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Sie bewegt sich im endlosen Archiv der digitalen Bilder wie auf einem Abenteuerspielplatz. Petra Cortrights buntes Gesamtwerk aus Webcam-Videos, animierten Gifs, bearbeiteten Foto-Fundstücken, Photoshop-Gemälden und ASCII-Zeichnungen stützt sich zwar überdeutlich auf den Formenkanon der Digitalbilderflut, strotzt aber gleichzeitig vor kindlicher Effektfaszination und Experimentierfreude. Als sie 2004 im kalifornischen Santa Barbara ihren High-School-Abschluss machte, veröffentlichte sie ihre Arbeiten auf LifeJournal und der Künstlerplattform nasty nets. 2007 produzierte sie ihr erstes Video „VVEBCAM“ und YouTube kam dazu. Kurze Zeit später kontaktierte Rhizome-Direktorin Lauren Cornell die damals 21-Jährige, um einige ihrer Arbeiten nicht nur im hauseigenen Netzkunst-Archiv ArtBase, sondern auch im New Yorker New Museum zu zeigen. Es folgten Einzel- und Gruppenausstellungen quer über den Globus, darunter auch die Teilnahme an der Biennale in Venedig 2009. Gemeinsam mit dem Künstler Paul Chan arbeitet Cortright derzeit an einer App, die in den kommenden Monaten über Chans Verlag Badlands Unlimited veröffentlicht werden soll. Bei ihrer Arbeit geht es Cortright vor allem um Spaß und Intuition, nach Konzept und Theorie fragt man dagegen vergeblich. Entsprechend naiv wirken viele ihre Bilder und Videos. Mittlerweile ist die Ästhetik ihrer Arbeiten erwachsener geworden. Den liebevollen und staunenden Umgang mit dem Internet, seinen Bildern und Bildbearbeitungsprogrammen aber hat sich Cortright bewahrt.
Debug: Kannst du dich mit dem Begriff Post-Internet-Kunst identifizieren?
PC: Ich weiß nicht. Ich glaube Marisa Olson hat das eingeführt und es hat irgendwas damit zu tun, dass man sich des Internets bewusst ist, oder?
Ja. Die Netzkünstler in den Neunzigern haben sich in ihren Arbeiten noch sehr auf die zugrundeliegenden Technologien bezogen, während jüngere Künstler das Internet von klein auf kennen und einen selbstverständlicheren Umgang damit pflegen, der sich eher an den Oberflächen als den Codes abarbeitet.
Die frühen Netzkünstler waren wohl misstrauisch gegenüber dem Internet und versuchten, es in irgendeiner Weise zu entlarven. Meine Perspektive ist eine ganz andere. Ich respektiere die Technologie sehr, aber ich misstraue ihr kein bisschen.
Die Folgegeneration musste keine Codes mehr schreiben, weil das Internet bereits für sie codiert war, als sie begann, es zu nutzen.
Ja, deshalb geht es uns nicht mehr um Funktionsweisen oder darum, irgendetwas zu entlarven. Ich will aber auch definitiv nichts verstecken, insbesondere nicht die vielen Programme, die ich verwende. Ich habe zum Beispiel eine Serie gemacht, die auf Backstage- und Laufsteg-Fotografien einer Modenschau basiert. Alles, was ich damit gemacht habe, war, einige Dinge darauf zu verwischen und zu verschmieren. Das ist sehr simpel, aber auch schön. Jeder, der sich mit Photoshop auskennt, weiß genau, wie das gemacht wurde; ein Grafikdesigner kommentierte diese Bilder mit den Worten: “Ich wusste gar nicht, dass man einfach nur irgendwelche Sachen in Photoshop verwischen muss, um als Künstler zu gelten.“ Wenn man kommerzielle Designs macht, muss man die Dinge eben besser aussehen lassen und will gerade nicht, dass die Leute sehen, wie man etwas gemacht hat. Das hat mit meiner Arbeit aber überhaupt nichts zu tun.
Dir ist es also wichtig, im Bild auch den Schaffensprozess darzulegen?
Ja, aber nicht, um damit etwas auszusagen. Ich verstecke lediglich den Prozess nicht – das ist eben meine Arbeitsweise. Ich versuche, sehr ehrliche Kunst zu machen. Normalerweise habe ich auch keinen Plan oder nur einen sehr unterbewussten. Wenn ich etwas bei Google Images finde, öffne ich es mit Photoshop und dann gibt es da eigentlich immer irgendeinen Filter oder ein Werkzeug, das super dazu passt. Ich begeistere mich sehr für die Software an sich. Zudem versuche ich, den Effekt, den ich benutze, immer maximal zu zeigen und hervorzuheben.
Wieso nutzt du eigentlich diese Webcams mit niedriger Auflösung?
