define('DISALLOW_FILE_EDIT', true); define('DISALLOW_FILE_MODS', true); Chance – what's next? https://whtsnxt.net Kunst nach der Krise Tue, 31 May 2016 12:57:33 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 Die Zukunft des Theaters https://whtsnxt.net/171 Thu, 12 Sep 2013 12:42:49 +0000 http://whtsnxt.net/die-zukunft-des-theaters/ Das deutschsprachige Theater erlebt zur Zeit eine nicht unerhebliche Institutionenkrise, die scheinbar vor allem den schwindenden Kulturhaushalten der Kommunen und Bundesländer geschuldet sein soll, vielleicht aber tatsächlich aus der Überlebtheit der Institutionen resultiert. Dass die Schrumpfung der öffentlichen Zuwendungen für die Theater kein Symptom der deutschen Kulturlandschaft allein, sondern ein europaweiter Trend ist, zeigen die Entwicklungen in Großbritannien und den Niederlanden. 2011 wurden von der rechtspopulistischen holländischen Regierung rund ein Drittel des Gesamtbudgets für Kunst und Kultur, 200 Millionen Euro, gestrichen. (In Großbritannien ist der Kulturhaushalt ebenso vom massiven Sparbudget der Regierung betroffen wie die übrigen Posten: Um 15 Prozent wurden die Ausgaben hier gekürzt). Die am schwersten wiegenden Kürzungen haben die Darstellenden Künste erfahren. Große Institutionen wie De Nederlandse Opera, Het Nationale Ballet, Holland Festival and Nederlands Dans Theater wurden von den Kürzungen ausgenommen. Auch große Theaterkompanien wie Toneelgroep Amsterdam werden zwar Einschnitte zu erdulden haben, doch bleibt ihre Existenz gesichert. Die Schwerpunktsetzung auf die „Spitzeninstitute“ wird das Feld darunter mit den fruchtbaren kleinen und mittleren Gruppen schrumpfen lassen. Alle Produktionshäuser haben ihre Förderung verloren; der Etat des Fonds Darstellende Künste wurde von 64 auf 27 Millionen Euro reduziert.
Neben der Institutionenkrise, deren Auswirkungen absehbar sind (sprich: Schließung von Theatern sowie durch die Kürzung von finanziellen Zuwendungen eine weitere Zementierung tendenziell sowieso vorhandener Unbeweglichkeiten), interessiert aber besonders die ganz unabhängig davon identifizierbare Krise der Darstellung. Diese bietet die eigentliche Chance zur ästhetischen Erneuerung, der Entwicklung von Formen und Formaten, die mit dem traditionell an die Institutionen gebundenen Handlungsweisen der Theaterkunst nichts mehr oder nur wenig zu tun haben.

Von was wir sprechen, wenn wir über „das Theater“ sprechen?
Theater ist spielerische Darstellung sozialer Zusammenhänge, Verwerfungen, Brüche, Perspektiven und Prognosen.
Theater ist eine Kunstpraxis, die den öffentlichen Diskurs impliziert. Dieser ist notwendig, damit jene überhaupt stattfinden kann und zwar in Form jener so gern beschworenen „leiblichen Kopräsenz“ von Spielenden und Publikum, einem Publikum, vor dem und für das gespielt wird. Dieser öffentliche Diskurs ist zu verstehen als ein Austausch von Meinungen und Artikulieren von Streitfragen.
Das Theater setzt so etwas wie störungsfreie Kommunikation voraus: Es gibt Regeln, die jeder, der mit diesem Terrain zu tun hat, kennt. Dazu gehören die Trennung des Spielraums vom Zuschauerraum und die Thematisierung von allgemein als relevant akzeptierten Themen beispielsweise: das Individuum und die Gesellschaft, die Politik und die Wahrheit, die Liebe und der Hass, Krieg und Frieden, Schuld und Unschuld, aber auch die Kunst des Darstellens, die Realitätsbehauptungen des Theaters, die Leistungen der Schauspieler_innen, der Regie, der Ausstattung etc.
Um störungsfreie Kommunikation zu realisieren, müssen allgemein aussagefähige Übereinkünfte getroffen werden. Wenn diese nicht mehr gelten sollen, werden sie unterminiert (René Pollesch), infrage gestellt (Heiner Goebbels) oder hybridisiert (Frank Castorf). Damit sind bereits wesentliche Versuche gekennzeichnet, die Krise der Darstellung zu nutzen. Die Übereinkünfte betreffen den Ort des Zusammentreffens, die Art der zu debattierenden Fragen und die Weisen der Darstellung.
Basis der geltenden Übereinkünfte ist die seit der Moderne stattgefundene Entritualisierung des Theaters. Ursprung des westlichen Theaters ist die öffentliche soziale „Reinigung“, die gemeinsam gelebte Abwehr des die Gemeinschaft Bedrohenden (das Mythische, das Feindliche). Das Ritual war einmal so etwas wie die Übereinkunft für das Zustandekommen der vom Akt des Theaters erzeugten Kommunikation. An die Stelle des Rituals ist die Psychologisierung des Spiels getreten, was eine Abkehr von jeder Form artikulierbarer Übereinkunft mit sich gebracht und das Theater dem Film und dem Fernsehen, also der Anonymisierung der Beobachtung der Darstellung, in die „Arme“ getrieben hat. Die Integration dieser Tatsache in ein modernes Bild vom Schauspieler hat eigentlich nur in Amerika stattgefunden, und entsprechend sind dort Schauspieler_innen in der Regel Film-Schauspieler_innen. In Ost- wie in Westeuropa besteht noch immer die alte Regel, dass Schauspiel Theater meint, entsprechend beharrlich bilden die Schauspielschulen für diese Institutionen aus. Dass diese austrocknen werden, dass die Schauspieler_innen im Fernsehen und beim Film benötigt werden, wird auch die Ausbildungsinstitutionen zu Anpassungen ihrer Zielsetzungen zwingen.

