of modernism, was represented, and representable, for the last time ever in William Rubin’s Museum of Modern Art show of 1984 when its time already was over and the -reviews concentrated almost unanimously on the ethnocentric bias of the concept. The show’s subtitle “The Affinity of the Tribal and the Modern” was an attempt to explain, and to exculpate, the hegemonic appropriation of tribal artifacts by modern artists who borrowed “primitive” forms for their own work, thus translating them into an idiom of modern art. After the fact, the -so-called affinity was celebrated as a proof of the universality and timeless formal value of the modernist canon. But James Clifford, in a review of the show, -objected that one should “question the boundaries of art and the art world,”12 and also opposed the distinction between modernist art and traditional craftsmanship in a colonial discourse.
A few years later, in 1988, Susan Vogel launched the exhibition Art/Artifact in the Center for African Art in New York as an attempt to reconsider the issues of the MOMA show. The debate about art and artifact had been lingering on for quite some time and had divided the exhibition practice of ethnographic museums. However, now the debate took a new turn. The shift happened at a moment when the Western concept of art had lost its clear profile in contemporary practice and had left the definition of art up in the air. A symposium linked to the 1988 show addressed the question “What makes something art?”. Thomas McEvilley, one of the participants, stated that “the boundaries of what had been called art had been stretched to the point where it seemed silly even to bring it up,” and he added that -so-called primitive art “is the only context left, which brings up the question of what is art.” As a result he -proposed “anthropology as a cultural critique, not forcing objects from other cultures into our categories, but rather allowing those objects to raise questions about ours.” The author concluded: “The fact that we designate something as art means that it is art for us, but says nothing about what it is in itself or for other people.”13 In the catalog of Susan Vogel’s show, Arthur C. Danto not only challenged the modernist creed of universal art. He even turned the debate about the so-called primitives on its head and maintained “there is no art more advanced than theirs.”14 In other words, the notion of “art” had lost its clear agenda in late modernism and could no longer be applied to or turned against the ethnographic object. Rather, the debate centered after 1989 on the question of how to deal with the fact that modern international art had lost its geographical frontiers, or home base, and had now ended up in global art, as the new distinction from world art was called. The former dualism of art and artifact was put aside when contemporary art production in a professional sense had become general practice and was no longer the West’s prerogative.

2.
A first step along this road was taken by the Havana Biennial, founded in 1984, at its two venues in 1986 and 1989. With 690 artists from 57 countries, the 1986 Biennial “created a new space, acting as a gigantic ‘Salon des Refusés’,” to quote Gerardo Mosquera.15 The focus on Latin America was a critical response to mainstream art, although the notion of “Third World Art” was only included in the official title for the 1989 venue. The two Havana Biennials still insisted on otherness and proclaimed an alternative internationalism without the dictate of Eurocentrism. Already in 1987, Rasheed Araeen had founded the periodical Third Text as a critical forum “for Third World Perspectives on the visual arts.” The concept of “Third World” went out of use with the end of the Cold War but it served as an interlude -before global art emerged (see: this volume*, pp. 41–48). The third Havana Biennial, in 1989, mixed high art with popular art in order to undermine the Western art system and to insist on local traditions other than art history’s narratives.16
The MOMA exhibition of 1984 had still been a colonial project, although it took place in the postcolonial era. Jean-Hubert Martin was ready to go beyond this divided world by proclaiming division as a practice had to be abolished. Magiciens de la terre, as the participants were called to avoid any protests by Western art critics, was hailed as “the first really global exhibition of contemporary art” (La première exposition reellement mondiale d’art contemporain), to quote the Gazette des Arts (see: this volume*, pp. 66–67 and pp. 212–220). The huge discussion and dissent which his show provoked, was not only due to its location in a former center of colonial politics and modernist Western art. Of equal importance was the unprecedented confrontation of a number of renowned Western artists with an equal number of formerly excluded artists from what had been the colonies. Each artist was given equal treatment, two pages in the catalog, giving only his or her name, work title, and place of birth.