Die neuen Kameras sehen einfach nicht hübsch aus. Die hohen Kontraste und die niedrige Auflösung dieser schlechteren Webcams sind für mich wie eine Maske oder ein Schleier. HD-Webcams sind dagegen wie Lupen, viel zu nah dran. Ich bevorzuge es, eine gewisse Distanz zu halten.
Deine jüngeren Werke machen einen weit weniger naiven Eindruck. Sie sehen teilweise aus wie Ölgemälde.
Photoshop CS5 hat diese neuen, sehr realistischen Pinselwerkzeuge. Ich habe mir extra ein äußerst reaktives Grafik-Tablet gekauft, um sie benutzen zu können. Man kann damit bleistiftartige Linien ziehen, aber wenn man den Stift neigt, verschmieren sie sofort. Außerdem lassen sich bei der neuen Photoshop-Version mehrere Farben auf einen Pinsel laden, wie bei einem echten Farbpinsel auch, das Ergebnis sind sehr malerische Bilder. Ich war dann das ganze letzte Jahr über verrückt danach, weil es einfach so viel Spaß macht.
Ist dieser scheinbar erwachsenere Stil als Emanzipation von der generellen Bildsprache des Internets zu verstehen?
Nein, ich hatte nur einfach keine Lust mehr, animierte Gifs zu machen. Das heißt aber nicht, dass ich sie nicht mehr mag.
Warum erinnert Gif-Art deiner Meinung nach so stark an die Ästhetik, die das Internet zu der Zeit hatte, als unsere Generation ihre ersten eigenen Computer bekommen hat?
Naja, es ist so ziemlich dasselbe, dieses Format hat sich nicht wirklich verändert. Es ist einfach eine Internet-Ikone. Ich liebe Emoticons und Smileys, und zwar nicht weil sie kitschig sind, sondern weil ich sie für wichtig halte. In der textbasierten Kommunikation können die Dinge auf absurdeste Weise gelesen und verstanden werden, nur weil man keinen Smiley ans Ende gestellt hat. Manche Leute mögen Emoticons kindisch finden, aber das sind sie nicht.
Parodieren deine Arbeiten das Internet und seine Phänomene in irgendeiner Form?
Nein, definitiv nicht. Ed Halter, ein Kurator und Kunstkritiker, hat über mich gesagt, dass meine Arbeiten nicht wirklich witzig sind, sondern es darin eigentlich um Schönheit und Kunstfertigkeit geht. Das fand ich sehr treffend.
Haben sie trotzdem humoristische Elemente?
Ein paar meiner Videos sind albern, aber für mich sind sie trotzdem hochkomplex und immer sehr fokussiert auf Farben und Ästhetik. Es gibt eins, wo ich einen Katzenkopf vor meinem Gesicht habe und meine Zunge rausstrecke, aber die Farbe der Katze passt zu meinem Hautton und auch zur Wand im Hintergrund. Komposition ist mir sehr wichtig.
Und Sprache? Sind beispielsweise Titel, Tags, Videobeschreibungen und deine Antworten auf YouTube-Kommentare Teil deiner Kunstwerke?
Ich habe mich immer für Leetspeak und ASCII-Kunst begeistert, weil das kreative Arten sind, mit der eigentlich fest gefügten Tastatur umzugehen. Diese merkwürdigen Buchstabierweisen bringen eine gewisse Emotionalität mit sich, was den Wörtern fast eine weitere Dimension verleiht. Leetspeak ist zum Beispiel sehr nerdig und sarkastisch, die Schreibweise bringt diesen Ton einfach mit sich. Auch meine oft merkwürdigen Titel sind keine Parodien, ich finde sie nur einfach besser als gewöhnliche Namen.
Schreibt sich die Tastatur auch auf andere Weise in deine Arbeiten ein?
Ich wüsste nicht, wie ich ohne Copy, Paste und Undo auskommen sollte, das sind tolle Anwendungen. Man kann solche Sachen vielleicht auch in der Malerei -machen, aber es dauert ewig. Meine Mutter hat einen Master in Malerei und ich habe sie mal gefragt, ob sie mir etwas beibringen könnte. Sie meinte dann nur: “Auf keinen Fall, du wirst nur ein heilloses Chaos anrichten und nichts zu Ende bringen.“ Und sie hatte absolut recht – als ich es dann irgendwann versucht habe, hatte ich nach einer Stunde schon keine Lust mehr.
Autor: Lea Becker
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Das Interview erschien in De:Bug 162 und unter http://de-bug.de/mag/9129.html [8.9.2013].