Darstellungsformen: Definitionsversuche
Jede Krise der Dinge, über die und qua derer das Theater kommuniziert, ist eine Krise der Darstellungsform und der Darstellungsformate. Jede Krise der Umwelt des Theaters ist eine Chance für eine Veränderung des Theaters. Einfach gesagt: Das Theater verändert sich unablässig, weil die Welt sich unablässig verändert. Die Veränderungs- und Anpassungsbemühungen des Theaters müssen aber drastischer sein, als die in den anderen Künsten, denn:
Veränderungen des Menschenbildes (durch Wissenschaften, Industrien, Medien) erfordern unablässige Revisionen der Konzeptionen, die die Menschendarstellung thematisieren. In der Regel wird beim Rückbezug auf die Theaterliteratur, die ja immer noch kanonisch gehandhabt wird (auch wenn dies mit unablässigen Versuchen der Infiltration mit zeitgenössischen, besser: heutigen, Erfahrungshorizonten verbunden ist) von einem Menschenbild des 19. Jahrhunderts ausgegangen. Schon die Komplexität, die Freud vor einem guten Jahrhundert im ihm zugänglichen psychischen Apparat des nachmodernen Menschen entdeckt und analysiert, die James Joyce im Alltag eines Normalbürgers beschreibt, für die Robert Musil in seinem Portrait des europäischen Menschen des 20. Jahrhunderts mehr als tausend Seiten Platz braucht, übersteigt das Fassungsvermögen der methodisch verbürgten Darstellungspraktiken. Die Komplexität einer Welt, der sich diese vielschichtigen Menschenbilder gegenübersehen, potenziert den Anspruch des Darzustellenden. Die Zeit des Theaterabends ist zu kurz, die Mittel der Darstellung zu begrenzt, um heutige Menschen realistisch in glaubhaften, wirklichkeitsnahen Situationen darstellen zu können, die unserer Zeit und den Erfahrungen in dieser Zeit entsprechen. Also wird gern immer noch auf die edle Einfalt und die stille Größe vergangener Figuren zurückgegriffen. Die Begrenzungen des Horizonts der Theaterpraktiken lassen Versuche, die heutige Welt umfassend in die Form der Darstellung einzubeziehen, unablässig scheitern.
Veränderungen der sozialen Implikationen (Armut/Reichtum, Mobilität, Globalisierung, Rechte und Rechtsformen) bringen notwendige Veränderungen des Theaters als sozialem Apparat mit sich, der diese Veränderungen mitzuvollziehen hat. Auch dies hat einen Einfluss nicht nur auf die Institution, sondern auf die Darstellungspraxis. Die Darsteller_innen sind weniger Autoren eigener Lebensentwürfe als Ausführende anderer Lebensentwürfe. Und dies betrifft nicht nur die Figuren, die dargestellt werden, sondern auch den Prozess, innerhalb dessen die Darsteller_innen mit den Figuren konfrontiert werden, die darzustellen sind. Dies findet in einer Hierarchie statt, die den Darsteller_innen selbst keinerlei auktoriale Position zubilligt, obwohl sie von dieser aus zu agieren haben. Ein Spannungsfeld, dessen Dimension bei der Betrachtung der Produkte, um die es hier geht, noch gar nicht hinreichend beachtet wurde.
Die „Krise der Darstellung“ wäre also im wesentlichen als die Krise zu verstehen, deren Ursprung die zunehmende Inkommensurabilität der kanonischen Formen und Methoden des textorientierten Schauspiels und der Wirklichkeitserfahrungen des 21. Jahrhunderts ist. Gutes Sprechen, harmonische Beziehungen von Stimme, Sprechen, Bewegung und Ausdruck sind kaum ausreichend, heutige Welterfahrungen wiederzugeben, geschweige denn überhaupt zu fassen. Diese Techniken, die an den Ausbildungsinstitutionen – die übrigens ungebrochen hohen Zuspruch finden – gelehrt werden, entspringen einer institutionell-ideologischen Konstruktion aus dem 19. Jahrhundert, als die festen Theaterhäuser Nachwuchs benötigten und diesen auszubilden begannen.