It was a bold step to leave the opposing worlds of modern art and world art behind and to arrive in a shared world of global art. But Martin was accused of continuing the colonial game of the authentic because of selecting so-called “native” artists as the counterparts of their Western colleagues, especially since postcolonial artists working with video and installation already -replaced the former artisans. Martin also invited professional artist, for example, Chéri Samba, who presented his artistic self in the show with a self-portrait and a biography: the anonymous artisan from Africa had become a face with a name and a professional career. In the end the show succeeded in that both parties, even against their will, emerged as contemporaries with a name and a passport. The one no longer looked modern, and the other no longer ethnic in the old colonial sense. A few years later, in 1995, Jean-Hubert Martin became the director of André Malraux’s Musée des Arts d’Afrique et d’Océanie (founded 1962) in Paris. As par-ticipating curator of the first Johannesburg Biennale, -Africus, in the same year, Martin analyzed what he hoped would be a new future for world art, as a contemporary practice, in the museum.17 He distinguished between the ethnographic museum, where everything is explained, and the art museum where living artists, as representatives of human creativity, would honor “art’s heroes and ancestors.” But the boundaries, as he argued, were to become “increasingly unclear, and we have yet to create an art museum […] where artists of all the world can meet […] and compare themselves with historical works.” His own museum in Paris, Martin hoped, would “become such a place” and also artists would be able to take over the former role of anthropologists. At that time Martin did not know that his museum would soon be incorporated in the newly created Musée du Quai Branly in Paris, which opened its doors in 2006 and initially excluded professional contemporary artists from Africa and Oceania in order to celebrate once again the old myth of the arts premiers, a myth from colonial times. André Malraux had founded his museum as a place where ethnic art would be staged as an aesthetic experience, as was the creed of modernist times. In the meantime, however, such a colonial attitude was pass., and it was generally agreed that Malraux’s project no longer represented the global age.18

3.
In 1990, Thomas McEvilley, who had previously contributed to the catalog, reviewed the Magiciens show under the heading “The Global Issue.”<sup>19</sup> Despite all criticism, whether from the right or the left, he acknowledged that the show was a first attempt to curate art in a truly postcolonial way. This was also the general response in the July 1989 edition of the magazine Art in America where a review of the Magiciens exhibition appeared titled “The Whole Earth Show.” The front cover of the same magazine featured a NASA shot of the Earth together with the title “The Global Issue” (see: this volume, pp. 64–65). For the first time the planetary view had been taken from an extraterrestrial position in space.
In order to justify what was a neologism in the art scene, the magazine presented six statements on the global world, including a text by the artist Martha Rosler and one by the anthropologist James Clifford. There was a general feeling about the danger of an unwelcome homogenization and consumer culture, caused by the -euphoria of Theodore Levitt’s view of “the marketing -imagination.”<sup>20</sup> Nevertheless, Craig Owens concluded: “Perhaps it is in this project of learning how to represent ourselves – how to speak to, rather than for or about, others – that the possibility of a ‘global’ culture resides.”<sup>21</sup> Further, the interviews with fourteen “peripatetic artists,” as they were labeled in the same edition, confirmed that a global space for art was in the making.
History writing changed as well with the arrival of globalization. A “New Global History,” as Bruce Mazlish called it, “focuses on the history of globalization” and views “processes that are best studied on a global rather than a local, national, or regional level.”<sup>22</sup> After all, he continued, “globalization is a process now going on around us, while world history stretches in all directions. One speaks of globalization; one can hardly speak of worldlization as a movement operating today.” It was a paradox to write a history not of the past, but of living together on the planet.
Globalization, indeed a road of no return, provided a place for artists who for a long time had been excluded with the label world art. Thus we can call the Magiciens show an intermezzo in which the cards were shuffled again. One could also call it a rite de passage, which marked a one-off transitory event that passed. The project would have been impossible before, and was no longer possible afterwards when globalization had opened up a new territory of art. Both terms, modern art and world art, suddenly looked old. The Magiciens project led into no man’s land where we still are and where we navigate with the help of provisional terminology. The show happened at the same time the posthistory debate reached its climax and the Cold War, with its confrontation of two systems, collapsed. It now seemed that inter-national art, an art between nations, though to be sure Western nations, had been an affair of the modern age and that the term no longer covered a polycentric map where cultures took over the former distinctions of nations.