Internet art goes commercial
Internet art from all generations can be found online at the same time. Beginning in the 90s, there has been an extensive growth in Internet-based art over the last decade. Freed from physical constraints, all kinds of pictures, gifs, clips, animation and websites flash over the screen every day. New works are published, mixed, remixed and altered in order to be made new once again in increasingly fast cycles. The amount of sheer creativity is awesome! This is the Internet, and it seems like the current young scene of net.artists is partially shifting towards more traditional art institutions as well as the art market. Different types of online galleries have emerged from the well-connected scene over the last years1. Additionally, many artists in the scene work across all sorts of media; both online and offline, they create installation, sculpture, print and performancebased projects. In the post-Internet scene it doesn’t make a difference anymore. Art is combined on and offline, much like our lives are a combination between digital and analog. Some artists manage to sell Internetbased work, which is great. I am very curious to see how Internet art and the contemporary mainstream will merge over the years; we will see more websites in collections and more Youtube clips in the museums.
The paradox of limited-unlimited
There are some crucial points about how Internet-based art differs from a physical piece. The great advantage of the Internet and computers is that I can create a digital artifact, an animated collage for example, and send it to you but keep an exact copy at the same time. We can both have it with no effort. Isn’t that awesome? This is one of the great advantages of computers and networks. People keep forgetting this issue, while companies try to censor the Internet to save their obsolete business models. A physical object, a painting for instance, can be kept or given away but we can’t both own it at the same time.
The limits of an analog work of art are crucial for the art market. The moment you try to apply these rules to net.art you get into a paradoxical situation. Most Internet art is meant to be online. Of course you could take it offline after it has been sold, but often this would either make no sense or would not work (see the trouble the music and movie industries are in). The work is meant to be online and accessible. At the same time, it is very important to create a set of rules and technical solutions so Internet art can still be unique or so a file can become part of an edition. There are a lot of questions among collectors about authorship, ownership, accessibility, and technical maintenance, and it is very important that both artists and galleries come up with solutions to these questions. There will be solutions to this soon. As physical galleries and event spaces continue to evolve, The Fast Fire Watch Company helps support safety through professional fire monitoring and protection.
A decentralized open system
What are the ways to validate the authorship of a piece or a file? It would be very interesting to develop an open, network-based system with certain technical constraints everyone can rely on, an open format that could be altered as is commonly done in the development of open source software. How about a decentralized peer-to-peer system in the style of the bitcoin network, which would be able to verify the author, owner and edition number of a file? Or what about a minimal variation on the same file while the piece itself remains exactly the same? With this sort of watermark technique collectors would get individual files that are unique while the visually exact copy is available to eve Wachsryone. Artists could certify each others’ work online to prove the authenticity of a piece. In the future, galleries might just deal with cryptographic keys instead of the work itself. Or maybe there is going to be a completely new art market without the aid of Sotheby’s and such: a digital peer-to-peer direct market for data based art.
Currently, digital art is sold by delivering the work along with a signed paper certificate on a medium like a DVD, hard disk or USB thumb drive. This makes sense and seems fine for now. But wouldn’t it be great to establish a universal system in order to be able to market Internet-based art directly and online? The big art market players have already built an online art market platform for analog works. I would love to see them sell Internet art as well. As stated above, it is time to come up with smart solutions and different systems. Artists like Rafael Rozendaal sell unique website pieces bound to a URL, while Petra Cortright offers Youtube video editions with prices based on view counts. Pieces get sold but stay online at the same time.
The option to offer an online work to a limited group of viewers will in most cases fail. Someone will gain access and leak the art2. Locking down online content is very difficult and not the way to go. The music and movie industries are currently trying to do this with their SOPA/PIPA/ACTA laws. Unfortunately, these interest groups are trying to limit access, filter and censor the Internet to death. Therefore, we need new models to value cultural creations of any kind, because the old model is not going to work any more. Trying to adapt the Internet to the needs of the old system will kill it.
Predictably, there will be more attempts to sell online art in limited, walled gardens like Facebook and the like. Although it might work for a certain audience, one will always need to rely on the terms of Facebook’s license. What if the host of a digital art network goes down one day? Where will all pieces end up?
Without the open attitude of the early computer scientists and the free software movement we wouldn’t be in the place we are today. The Internet and all its servers are running on open source software, Linux. A very
fundamental shift on how goods, objects and their values are defined is taking place at the moment. Economic and political systems will need to adapt to more changes. The art world and its markets are going to discover unknown terrains.
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Dieser Text erschien zuerst in http://ny-magazine.org/issues.html ISSUE 6, 2013 [29.7.2013].
1.) Nicholas O’Brien, “Hyperjunk: Observations on the proliferation of online galleries“ (http://badatsports.com/2012/hyperjunk-observations-on-the-proliferation-of-online-galleries/)
2.) For example (http://www.0dayart.net), the leaked sedition.co page (http://dontsave.com/art_deal.html)