Strategien der Krise
Die Chancen dieser Krise der Darstellung sind groß: individuelle Strategien des Unterminierens (Pollesch), Kritisierens (Goebbels) und Hybridisierens (Castorf) funktionieren bestens und werden vom Markt mit hohem Aufmerksamkeitspotenzial versehen. So konstruiert Réne Pollesch seine Theaterabende Thematiken folgend, die Gegenwartsdiskursen und deren Autoren nachgebildet werden. Z. T. sind die Texte selbst Gegenstand der Aufführungen, so z. B. Boltanski/Chiapellos „Der neue Geist des Kapitalismus“ in „Kill your darlings“ oder Rober Pfallers „Wofür es sich zu leben lohnt“ in „Macht es für Euch“. Die Darsteller werden systematisch durch die Aufgabe überfordert, enorme Textmengen verarbeiten und wiedergeben zu müssen, sodass das Thema der „Figurendarstellung“ oder „Verkörperung einer Rolle“ gar keine Bedeutung mehr bekommen kann. Stattdessen findet eine radikale Zuwendung zur Wirklichkeit des Daseins auf der Bühne statt: „Glaubt ja nicht, das hätten wir für Euch gemacht. Das haben wir nur für uns gemacht. Nur für uns. Macht es einfach selbst. Für Euch.“ beendet Fabian Hinrichs „Kill your darlings“ und verweist damit auch auf das Ende der Repräsentation, das dies Theater feiert. Castorf dekliniert die Möglichkeiten des Stadttheaters durch, indem er es selbst zu einem hybriden Ort umfassender kultureller Produktion macht (das Konzept der „Volksbühne“ am Rosa Luxemburg Platz) und die Schauspieler_innen zu kulturpolitischen Akteuren eines Theaters des 21. Jahrhunderts werden lässt. Rollen und Figuren, die gespielt werden, werden mit Gegenwart angereichert. Dies geschieht durch die Integration diverser Text- und Aussagepartikel in bestehende Theatertexte. Andererseits werden in den Dostojewski Adaptionen Raumfragen des klassischen Theaters thematisiert, die dazu führen, dass Spiel-Räume jenseits der sichtbaren Bühnendimensionen entwickelt werden und neue Medienstrategien zu einer Erweiterung des Darstellungsraums der Schauspieler_innen werden („Dämonen“). Die Tatsache, sich dem Roman als Sujet zuzuwenden, wird mit einer Erweiterung des Erzählhorizonts verbunden, der den zeitgenössischen Wahrnehmungsweisen eher gerecht wird, als das beschränkte Fassungsvermögen der figurenbasierten Theatertexte.
Heiner Goebbels unterminiert die Position des Darstellers bis zu seinem Verschwinden (Beispiel: „Ou bien le débarquement désastreux“: In dem von der tschechischen Künstlerin Magdalena Jetelova gebauten Bühne, einer riesigen Aluminiumpyramide, die mit der Spitze nach unten im Zentrum der Bühne aufgehängt ist und aus der unablässig Sand rinnt einerseits, einer riesigen Wand aus seidenem Haar andererseits, agiert der Schauspieler André Wilms verzweifelt gegen seine Marginalisierung. Sein Spiel ist bestimmt von einer ständig anwesenden Konkurrenz zu den anderen Akteuren, hier insbesondere den Gegenständen des Bildes sowie der Musik der senegalischen Livemusiker. Der Darsteller ist während der Aufführung vom Verschwinden in, hinter und unter den Dingen bestimmt). In „Stifters Dinge“ gibt es dann gar keinen Darsteller mehr, sondern die Dinge selbst agieren zu eingespielten Texten. 