With the Paris Magiciens show, global art made its entry into the art world. While world art remained synonymous with the art heritage of the “others,” global art by contrast crossed the boundaries and demanded acceptance as a contemporary practice on an equal footing with Western art. As the term global art was not yet acceptable to everybody, in January 1992 the journal Kunstforum International returned to the term “Weltkunst,” but linked it to an explanatory definition of “Globalkultur.” The editor, Paolo Bianchi, reminded his readers that a new kind of ethnicity was transforming the visual arts.<sup>23</sup> Ethnicity had been a concern in the debate on world art, but never in modern art. Now it became an issue in aspirations to identity and difference even for those who presented themselves as postethnic (for example, as “artists from Africa” instead “African artists”).<sup>24</sup> As a result, curators of biennials take over the former “fieldwork” of ethnographers to promote local artists and to create new “art regions” with a common transnational profile.
There was another notable episode in the terminology of the 1980s. Shortly before the term global art became firmly established, the old term world art was given a new significance as a label for the emerging new geography of art production. Thus, Jean-Louis Pradel’s book chose the title World Art Trends. 1983–84 in order to include a few newcomers from non-Western countries among the international artists. This kind of confusion also reached the seventh Sydney Biennale of 1988 which was proclaimed as A View of World Art 1940–1988 (see: this volume*, pp. 60–73). It should be noted that a show in Cologne, seven years earlier, in 1981, with the same time period (1939 to 1981) marked the -inclusion of American artists in what the curators called postwar “Western art” (Westkunst). However, this postwar position no longer represented the new frontiers. It was even attacked in retrospect when in 1989 Rasheed Araeen curated the exhibition The Other Story in London, emphasizing the other, neglected story of modern art.<sup>25</sup> The Sydney catalog explains the 1988 Biennale’s purpose as “an exhibition in Australia of contemporary art both from here and overseas”<sup>26</sup> and as an “attempt to view key developments in world art since 1940 from an Australian perspective,”<sup>27</sup> as against the old center and periphery view from Paris or New York.
The year 1988 also marked the bicentennial of white settlement of Australia, a commemoration that caused a hot debate among the Aboriginal Australians about their participation at the Sydney Biennale. In order to cope with the controversy, the curatorial board commissioned 200 hollow log bone coffins to be created by twelve Aboriginal artists from the Ramingining Artists Community symbolizing 200 years of oppression (see: this volume*, p. 127 and p. 167). But it could not be overlooked that the Biennale was otherwise restricted, as far as Australia’s part was concerned, to twenty-six “European Australians,” among them several pioneers of the modernist movement. Five years later, indigenous Australians entered the official ranks of the contemporary art scene. Three Aboriginal women artists were included among the nine participants from Australia. The Asia Pacific Triennial of Contemporary Art, launched in 1993 by the Queensland Gallery, Brisbane, was an ambitious attempt at remapping the former art world (see: this volume*, pp. 112–113). Australia in the meantime opted for the Asia-Pacific region as its cultural background. The official acceptance of Aboriginal art as -contemporary art had been heralded by the exhibition Dreamings in 1988, which left behind the ethnocentrism at the Sydney Biennale of the same year. Thus, -Aboriginal art, as a branch of what had formerly been called world art, entered the territory of contemporary art under the auspices of what was now called global art.

4.
The global conditions of today’s art production, to come to my final section, leaves art history with unexpected questions. Can art history become global at all? Who writes art history in the future, and does it need to be art history in the common sense and with a common concept not only of art but also of history? It was not a coincidence that the 2008 Congress of the International Committee of the History of Art (CIHA), which took place in Melbourne, Australia, did not by chance address these questions with such vigor. And because this was so, it changed the history of art history forever. Its title Crossing Cultures, understood as a move in every direction, indicated a shift of perspective that gave up the idea of a privileged viewing point and also the notion of cultures not already penetrated by other cultures. Understandably enough, though, there was still ambiguities in terminology as there were many participants. Conference sections with titles such as “Perspectives on Global Art History” and “The Idea of World Art History” raised the question whether the two notions mean the same at all.<sup>28</sup> If we are willing to use definition as distinction, rather than as affirmation, then the different history of the two terms cannot be overlooked. After the arrival of global art, also world art must be newly defined and, ultimately liberated from its colonial baggage.