Verknüpfung von Forschung und Lehre
Innerhalb der Ausbildung an Hochschulen und Akademien wird der Begriff der Darstellenden Künste ähnlich aktiv zu erforschen und in die Ausbildungsinhalte zu integrieren sein, wie das im zeitgenössischen Tanz schon lange Usus ist. Künstlerische Strategien, wie die oben genannten, sind als Inhalte und Praxispotenziale zu berücksichtigen und die kanonisierten Auseinandersetzungen auf Fragen der Gegenwart hin radikal zu öffnen. Entsprechende Impulse gehen beispielsweise vom Institut für angewandte Theaterwissenschaften in Gießen aus, aber auch vom Departement Darstellende Künste und Film der Zürcher Hochschule der Künste, das seit einigen Jahren engste Verknüpfungen von Forschung und Lehre betreibt, Forschungsaktivitäten der Dozierenden fördert und Erkenntnisse aus Forschungsprojekten in die Lehre transferiert, resp. diese generiert. Themen sind die von Milo Rau betriebenen Formate des „Reenactments“, die Entwicklungsperspektiven des Schauspiels, die Schnittstelle zwischen den Darstellenden Künsten (Tanz/Theater/Performance), die Theorie der Darstellenden Künste und die Entwicklung eines dritten Ausbildungszyklus (statt Promotion explorative künstlerische Formate). Ein erstes Projekt, das im Rahmen eines postgradualen Aufenthalts am Departement neue Aufgabenstellungen für die Darstellenden Künste untersuchen und realisieren will und damit auch der Exploration dieses Ausbildungsfeldes dient, ist im Entstehen: Untersuchungsgegenstand und Produktionsinteresse sind theatrale, politische Strategien der subversiven Affirmation.
Die Form der Diskussion von Darstellungspraktiken wird sich mit der Bedeutung der Reflexionsfähigkeit beschäftigen müssen, mit einem Verständnis des darstellenden Menschen als Künstler. Das Versprechen der „performativen Wende“ hat das Ende der Repräsentation diagnostiziert. Inzwischen wird  der Akt des darstellenden Handelns selbst als Zentrum theatralen Handelns verstanden. Die Darstellungs-Sehnsucht, die die Interessierten an die Hochschulen treibt, ist zu konfrontieren mit der Infragestellung der Darstellungsgegenstände (Theaterstücke, Rollen). Wenn das Spiel ein Potenzial von sozialen Optionen wird, kann es  ausprobieren, was soziale Grenzen und Abhängigkeiten, Forderungen und Restriktionen sind.
Theater als „eine der radikalsten Formen der Erprobung des Sozialen“ zu lehren und zu entwickeln, eröffnet die andere Seite einer möglichen Zukunft der Darstellungspraxis. Ein angemessenes Nutzen der Krise ist die Hinwendung zu dieser sozialen Funktion des Theaters. Für Kunstpraktiken auszubilden, die wir alle noch nicht kennen, hieße dann: Statt Figuren sind Sachverhalte darzustellen; Neues ist zu erfinden, das nicht den Bedürfnissen eines prekären Marktes entspringt (Spielplan, Feuilleton, Auslastung, öffentliche Finanzen), sondern dem künstlerischen Bedürfnis, das eigene Terrain zu problematisieren, deren Grenzen und Schranken zu erkennen und zu überwinden und sich einer Öffentlichkeit zu stellen, die nur darauf wartet, überrascht zu werden. Forschendes Lehren thematisiert das Theater als Praxis des sozialen Experiments und macht es als solches verstehbar, vor allem aber auch: lebbar von künftigen Darsteller_innen. Abkehr von der Theaterliteratur muss nicht heißen, dass diese Kunst der darstellenden Figuration ganz verlorengeht. Sie als eine von vielen anderen, zeitgemäßeren Formen des Spiels zu identifizieren, ist Aufgabe der Theaterausbildung heute. Die Optionen des Spiels, der Spiel- und Darstellungsformen zu definieren und zur Verfügung zu stellen, entspricht den Dynamiken der Arbeitsfelder. Diese sind in die Entwicklung der Lehrangebote einzubeziehen, bestenfalls vorwegzunehmen,   zumindest jedoch mitzubestimmen. 

1.)Baecker, Dirk: „Die Stadt, das Theater und die Naturwissenschaft der Gesellschaft“, Hebbel Theater Berlin Specials (April 2003). 

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Die Beste Aller Parteien https://whtsnxt.net/012 Thu, 12 Sep 2013 12:42:36 +0000 http://whtsnxt.net/die-beste-aller-parteien/ JW: Sie sind Komponist und Trompeter; zusammen mit Björk, Siggi, Frikki und Bragi haben Sie die Band Sugarcubes gegründet, und Sie waren auch bei Purrkur Pillnikk und KUKL dabei. Außerdem haben Sie Sibirien, das erste Internetcafé in Reykja-vík, betrieben. Nach der isländischen Finanzkrise von 2008 haben Sie zusammen mit Freunden – Schauspielern, Pop-Stars und Freischaffenden der Kulturindustrie – eine politische Partei mit dem Namen Best Party 1 gegründet – die beste Partei. Ihr Image ist das eines Haufens von Spaßvögeln, die die isländische Politik aufmischen wollen. Während Ihrer Wahlkampagne haben Sie zum Beispiel vorgeschlagen, einen Eisbären für den städtischen Zoo zu erwerben, Gratis-Handtücher in den Schwimmbädern der Stadt zu verteilen und dafür zu sorgen, dass das Parlament bis 2020 drogenfrei sein würde. Mit über 34 Prozent waren Sie die stärkste Partei bei den Kommunalwahlen, trotzdem werden Sie häufig als die Falschen am richtigen Ort betrachtet.
EÖB: Wir unterscheiden uns auf jeden Fall von den -Leuten, die vor 2008 unsere Regierung führten und -unsere Banken und Finanzinstitute leiteten. Sie waren äußerst seriös und ebenso destruktiv. Sie glaubten an die Spekulationsblase und stürzten das Land in die größte Wirtschaftskrise seiner Geschichte. Wir sehen vielleicht wie Spaßvögel aus, aber das heißt nicht, dass wir uns nicht als realistischer erweisen können als
die sogenannten Politprofis. Warum sollte ein Schauspieler, Sänger oder Künstler keinen guten Politiker -abgeben? Sie werden abgelehnt, weil die Politik ein Image hat, das von einer Clique professioneller Politiker geprägt wurde, die sich äußerst exklusiv geben und damit völlig isolieren. Man will uns glauben machen, dass man, um Politik machen zu können, eine spezielle Sorte Mensch sein muss, besonders talentiert und mit mehr Verstand und sozialer Kompetenz ausgestattet sein muss als ein normaler Mensch. Dieses Politikverständnis hat mich daran gehindert, selbst Einfluss darauf zu nehmen, wie mein Land regiert wird. Man musste ein »richtiger Politiker« sein, um »richtige Politik« zu machen. Dadurch wurde die ganze Politik total langweilig. Politprofis sind immer gleich. Es ist ein -exklusiver, mit der Führung des Landes beauftragter Club. Der Finanzcrash von 2008 hat aber nicht nur das Bankensystem, sondern auch das politische System -erschüttert. Die Situation ist den Politikern über den Kopf gewachsen. Dabei wäre es ihre Aufgabe gewesen, den Finanzsektor zu kontrollieren oder den turbokapitalistischen Traum zu beobachten. Sie schauten aber nur tatenlos zu und haben die drohende Gefahr nicht gesehen.