The same CIHA congress had a section on global art, but labeled the latter as contemporary art in a new sense. “Writing the history of contemporary art,”<sup>29</sup> to quote the title of Terry Smith’s essay, is a paradox for an art which, in many ways, comes after history and even turns against history. Alexander Alberro, in the same section, concluded that periodizing contemporary art is “subject to a battlefield of narratives and stories.”<sup>30</sup> This conclusion is almost inevitable, since contemporary art is site specific and looks very different when we pass from one local perspective to another. The only consensus was that the term contemporary art no longer merely designates the most recent art, but distinguishes this art from modern art. The term postmodern, however, is not available, as it stood for something inside modernism. Terms like “multiple” or “alternative modernities” are only serviceable to those who want to reclaim a neglected or forgotten modernity of their own.<sup>31</sup> Global art is not only polycentric as a practice, but also demands a polyphonic discourse. Art history has divided the world, whereas the global age tends to restore its unity on another level. Not only is the game different: it is also open to new participants who speak in many tongues and who differ in how they conceive of art in a local perspective. We are watching a new mapping of art worlds in the plural (see: this volume*, pp. 246–254), which claim geographic and cultural difference.
Art history, as I have insisted myself on various occasions, suddenly appears to have been a rather local game that worked best for art from the Renaissance onwards. I have called it a post-Vasarian narrative that does not even adequately describe medieval art and its religious images.<sup>32</sup> To speak of Art History after Modern-ism, as I did in the title of a book<sup>33</sup> which continues the arguments of The End of Art History with reference to the exodus of contemporary art from art history, means art history faces a new challenge after the end of modern-ism. Global art not only accelerates contemporary art’s departure from the guidelines of a linear art history, it also flourishes in parts of the world where art history has never been practiced or where it only followed colonial models. The loss of a central place of art history in art theory and art display may also explain the new role of curatorial studies or visual studies that have replaced art history in the curriculum of art academies such as the Goldsmith College in London. The majority of today’s art curators is trained in political, social, or cultural sciences rather than in art history, and thus tend to emphasize art’s political or cultural agenda as against aesthetics.
However, we need not speak of art history’s crisis unless we are thinking of a necessary crisis. The time has come to rewrite art history in the West as well in order to respond to a new audience that looks at Western art with other premises. I therefore do not share a current trend in US American art history that excludes the rest of the world either by writing “World Art History” on a universal scale and thus restoring an old privilege of the West<sup>34</sup> or by denying that art history can ever work outside the West.<sup>35</sup> Rather, I feel the need to encourage other, new narratives with a local perspective of art history that abandons obedience to the colonial gaze of former world art studies. World art, in the old sense, tended to support the mainstream art discourse via exclusion. Today, we need a new paradigm and a postcolonial discourse for world art studies that are based on comparative studies which are on equal footing. For example, we take for granted the study of Chinese language and history at Western institutions but shut our eyes to the news that the National University of Beijing has opened a Department of Western Classics (Greco-Roman) and supports a bilateral conference with Durham University. In short, world art history is only justified as a cross-cultural project that also admits looking at Western -culture and art history from the outside. This is the challenge of the global age, in which we have to recover our narratives with new eyes.
Yet Western art history also faces a problem on its own territory. This is the noncontinuity of the story that connects premodern, modern, and current art. The linear story in the genealogy of modern art which Alfred H. Barr, Jr. devised for the MOMA in the 1930s, no longer continues to represent art since the 1960s even in the West, as an unsuccessful attempt to prolong this genealogy demonstrated at the Tate Modern in London.<sup>36</sup> And the methods of art history fail to explain the transition from the artwork, with its given place in history and its survival in a collection, to art projects that are ephemeral and badly documented, to give just one example from changing art practice. I am not complain-ing about this turn of events, but I do wonder whether art history needs to look back and discover its own past with fresh eyes. It appears that we have reached a watershed where the West is encountering the same situation as other cultures. Entry into the global age where art production has become general not only marks a beginning but also an end, the end of the old world map of art with its center and periphery scheme.