Nach dem wirtschaftlichen Zusammenbruch erschien die Situation so ausweglos, dass jemand das ganze Land bei eBay zum Verkauf angeboten hat. Damals ist die Best Party auf der politischen Bühne erschienen, eine Spaßnummer, die jedoch die Wahrheit enthüllte.
Von dem bekannten Komiker und Satiriker Jón Gnarr inspiriert, haben wir zusammen mit ein paar Musikern, Schauspielern, Fernsehleuten, Künstlern und Freiberuflern die Best Party gegründet und traten als Gruppe auf der politischen Bühne auf. Bei den Kommunalwahlen von Reykjavík 2010 konnten wir eine Mehrheit von 34 Prozent erreichen, und Jón Gnarr wurde Bürgermeister. Es war ein Experiment, wir wollten sehen, ob die Stadt auch ohne Politexperten funktionierte. Für mich ist es eine Gelegenheit, Politik auf einer menschlicheren Ebene zu betreiben und nicht von einer durch Inzucht entstandenen Parteistruktur abhängig zu sein. Wir haben keine versteckte politische Agenda; wir denken an das allgemeine Wohl und unterlaufen normative Politik. Wir glauben, dass wir die politische Landschaft Islands verändern können, schließlich haben wir innerhalb kürzester Zeit extrem viele Stimmen zu einem sehr günstigen Zeitpunkt gewonnen, als nämlich die Menschen enttäuscht und wütend waren und mehr Transparenz forderten. Es gibt aber auch viele, die uns nicht mögen und lautstark verkünden, wir seien inkompetent und untragbar, einfach nur Künstler und Popstars, die von nachhaltiger Politik keine Ahnung hätten. Unser Image ist das von Erlösern, Karnevalisten und Dilettanten. Wir spielen die traditionelle Rolle von Künstlern, aber von involvierten Künstlern. Künstler oder -Musiker werden oft als Vermittler zwischen dem politischen und gesellschaftlichen Bereich betrachtet, als Verteidiger einer guten Sache. Häufig konfrontieren sie die Gesellschaft mit dem, was tatsächlich abläuft und was es zu bedeuten hat. Sie setzen die politische Botschaft um und hinterfragen sie. Sie stellen Fragen und kritisieren die Politiker. Ähnlich wie sie haben wir als Künstler und bekannte Persönlichkeiten aus Kultur und Unterhaltung unser Engagement institutionalisiert, um eine Plattform für neue Möglichkeiten zu schaffen. Politik sollte Menschen ansprechen und motivieren, Stellung zu beziehen, ihre Meinung zu sagen.

Haben Sie vor dem Kollaps auch an den isländischen Traum geglaubt?
Vor 2008 haben die meisten aktiv an diesem Traum mitgewirkt. Doch unsere wirtschaftlichen Kenntnisse reichten nicht aus, um der Finanzfalle zu entgehen. Wir sind nicht so unschuldig, wie wir aussehen. Wir haben das Unsrige zu diesem Traum vom großen Geld und gewinnträchtiger Spekulation beigetragen und versuchen jetzt, den Karren aus dem Dreck zu ziehen.

Island gilt als ein ziemlich progressives und eigenständiges Land mit sehr wachen Bürgern.
Wie all die anderen nordischen Länder hat auch Island im 20. Jahrhundert tiefgreifende Transformationen erlebt. In den 1960er- und 1980er-Jahren florierte unsere Wirtschaft, und damals wurde auch ein soziales Sicherungssystem aufgebaut. Doch in den 1990ern änderte sich das. Wir glaubten, wir könnten mehr Geld machen, wenn wir uns auf Spekulieren verlegten, statt unsere Fisch-industrie zu entwickeln, mehr noch als die Wallstreet-Typen, die darin Weltmeister waren. Die Leute gaben ihre Arbeit in Industrien wie der Fischerei oder dem Transportwesen auf und verschrieben sich dem Traum vom schnellen Geld und dem Kreditmarkt. Viele hatten wirklich keine Ahnung, was Wirtschaft betraf. Ich kenne ein paar Leute, die jeden Monat eine Million Dollar scheffelten. Und nur die Wenigsten wussten, dass das ein böses Ende nehmen könnte. Auf sie hat aber niemand gehört.
Wie sähe die Situation aus, wenn es nicht zum -Kollaps gekommen wäre? Würde es einen postdemokratischen Konsens anstelle von Pluralismus geben?
Island hätte wahrscheinlich eine glückliche Elite von Multimillionären, die die Medien und die Politik kontrollierten. Die Leute waren berauscht von dem Erfolg, den das Land für sich verbuchte, und wir haben alle mitgemacht. Nach dem Kollaps wurde man dann sehr viel kritischer und skeptischer. Heute plädieren dieselben Leute, denen es früher nur um Profite ging, für wirtschaftliche Chancengleichheit.