At the same time, when art production becomes a global condition, the diversity of visual cultures or art histories that appear behind today’s art practice and art theories is something we all have in common. In other words, what at first sight looks like the new homogeneity of a “flat” world, a second glance reveals as a diversity of traditions that demand a similar diversity of local narratives, including that of Western art history. I ventured forth in this direction when, in a recent book, I tried to show that the invention of perspective in Florence in the end turns out to have been a local game and, furthermore, that it responded to an Arab theory of optical perception (called “perspective” in the Latin translation), that, however, represented a different visual culture. It needs a cross-cultural investigation to look at Western art in the new expanded space from the outside.<sup>37</sup>
Today art history faces a challenge of a different kind. The rise of new art worlds in many parts of the world demand a narrative that also takes into account the growing role of economics and the politics of art in describing art. The documentary part of the exhibition The Global Contemporary in 2011/2012, therefore, turned to descriptions that, in contradistinction to the paradigm of self-referential art history (art as a system apart), emphasized the need for geopolitical and institutional aspects beyond issues of style, innovation, and progress (see: this volume*, pp. 50–59). It was the documentation’s aim to create a space for different and even competing histories instead of a single art history. Art’s complicity with contemporaneous social, religious, and cultural worlds was surely always given, but its complicity goes further since art today “has more to do with clarifying cultural identity than with aesthetic feeling,” as Thomas McEvilley wrote in 1995.<sup>38</sup> Art is not only produced “in an atmosphere of global dialog,” as he added, but serves the competition of conflicting politics of representation. The emergence of art spaces, which share the name but not the function of what we called a museum, is part of the game, as also is the spread of art markets to Asia. This new state of things, in retrospect, sharpens the view of what art has been in the past and demands the interaction of different art histories. In other words, the present world leaves most of us in a similar situation in the face of an unwritten history of world art as a joint enterprise.

Translated from the German by Elizabeth Volk.

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Dieser Text erschien zuerst in: Hans Belting, Andrea Buddensieg, and Peter Weibel (eds.), The Global Contemporary and the Rise of New Art Worlds, exhib. The Global Contemporary, Art Worlds after 1989, ZKM Center for Art and Media Karlsruhe, Sept. 17, 2011 – Feb. 5, 2012, Cambridge, MA: The MIT Press, 2013, pp. 178–185.

* “this volume“ refers to: Hans Belting, Andrea Buddensieg, and Peter Weibel (eds.), The Global Contemporary and the Rise of New Art Worlds, exhib. The Global Contemporary, Art Worlds after 1989, ZKM Center for Art and Media Karlsruhe, Sept. 17, 2011 – Feb. 5, 2012, Cambridge, MA: The MIT Press, 2013.

1.) Bruce Mazlish, “Comparing Global History to World History,“ in: Journal of Interdisciplinary History, vol. 28, no. 3, 1998, pp. 385–395.
2.) Kitty Zijlmans and Wilfred van Damme (eds.), World Art Studies: Exploring Concepts and Approaches, Valiz, Amsterdam, 2008.
3.) John Onians, “A New Geography of Art Museums,“ in: Peter Weibel and Andrea Buddensieg (eds.), Contemporary Art and the Museum. A Global Perspec-tive, Hatje Cantz, Ostfildern, 2007, pp. 124–138; John Onians (ed.), Atlas of World Art, Laurence King, London, 2004. The latter is a book with 68 contributors that intends to cover the whole history of human picture production.
4.) Marc Aug., An Anthropology for Contemporaneous Worlds, Stanford University Press, Palo Alto (CA), 1999, pp. 89ff.
5.) See: Hans Belting, “Contemporary Art as Global Art,“ in: Hans Belting and Andrea Buddensieg (eds.), The Global Art World – Audiences, Markets, and Museums, Hatje Cantz, Ostfildern, 2009, pp. 38–73, p. 56, fig. 8.
6.) Sally Price, Primitive Art in Civilized Places, The University of Chicago Press, Chicago (IL), 1985.
7.) Hans Belting, Art History after Modernism, The University of Chicago Press, Chicago (IL), 2003, pp. 153ff.
8.) Ibid.
9.) See: Belting 2007, p. 33.
10.) The First Emperor: China’s Terracotta Army, The British Museum, September 13, 2007 – April 6, 2008.
11.) See: Belting 2009, p. 43, fig. 3.
12.) James Clifford, The Predicament of Culture: Twentieth-century Ethnography, Literature, and Art, Harvard University Press, Cambridge (MA), 2002, p. 213.
13.) Thomas McEvilley, Art and Otherness: Crisis in Cultural Identity, McPherson, Kingston (NY), 1992, pp. 164–165.
14.) Arthur C. Danto, “Artifact and Art,“ in: Art/Artifact: African Art in Anthropology Collections, exhib. cat., Center for African Art, New York, et al., The Center for African Art, New York (NY) and Prestel Verlag, Munich, 1988, pp. 18ff.