Ein isländischer Kurator sagte: »Sie sind der reinste Segen für uns.« Eine solche Erklärung überrascht die Kunstszene, die sich normalerweise von der Politik übergangen fühlt. Sie scheinen etwas in die Politik einzubringen, was man »emotionales Kapital« nennen könnte.
Wir müssen beweisen, dass wir als Bürger in der Lage sind, Politik zu machen. Aber das System wird alle nur möglichen Hindernisse in den Weg legen, da es die Macht nicht abgeben will. Wenn sich ein ganz normaler Bürger in die Politik wagt, wird das System ihn schnell wieder hinausbefördern, weil er kein Politprofi ist, auch wenn er gute Arbeit leistet. Er folgt nicht den Regeln, die die sogenannte Politik ausmachen: Er sagt offen seine Meinung, er vernichtet seine Gegner nicht, für ihn zählen die Bedürfnisse der Menschen, und er stellt die Hierarchie nicht über alles und so weiter. Tatsache ist, dass wir solche Leute brauchen und Politik deshalb auch für jeden offen sein sollte. Am besten wäre es, überhaupt kein System zu haben, sondern eine gut funktionierende Anarchie, die sich selbst genügt, in der sich jeder um den anderen kümmert und alle bekommen, was sie wollen. Die Best Party unterscheidet nicht zwischen einem ästhetischen, von einem Kunstwerk inspirierten Experiment und einer politischen Aktion. Es ist dasselbe. Es berührt einen. Man macht sich Gedanken. Man nimmt sich und seine Umgebung wahr. Politik war nicht mehr für die Menschen da, gesunde Gefühle wie Solidarität und Aufrichtigkeit waren nicht mehr gefragt, ebenso wenig wie Fehler zu machen und sie zuzugeben. Wenn sich ein Politiker von der menschlichen Seite zeigt und wie ein normaler Mensch reagiert, sind die Leute richtig beeindruckt, ja schockiert. Und wenn man in der Politik Leuten begegnet, die normal sprechen und gleichzeitig Künstler, Schauspieler oder Musiker sind, so ist das sexy und eine richtige Offenbarung. Es ist intelligent und glamourös, offen und kritisch. So wie es sein soll. Jón Gnarr wurde gebeten, ein deutsches Marineschiff im Hafen von Reykjavík zu begrüßen. Er ist nicht hingegangen, hat aber eine Rede gehalten und erklärt, er sei Pazifist und gegen jede militärische Präsenz in einem neutralen Land. Ist das ein diplomatischer Faux-pas? Hat er keine Ahnung von Politik? Man kann es gut finden oder auch nicht, jedenfalls wird man seine politischen Aktionen nicht gleichgültig hinnehmen können. Und das zählt. Die Operation wurde als zweifelhaft sabotiert – man weiß auch nie genau, was ernst gemeint ist und was nicht. Eine kleine Parodie des politischen Systems dient als Warnung.
Wir sollten uns das Leben so einrichten, dass wir uns darin wohlfühlen.

Das klingt sehr schön.
Die Best Party ist eine Antwort auf einen gewissen Status quo. Lange Zeit waren Künstler einfach nur diejenigen, die Denkanstöße gaben und die Probleme der -Menschen in ihrer Kunst ausgedrückt haben. Wenn sie einen weiteren Schritt tun und in die Politik gehen, -setzen sie ihren eigenen Widerstand in die Tat um; sie geben politischen Konzepten eine menschliche Dimension, sie arbeiten gegen ein platt machendes System.
Mit seinen Künstlern in der Politik kann Island als eine Art Experiment gelten. Dreihunderttausend Menschen auf einer kleinen Insel bilden einen Mikrokosmos für sich. Was hier in kleinem Maßstab geschieht, spiegelt wider, was in einem größeren Maßstab in einer Welt von unterschiedlichen Interessen und Einflüssen geschieht. Island liegt auf halbem Weg zwischen Europa und den USA.

Sie sind Musiker. Ihr Wahlsong war ein Remix von Tina Turners Simply the Best.
Pop ist ein Mittel zum Zweck, ein ziemlich unwiderstehliches. Wir haben mit 19 Prozent der Stimmen in der Stadt angefangen, was absolut erstaunlich ist für eine Bewegung, die sich auf Punk zurückführen lässt. Ich bin der Zweitälteste in der Best Party und war selbst ein Punk. In die Politik zu gehen, hat für mich viel mit der Do-it-yourself- Moral dieser Musik zu tun. Ehrlich gesagt, ist es schon ein gewisses Dilemma für uns, da wir es nicht wirklich geplant hatten. Wir haben einfach nur auf die Situation hier reagiert. Wir haben jetzt sechs von fünfzehn Sitzen in der Stadtverwaltung, und wir sind uns unserer Verantwortung bewusst. Und wir können auch mit Kritik umgehen.