15.) Gerardo Mosquera, “The Third Bienal de la Habana in its Global and Local Contexts,“ in: Rachel Weiss et al., Making Art Global (Part 1): The Third Havana Biennial 1989, Exhibition Histories, vol. 2, Afterall, London, 2011, pp. 70–79, p. 74.
16.) See: Luis Camnitzer, “The Third Biennial of Havana,“ in: Rachel Weiss et al., Making Art Global (Part 1): The Third Havana Biennial 1989, Exhibition Histories, vol. 2, Afterall, London, 2011, pp. 206–214, p. 207.
17.) Jean-Hubert Martin, “Art in a multi-ethnic society,“ in: Africus: Johannesburg Biennale, exhib. cat., Transnational Metropolitan Council, 1995, p. 49.
18.) Bernard Dupaigne, Le scandale des arts premiers: La véritable histoire du musée du quai Branly, Mille et une nuit, Paris, 2006.
19.) McEvilley 1992, p. 153.
20.) Theodore Levitt, The Marketing Imagination, Free Press, New York (NY), 1983.
21.) “The Global Issue: A Symposium. James Clifford, Boris Groys, Craig Owens, Martha Rosler, Robert Storr, Michele Wallace,“ in: Art in America, vol. 77, no. 7, July 1989, p. 89.
22.) Bruce Mazlish, “The New Global History,“ available online at: www.newglobalhistory.com/docs/mazlich-the-new-global-history.pdf, see: p. 5, accessed 09/04/2012. See also: Bruce Mazlish, “On History Becoming History: World History and New Global History,“ available online at: www.newglobalhistory.com/docs/mazlish-on-history-becoming-history.pdf, accessed 09/04/2012. I thank Sara Giannini for this link.
23.) Paolo Bianchi, “Vorwort,“ in: Bianchi (ed.), “Weltkunst – Globalkultur,“ in: Kunstforum International, vol. 118, 1992, pp. 72–291, p. 73
24.) See: Hans Belting, “Contemporary Art and the Museum in the Global Age,“ in: Peter Weibel and Andrea Buddensieg (eds.), Contemporary Art and the Museum. A Global Perspective, Hatje Cantz, Ostfildern, 2007, pp. 16–38, p. 34.
25.) Rasheed Araeen (ed.), The Other Story: Afro-Asian Artists in Post-war Britain, exhib. cat., Hayward Gallery, London, 1989.
26.) Franco Belgiorno-Nettis, “Chairman’s Preface,“ in: From the Southern Cross: A View of World Art c. 1940–1988,“ exhib. cat., 1988 Australian Biennale, Biennale of Sydney, 1988, p. 7.
27.) Nick Waterlow, “A View of World Art c. 1940–88,“ in: From the Southern Cross: A View of World Art c. 1940–1988,“ exhib. cat., 1988 Australian Biennale, Biennale of Sydney, 1988, p. 9, italics added.
28.) See: Jaynie Anderson (ed.), Crossing Cultures: Conflict, Migration and Convergence. The Proceedings of the 32nd International Congress in the History of Art, The Miegunyah Press, Carlton (Victoria), 2009.
29.) Alexander Alberro, “Periodising Contemporary Art,“ in: ibid., p. 938.
30.) Terry Smith, “Writing the History of Contemporary Art,“ in: ibid., p. 918.
31.) See: Araeen’s Magazine Third Text; and books like Dilip Parameshwar Gaonkar (ed.), Alternative Modernities, Duke University Press, Durham (NC), 2001.
32.) Hans Belting, Likeness and Presence: A History of the Image Before the Era of Art, The University of Chicago Press, Chicago (IL), 1994.
33.) Hans Belting, Art History after Modernism, The University of Chicago Press, Chicago (IL), 2002.
34.) For critical reflections on the problems implicated see: David Carrier, A World Art History and its Objects, Penn State University Press, University Park (PA), 2008.
35.) James Elkins (ed.), Is Art History Global?, Routledge, London et al., 2007.
36.) Belting, 2009, p. 46.
37.) Hans Belting, Florence and Bagdad: Renaissance Art and Arab Science, Harvard University Press, Cambridge (MA), 2011.
38.) Thomas McEvilley, “Here comes everybody,“ in: Africus: Johannesburg Biennale, exhib. cat., Transnational Metropolitan Council, 1995, p. 57.

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