Antanas Mockus, ehemaliger Bürgermeister von Bogotá, war einfach zu aufrichtig für einen Politiker. Er legte seine Karten auf den Tisch und sagte, er würde nicht für alles eine Lösung haben, und hat schließlich verloren. Anscheinend ziehen die Menschen einen Lügner vor. Gehört Ihre Partei zu den Aufrichtigen?
Wir sind dabei zu lernen, learning by doing sozusagen. Gemeinsam versuchen wir, ein Problem oder eine Aufgabe zu bewältigen. Wir haben keine festen Verhaltensmuster, von denen sich ableiten lässt, was wir als nächstes tun. Von unserem Bürgermeister Jón Gnarr lässt sich das ebenso wenig sagen. Als Profischauspieler hält er
in den unterschiedlichsten Zusammenhängen seine Reden, und er glaubt daran, dass aus Worten Taten werden, dass sich mit Worten viel erreichen lässt. Eine Modenschau hat er mit einer Rede über Hunger, Armut und Schönheit eröffnet. Und er hat sich das Symbol der Stadt Reykjavík auf den Arm tätowieren lassen. So lässt sich mit Kunst Politik machen. Was immer er beschließt, wir sind bereit.

Sie sind für den Sektor Kultur und Tourismus zuständig. Was werden Sie für die isländischen Freischaffenden tun?
Wir wollen alles, was kreativ und gut ist, unterstützen, ohne darüber zu urteilen. Das frühere Kulturamt hat eine Agenda mit Programmen für unterprivilegierte Gruppen oder Minoritäten ins Leben gerufen. Dieses Geld wollen wir für gute Projekte, die weitergeführt werden sollen, verwenden. Wir unterstützen das Kino Bió Paradis, eine Art Schirmprojekt für isländische Filmemacher. Wir haben eine Tanzfabrik eröffnet, wo sich Choreografen betätigen können. Wir setzen uns für Künstlerkollektive ein, ohne zu selektieren oder Vorschriften zu machen. Wir nehmen die Dinge, wie sie sind. Reykjavík hat eine Künstlervereinigung, und man kann einmal im Jahr ein Projekt einreichen. Die Vereinigung entscheidet, wer das Geld bekommt. Nicht die Politiker sind zuständig, sondern die Künstler selbst. Wir segnen es nur ab. Isländische Kultur ist eines unser wertvollsten Güter, und wir verteidigen sie, so wie sie ist. Leider gibt es für weitere Abenteuer kein Geld.

Allein aufgrund seiner Größe ist Island eine Art politischer Versuchsanordnung. Wenn Sie sich -andere europäische Länder anschauen, denken Sie, dass ein Phänomen wie die Best Party auch dort -Erfolg haben könnte?
Die Iren wollten die Best Party in Dublin einführen, aber sie waren pessimistisch, ob das in ihrem Kontext funktionieren kann. Sie fragten uns, was sie machen können, um die Leute optimistischer zu stimmen. Jón Gnarr und ich gingen während der diesjährigen Wahlen nach Dublin, wo eine Gruppe von Künstlern eine Pseudo-Kampagne für Kandidaten organisierte, die gar nicht existierten. Ich sagte den Iren, dass sie bereits etwas Neues auf den Weg gebracht hätten, indem sie eine Partei gründeten, die es als solche gar nicht gibt. Sie auftreten lassen. Jón hätte das mit der Best Party auch so gemacht. Wichtig sei, das System herauszufordern. Ein Konzept wie das der Best Party kann in jedem Land Erfolg haben, die Leute müssen nur dahinter stehen. Vor allem darf man aber keine Angst haben, gegen das Establishment anzutreten.

Ich wollte herausfinden, was über die Best Party geschrieben wurde. Das Material bestand zum größten Teil aus herablassenden Witzen über Ihre Politik. Das Image ignoranter Optimisten reduziert Ihre Aktionen häufig zu Anekdoten.
Ich mache keine Witze, wenn ich interviewt werde. Ich verfolge eine bestimmte Politik. Ich bin bodenständig, ich stelle mich den Fragen und versuche, eine Antwort zu finden. Jón und ich haben eine Reihe sehr ernsthafter Interviews gegeben. Und alle vier politischen Parteien Islands waren sauer. Wir sagten, die Politiker würden sich gegenseitig fertigmachen, das wäre kein gesunder Wettbewerb. Die Sozialdemokraten, unsere Partner, meinten, das sei nicht fair. Aber es ist fair. Das bringt uns zurück auf die Frage von Künstlern, die sich in der Politik betätigen. Künstler können in der Politik absolut aufrichtig sein. Ich bin aufrichtig, wenn ich etwas sage. Wenn ich nicht verstehe, was die Politiker sagen, weil sie »im Namen des Systems« sprechen, melde ich meinen Widerspruch an. Statt mir eine ehrliche Antwort zu geben, werden sie ausfällig. Mit konstanter Bosheit nennen sie die Best Party die »Boy’s Party«, weil weniger Frauen drin sind. Und sie nennen Jón einen Gangster. Doch sie vergessen, dass die Finanzkrise in einem Sektor begonnen hat, wo es viel zu viele Männer gab, wo Testosteron der Treibstoff war.

Woher kommt Ihre politische Kompetenz?
Wir sind Politiker aufgrund unserer Lebenserfahrung. Viele der Politprofis gehen sofort nach der Universität in die Politik. Sie haben keine Ahnung, wie man einen Film dreht oder ein Buch schreibt, eine Plattenaufnahme macht oder ein Taxi fährt, ein Haus baut oder sich in einer Band behauptet. Unglücklicherweise haben sie nie diese wichtigen Erfahrungen gemacht. Wir schon.

Sind Sie nach einem Jahr nicht völlig ausgepowert? Denken Sie nicht ab und zu daran, doch lieber wieder Musik zu machen?
Man hat keine Mühe gescheut, um uns zum Aufgeben zu zwingen. Um uns die Sache so schwer wie möglich zu machen. Um die Atmosphäre zu vergiften. Daran habe ich mich gewöhnt. Und eigentlich habe ich auch damit gerechnet. Wenn ich jetzt aufgeben würde, könnte ich mir das nie verzeihen. Wer außer mir würde die Drecksarbeit machen? Wir haben ein menschliches Gesicht und intuitive Strategien. Wir sind eine Gruppe von Künstlern und Nicht-Künstlern, die sich angesichts des Defätismus und der Verzweiflung, die in Island und mehr und mehr auch in Europa überhand nehmen, spontan zusammentaten. Wir haben unsere Überzeugungen. Viele Leute fragen uns um Rat. Aber es gibt keine rationale Erklärung für unseren Erfolg.

In der isländischen Verfassung steht, dass jeder Bürger Präsident werden kann. Und wir setzen diesen Text in die Tat um. Die Best Party fordert:
1. Die Haushalte unseres Landes müssen unterstützt werden. Familie ist die beste Erfindung unserer Gesellschaft. Regierungen müssen den Bedürfnissen und Forderungen der Haushalte Rechnung tragen. Die Haushalte hier müssen von einem eisernen Schild umgeben werden. Für isländische Haushalte ist das Beste gerade gut genug.
2. Die Lebensqualität der weniger Privilegierten muss verbessert werden. Wir wollen für euch alles tun, was in unserer Macht steht, und euch eine kostenlose Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel und der Schwimm-bäder anbieten, damit ihr euch frei in Reykjavík bewegen könnt und immer frisch gewaschen seid, auch wenn ihr kein Geld habt oder unter irgendwelchen Handicaps leidet.
3. Schluss mit der Korruption. Wir versprechen, dass es damit ein Ende haben wird. Wir werden das erreichen, indem wir mit offenen Karten mitspielen.
4. Gleichheit. Jeder Mensch verdient das Beste, unabhängig davon, wer er ist und woher er kommt. Und wir wollen unser Bestes tun, damit jeder in dem besten Team mitspielen kann.
5. Mehr Transparenz: Am besten ist, wenn alles auf dem Tisch liegt, dann wissen die Leute, was Sache ist. Wir möchten das auf jeden Fall unterstützen.
6. Eine Demokratie, die funktioniert: Demokratie ist ja gut und schön, aber eine funktionierende Demokratie ist noch besser. Dafür treten wir ein.
7. Alle Schulden erlassen: Wir hören auf die Nation und richten uns nach ihren Wünschen, denn die Nation muss schließlich wissen, was für sie am besten ist.
8. Kostenlose Nutzung von städtischen Bussen für Studierende und Krüppel. Wir können mehr kostenlose Dinge versprechen als jede andere Partei, weil wir genau wissen, dass wir unsere Versprechen nicht halten werden. Also können wir versprechen, was wir wollen. Zum Beispiel Freiflüge für Frauen oder kostenlose Autos für Leute, die in ländlichen Regionen leben. Was auch immer.
9. Kostenlose zahnärztliche Behandlung für Kinder
und Behinderte. Das hat es bislang noch nicht gegeben, und wir wollen auf jeden Fall auch diese Versprechung machen.
10. Freier Zugang zu Schwimmbädern und Gratis-Handtücher für alle: Das muss eigentlich auch allen imponieren – auf dieses Wahlversprechen sind wir besonders stolz.
11. Diejenigen, die für den Wirtschaftskollaps verantwortlich sind, sollen sich vor Gericht verantworten.
Wir hatten das Gefühl, das dürfte nicht fehlen.
12. Völlige Gleichstellung der Geschlechter.
13. Frauen und alte Leute sollen mehr Gehör finden. Man hört ihnen einfach nicht richtig zu. Als würden alle denken, sie würden sich doch nur beklagen. Wir wollen das ändern. Siehe: http//en.wikipedia.org/wiki/Best_Party (Zugriff am 13.12.2011).

Aus dem Englischen von Uta Goridis

Dieses Gespräch erschien anlässlich der Publikation „Forget Fear“ der
7. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst (27. April – 1. Juli 2012), hrsg. von Artur .Zmijewski und Joanna Warsza, Köln 2012, S. 276–281.

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